Kochkiste

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Kochkiste, spätes 19. Jhd.

Unter einer Kochkiste versteht man ein wärmedämmend ausgekleidetes Behältnis, in das einzelne Töpfe mit erhitzten Speisen eingestellt werden können, damit diese dann ohne weitere Energiezufuhr, über einen Zeitraum von Stunden, fertig garen.

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Kochkiste aus der Frankfurter Küche, 1926–1930, geöffneter Deckel.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kochkiste verdankt ihre Entstehung und ihre Verbreitung dem gegen Ende des 19. Jahrhunderts verbreiteten Bemühen, breiten Schichten der Bevölkerung Möglichkeiten zu sparsamem Wirtschaften zu zeigen. Sie erleichterte auch die Haushaltsführung berufstätiger Frauen, die morgens die Speisen kurz aufkochen und diese während ihrer Abwesenheit in der Kochkiste fertig garen lassen konnten.[1]

In Zeiten knappen Brenn- und Heizmaterials sicherte die Kochkiste mit einem Minimalverbrauch des Heizmaterials die Zubereitung warmer Speisen, was zu ihrem verstärkten Einsatz in Kriegs(mangel)zeiten führte. So wurde in der Zeit des Ersten Weltkriegs in verschiedenen Kochbüchern die Nutzung der Kochkiste speziell behandelt und ihre Nutzung propagiert.[2][3] Und noch nach dem 2. Weltkrieg wurden die Kochkisten z. B. während der Berlinblockade genutzt, um mit dem nur nachts kurz verfügbaren Strom Essen anzukochen und bis mittags fertig garen zu lassen.[4]

In die 1926 entworfenen Frankfurter Küche, der auf Arbeitseffizienz ausgerichteten Vorläuferin der modernen Einbauküche, wurde aus arbeitsökonomischen Gründen ebenfalls eine Kochkiste eingeplant.[1]

In jüngerer Zeit wurde die Idee der Kochkiste durch an die Topfformen angepasste Isolationsbehälter neu aufgegriffen.[5] Außerdem neu ist die Idee, eine flexible Hülle für den Topf zu benutzen, um eine flexiblere Nutzung von verschiedenen Topfgrössen zu ermöglichen. Ein solcher "Kochsack" ist zudem einfacher zwischenzulagern als eine starre Box.[6]

Konstruktion[Bearbeiten]

Kochkisten gab es entweder als Eigenbau (aus einem Korb, einer Truhe oder einer Kiste, die mit einer Decke ausgelegt und Zeitungspapier, Stroh, Heu, oder ähnlichem ausgestopft wurde) oder auch seit 1900 industriell hergestellt. Als möglicher Erfinder gilt Karl Drais.[7] Nach demselben Prinzip kann z.b. Reis o.ä. unter der Bettdecke zu Ende garen.

Kochsack[Bearbeiten]

Eine Variante ist der Kochsack. Das Behältnis besteht aus zwei unterschiedlich großen aus Stoff genähten Zylindern. Der Zwischenraum ist mit Dämmmaterial, z.B. Holzwolle gefüllt. [8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Versmolt: Die Kochkiste nebst einer reichen Auswahl dazu passender Speisen. S. Schnurpfeil, Leipzig 1900, LCCN 85-666778, Open Library: OL2670556M
  • Kochet in der Kiste! Das Kochbuch für die Kochkiste, aus der Praxis / herausgegeben von einer Landfrau. Verlag von Fr. Bahn, 1904, LCCN 85-666827, Open Library: OL2670604M
  • Luise Holle: Die Kochkiste; ein unentbehrliches Hilfsmittel jeder Küche. H. Hillger, Berlin 1907, LCCN 52-57646
  • Marie Buchmeier: Neues Kochbuch für kleine Haushaltungen. 3 Personen. 809 Originalrezepte. Jungen Hausfrauen und Köchinnen gewidmet. Josef Habbel, Regensburg ca. 1908, mit einer kleinen Abhandlung zur Kochkiste.
  • Ida Schuppli, Betty Hinterer: Grabnerhof-Kochbuch - Mit besonderer Berücksichtigung der Kochkiste - Zum Gebrauche für Hausfrauen des Mittelstandes. Wien 1913.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Lore Kramer: Rationalisierung des Haushaltes und Frauenfrage - Die Frankfurter Küche und zeitgenössische Kritik (S. 6)
  2. "Im Interesse der hungernden Bevölkerung - die Gründung des Landkreistages im Ersten Weltkrieg" (S.6; PDF; 4,2 MB)
  3. Esslinger Ortsgeschichte (S.94; PDF; 545 kB)
  4. Kochkiste während der Berlinblockade
  5. Kochen in der Kiste, Die Zeit, 5. März 1993
  6. Informationen über Kochsäcke und eine Bauanleitung (PDF 1,3MB)
  7. Hans-Erhard Lessing: Automobilität Karl Drais und die unglaublichen Anfänge. Maxime Verlag, 2003, S. 456ff.
  8. Die Kochkiste und der Kochsack, ihre praktische Benutzung und Anfertigung sowie 25 Rezepte. - Potsdam : Stiftungsverlag, [1910] (Schriften d. Frauenhülfe ; H. 8)

Weblinks[Bearbeiten]