Kolophon

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Dieser Artikel behandelt die antike Stadt Kolophon. Für die Nachschrift in einem Buch siehe Kolophon (Schriftstück).

Kolophon (griechisch Κολοφών) war in der griechischen Antike eine der größten Städte in der kleinasiatischen Landschaft Ionien. Sie lag beim heutigen Dorf Değirmendere im türkischen Verwaltungsbezirk İzmir, zwischen İzmir, dem antiken Smyrna (im Norden) und Ephesos (im Süden), nördlich der Hafenstadt Notion.

Als eine der Mutterstädte der Ionier war Kolophon Teil des Ionischen Bundes (Dodekapolis). Dreizehn Kilometer südlich von Kolophon lag das berühmte Orakel von Klaros. Die Nadelbäume um Kolophon lieferten das Harz Kolophonium, das damals wie heute für die Bespannung der Bögen von Streichinstrumenten verwendet wird.

Die Stadt wurde angeblich von zwei Söhnen des Kodros, dem König von Athen, gegründet (was in die Zeit nach 1089 v. Chr. fallen würde). Ihre berühmtesten Söhne sind der Philosoph Xenophanes, der Dichter Mimnermos und der Maler Apelles. Kolophon war auch eine der ionischen Städte, die darum konkurrierten, Geburtsort Homers gewesen zu sein.

Kolophon galt in archaischer Zeit als eine der reichsten Städte Ioniens und wurde mit dem unteritalischen Sybaris verglichen, büßte ihren Wohlstand aber in klassischer Zeit weitgehend ein. Nach 479 v. Chr. wurde die Stadt Mitglied im attischen Seebund; 430 v. Chr. wurde sie nach Parteikämpfen persisch und trat 409 wieder auf die Seite Athens. Im Jahr 404 fiel Kolophon erneut unter persische Oberhoheit, um dann im 4. Jahrhundert v. Chr. das allgemeine Schicksal Ioniens zu teilen. Lysimachos, einer der Diadochen Alexanders des Großen, zwang um 300 v. Chr. die Bevölkerung, nach Ephesos umzusiedeln, das unter seinem Befehl an neuem Ort errichtet wurde. Damit verlor die Stadt Kolophon ihre Bedeutung, auch wenn sie nach Lysimachos’ Tod 281 v. Chr. wieder aufgebaut wurde. Kolophon vereinigte sich mit der Hafenstadt Notion, verlor jedoch in hellenistischer Zeit jede Bedeutung.

Es sind nur wenige Reste der Stadt erhalten.

Literatur[Bearbeiten]

  • William L. MacDonald: Colophon, Ionia, Turkey. In: Richard Stillwell et al. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton, N.J. 1976, ISBN 0-691-03542-3.
  • George Ewart Bean: Kleinasien. Band 1. Die ägäische Türkei von Pergamon bis Didyma. 5. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1987, ISBN 3-17-009678-8, S. 186–188.
  • Leicester B. Holland: Colophon. In: Hesperia. The Journal of the American School of Classical Studies at Athens, Vol. 13, No. 2, April–Juni 1944, S. 91–171
  • Carl Schuchhardt: Kolophon, Notion und Klaros. In: Athenische Mitteilungen 11, 1886, S. 398–434 (Internet Archive).

Weblinks[Bearbeiten]

38.11555555555627.142222222222Koordinaten: 38° 7′ N, 27° 9′ O