Kosmas Indikopleustes

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Weltbild des Kosmas Indikopleustes: Flache Erde in einem Tabernakel, 6. Jahrhundert

Kosmas Indikopleustes (Κόσμας Ἰνδικοπλεύστης der Indienfahrer) war ein spätantiker Schriftsteller und Reisender aus Alexandrien und Zeitgenosse Kaiser Justinians I. Der richtige Name des Autors ist unbekannt, der Name Kosmas Indikopleustes wurde etwa seit dem 9. Jahrhundert gebraucht.[1]

Der Autor war ein nestorianischer Christ und bereiste als Kaufmann das Schwarze Meer, Arabien und Ostafrika (Aksum); ob er auch bis nach Ceylon und Südindien reiste, ist in der Forschung umstritten. Um 550 schrieb er im hohen Alter seine Topographia Christiana, eine christliche Weltbeschreibung in zwölf Büchern, deren Zweck die Widerlegung der ptolemäischen Auffassung von der Erde als Kugel war. Er bezog wohl auch gegen den christlichen Aristoteliker Johannes Philoponos Stellung. Kosmas entwickelte seine Weltvorstellung aus dem Alten Testament, insbesondere aus Schöpfungserzählung und in Anlehnung an die Stiftshütte. Kosmas stellte sich die Erde als längliche viereckige Fläche vor, über der sich das Universum als zweigeschossiges Gewölbe mit dem oberen Himmel als Dach erhob. In der Mitte erhebt sich der Berg des Nordens, der von der Sonne umkreist wird und dessen Schatten die Nacht verursacht. Südlich davon befindet sich die bekannte Welt, östlich, jenseits des großen Ozeans das Paradies. Die Engel bewegen die Gestirne und stoßen sie täglich hinter den Berg, wo sie den Blicken der Menschen verborgen sind.[2]

Der Wert seines Werks besteht in seinen geographischen, naturwissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Exkursen, in denen der Reisende Kosmas seine Beobachtungen und die Erfahrungen anderer niederlegt. Es beeinflusste einige andere byzantinische Werke und ist außerdem der Versuch, naturwissenschaftliche Ereignisse aus einer vollständig christlichen Sicht zu interpretieren.[3]

Literarisch verwertet wurde sein Werk in Arno Schmidts Kurzroman Kosmas oder Vom Berge des Nordens sowie in Umberto Ecos Roman Baudolino.

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Wanda Wolska-Conus: Cosmas Indicopleustès. Paris 1968.
  • Horst Schneider (Hrsg.): Kosmas Indikopleustes. Christliche Topographie. Textkritische Analysen. Übersetzung. Kommentar (= Indicopleustoi. Archaeologies of the Indian Ocean 7). Brepols, Turnhout 2010 (deutsche Übersetzung).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Peter Schreiner: Kosmas Indikopleustes. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 5, Sp. 1457f.
  2. Sternkunde im alten Europa
  3. Schreiner, Kosmas Indikopleustes.