Xenophanes

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Dieser Artikel behandelt die den Philosophen. Für den Mondkrater siehe Xenophanes (Mondkrater).

Xenophanes von Kolophon (griechisch Ξενοφάνης Xenophánēs; * um 570 v. Chr. in Kolophon; † um 470 v. Chr.) war ein antiker griechischer Philosoph und Dichter. Er wird zu den Vorsokratikern gezählt.

Leben[Bearbeiten]

Geboren im kleinasiatischen Kolophon, führte Xenophanes ein unstetes Wanderleben: Mit 25 wurde er aus seiner Heimatstadt vertrieben[1] und wanderte 67 Jahre durch die griechischen Lande, eventuell sogar nach Ägypten. Er übersiedelte nach Elea in Süditalien und war wohl als Rhapsode, das heißt als Rezitator der alten Epen (vor allem Homers) und vermutlich auch eigener Werke tätig (die allerdings verloren gegangen sind). Auch seine philosophischen Werke verfasste er stets in lyrisch gebundener Form: Elegien und Silloi.[2]

Bedeutung, Lehre, Wirkung[Bearbeiten]

Als Vertreter einer Zeit des Wandels, der Morgenröte des klassischen Hellas, hebt Xenophanes ganz im Sinne Hegels das Erbe der vorklassischen Welt auf; er ist der erste, der dies auf eine greifbar systematische Art tut, der „Sturmvogel der griechischen Aufklärung“, der Ideen der Religionskritik und des Rationalismus der Aufklärung vorwegnimmt. Nicht zufällig ist Xenophanes, wie Werner Jaeger sagt, „der erste griechische Denker, der als Persönlichkeit fassbar ist“.

Xenophanes’ Lehre war schon Platon und Aristoteles recht unklar. Bereits Heraklit hatte über ihn gesagt, dass das Kennenlernen vieler Dinge ihn nicht Verstehen gelehrt habe, und Aristoteles hielt ihn für etwas schlicht.[3] Aus der Antike haben wir sonst kaum Zeugnisse; auch zu seiner Philosophie gibt es nur wenige einzelne Bemerkungen. In der modernen Debatte änderte sich das deutlich, wenn diese auch komplex und kontrovers geführt wurde und teilweise auch noch wird. Die Faszination des Fragmentarischen steigert die Möglichkeit zu kreativer Interpretation mit all ihren Gefahren.

Xenophanes schrieb analytisch und satirisch unter anderem über die Vielzahl und Menschenähnlichkeit der griechischen Götter. Er leistete somit Kritik an der Göttervorstellung des Homer und Hesiod und wurde daher auch von Albert Regenfelder als „Anti-Homer im Gewand des homerischen Sängers“ bezeichnet. Ihm zufolge schufen nicht die Götter die Menschen, sondern die Menschen die Götter („Wenn die Pferde Götter hätten, sähen sie wie Pferde aus“), ein religionssoziologischer Ansatz (Anthropomorphismus). In seinem philosophischen Hauptwerk (Über die Natur) vertritt er einen Monotheismus, dessen Gott ewig, einheitlich, unbeweglich und von vollkommener Gestalt ist, wobei das Pantheon der (ursprünglich und vorhomerisch durchaus lokalen) Gottheiten erhalten bleibt.

Von Karl Popper[4] wird Xenophanes als Vorläufer des kritischen Rationalismus angesehen (siehe Erkenntnistheorie). Das menschliche Wissen besteht ihm zufolge aus Vermutung (Meinung), die Wahrheit sei nicht als solche erkennbar. Gleichzeitig sei es möglich, sich der Wahrheit allmählich anzunähern: „Nicht von Anfang an haben die Götter den Sterblichen alles Verborgene gezeigt, sondern allmählich finden sie suchend das Bessere.“

Diese Auffassung führt dann bei Parmenides von Elea zur strikten Unterscheidung zwischen der wahren, durch die Sinne nicht wahrnehmbaren Welt und der Welt der Erscheinungen (Weg der Meinung). Xenophanes’ Rationalismus führte ihn zu einer gleichsam agnostischen Position in Bezug auf die Götter. Zwar stellte er deren Existenz nicht in Frage, urteilte aber, dass der Mensch niemals etwas Gesichertes über die Götter wissen könne.

Bis in die 1950er-Jahre hinein wurde – auf Grund falscher doxographischer Überlieferung schon seit der Antike, unter anderem des Aristoteles – häufig angenommen, Xenophanes sei ein eleatischer Philosoph gewesen, da er auch in Elea (römisch: Velia) an der großgriechischen Küste Lukaniens (Unteritalien) gewirkt hat. Mit den Eleaten ist er aber nach heutiger übereinstimmender Ansicht nicht direkt verbunden, auch nicht mit Parmenides (oder gar Zenon von Elea) – wie Friedrich Nietzsche bereits erkannt hatte: Anwesenheit am selben Ort genügt als Beleg nicht.

Xenophanes hat aus Fossilienfunden auf einem Berg geschlossen, dass das Wasser einst die ganze Erde bedeckt haben müsse (siehe Neptunismus). Er meinte, alles sei aus Wasser und Erde entstanden (Ur-Schlamm) und vergehe schließlich wieder zu Wasser. Die Erde werde vom Wasser weggeschwemmt und entstehe danach wieder neu. Das Meer sei zudem der Ursprung der Wolken; Sonne und Gestirne entstünden wiederum aus diesen Wolken. Der Regenbogen sei eine besonders geartete Wolke.

Quellensammlungen[Bearbeiten]

  • Hermann Diels, Walther Kranz (Hrsg.): Die Fragmente der Vorsokratiker. 6. Auflage, Nachdruck Georg Olms Verlag, 2004, ISBN 3-615-12201-1 (Digitalisat: 1. Auflage, Berlin 1903, S. 38-58 metadata PDF; DK 21)
  • Laura Gemelli Marciano (Hrsg.): Die Vorsokratiker. Band 1, Artemis & Winkler, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-7608-1735-4, S. 222–283 (griechische Quellentexte mit deutscher Übersetzung, Erläuterungen sowie Einführung zu Leben und Werk)
  • Bruno Gentili, Carlo Prato (Hrsg.): Poetarum Elegiacorum Testimonia et Fragmenta. Bd 1. Teubner, Leipzig 1988, ISBN 3-322-00457-0 (bester griechischer Text)
  • Ernst Heitsch (Hrsg.): Xenophanes: Die Fragmente. München 1983 (zweisprachige Ausgabe mit ausführlichem Kommentar)
  • James E. Lesher (Hrsg.): Xenophanes of Colophon: Fragments. University of Toronto Press, Toronto 1992, ISBN 0-8020-5990-2 (zweisprachige Ausgabe mit ausführlichem Kommentar)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Xenophanes – Quellen und Volltexte
 Commons: Xenophanes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Diogenes Laertios IX 19.
  2. Wolfgang Schadewaldt: Die Anfänge der Philosophie bei den Griechen.
  3. Aristoteles, Metaphysik 986b26.
  4. Karl Popper, L. Bennett: In Search of a Better World. Lectures and Essays from Thirty Years, S. 192, 1996; Karl Popper, A. Friemuth Petersen, J. Mejer: The World of Parmenides. Essays on the Presocratic Enlightenment, S. 46ff., 1998.