Krýsuvík

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Krýsuvík im Winter
Seltún
Seltún von der Krýsuvíkurkirche aus
Krýsuvík
Am Kleifarvatn
Schlammtopf Fúlipollur
Krýsuvíkurkirkja
Das Maar Grænavatn bei Krýsuvík
Hochtemperaturgebiet Seltún

Krýsuvík ist ein Weiler und gleichnamiges Vulkansystem auf der Reykjanes-Halbinsel in Island. Es liegt im Süden der Halbinsel an der Straßenkreuzung 42 und 427 zwischen den Städten Grindavik und Hafnarfjörður.

Das Vulkansystem Krýsuvík[Bearbeiten]

Nördlich liegt das Vulkansystem und Geothermalgebiet Krýsuvík[1] (Schreibung auch: Krísuvík), welches auch mit dem Namen Trölladyngjavulkansystem bezeichnet wird in Anspielung auf dessen westlich des Kleifarvatn gelegenen Zentralvulkan, den Schildvulkan Trölladyngja[2]. Es befindet sich im Süden der Halbinsel auf der Grabenbruchzone des Mittelatlantischen Rückens, die Island diagonal durchquert.

Hochtemperaturgebiete[Bearbeiten]

Das Hochtemperaturgebiet beim Weiler Krýsuvík nennt sich auch Austurengjar. Es handelt sich hier um einen aktiven Vulkan. Dies erkennt man an den Solfataren von Seltún und einem weiteren in der Nähe gelegenen Gebiet mit heißen Quellen sowie an den Solfataren an den Berghängen des Sveifluháls. In einer Tiefe von 1000m beträgt die Temperatur bereits 200 °C.

Dadurch schien es einfach, das Hochtemperaturgebiet der Energiegewinnung nutzbar zu machen. Ein Bohrloch wurde in den 1990er Jahren gesetzt und versorgte die Stadt Hafnarfjörður mit Energie. 1999 explodierte die Anlage allerdings und seither wird das Geothermalgebiet nicht mehr wirtschaftlich genutzt.

Allerdings ist das Gebiet inzwischen touristisch etwas erschlossen. Zu den blubbernden Schlammtöpfen führen Holzstege. Weiterhin führen gekennzeichnete Wanderwege auf den Berg dahinter, Sveifluháls, an dessen Hängen man ebenfalls Fumarolen erkennen kann. Die Wanderwege führen zu kleinen Seen nördlich des Hochtemperaturgebietes.

Eruptionsgeschichte[Bearbeiten]

Einige kleinere Seen weisen ebenfalls auf vulkanischen Ursprung hin, so der Grænavatn, ein mit Wasser gefülltes Maar, das seine leuchtende Farbe der im Wasser enthaltenen Kieselgur verdankt. Es handelt sich um den größten von insgesamt 8 mit Wasser gefüllten Explosionskratern. Er hat 300 m im Durchmesser und eine Tiefe von bis zu 34 m. Die in den Tephra-Ablagerungen zu findenden Xenolithe (Fremdgesteine) aus Olivingabbro lassen darauf schließen, dass die Explosionen in größerer Tiefe von zwei bis drei Kilometern ausgelöst wurden.[3]

Eine größere Ausbruchsserie im Vulkansystem Krýsuvík fand in den Jahren zwischen 1151 und 1188 statt, die sog. Trölladyngja-Feuer. Die damals entstandenen Lavafelder u.a. Ögmundarhraun und Kapelluhraun, das bis zum heutigen Ort Hafnarfjörður reicht, bedeckten 36 km². Ihren Ursprung hatten sie in einem Spaltensystem, das sich über eine Länge von 28 km erstreckt.[3]

Die vermutlich letzte Eruption in diesem Vulkansystem fand im Jahre 1340 statt.[4]

Andererseits ereignete sich im Jahre 1999 eine Explosion in einem Bohrloch, bei dem die heißen Lehmfetzen bis zu 2 km weit durch die Luft geschleudert wurden.[5][6]

Der See Kleifarvatn[Bearbeiten]

(siehe auch Hauptartikel Kleifarvatn)

Der größte See der Umgebung, der dem Hochtemperaturgebiet benachbarte Kleifarvatn, begann nach einem schweren Erdbeben 2000 plötzlich zu schrumpfen und teilweise im Boden zu versickern. Inzwischen (2009) hat er sich aber wieder ziemlich gefüllt. Die Spalten unter ihm haben sich offensichtlich wieder geschlossen. Der See ist bekannt für solche Vorgänge.

Der Weiler Krýsuvík[Bearbeiten]

Die Bauernhöfe waren im 19. Jahrhundert noch alle bewirtschaftet, wurden allerdings im Laufe der Zeit unwirtschaftlich. Der letzte Hof wurde schließlich in den 1950er Jahren aufgegeben. Zu sehen sind heute nur noch einige Ruinen.

Einige dieser Ruinen stammen noch von einem Hof, der bei den Ausbrüchen im 12. Jahrhundert zerstört wurde.[3]

Eine kleine Holzkirche aus dem Jahre 1857 wurde zum isländischen Nationalerbe erklärt und stand unter Denkmalschutz. Sie brannte in der Nacht zum 2. Januar 2010 völlig ab.[7]

Etwas abseits steht eine ehemalige Schule, ein großes Gebäude, das noch auf die ehemals dichte Besiedlung hinweist. Heute ist in der Schule eine Klinik für Suchtkranke untergebracht.

Vogelfelsen Krýsuvíkurbjarg[Bearbeiten]

An der Südküste, nicht weit vom Dorf entfernt, liegt die Steilküste Krýsuvíkurbjarg, die im Sommer von großen Vogelkolonien zum Brüten genutzt wird. Vor allem Möwen und Papageitaucher kann man hier beobachten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fotos und Videos[Bearbeiten]

 Commons: Krýsuvík – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wissenschaftliche Beiträge[Bearbeiten]

Andere[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. So bezeichnet z.B. der isländische Geologe Ármann Höskuldsson das Vulkansystem. Siehe:Thor Thordarsson, Armann Hoskuldsson: Classic Geology in Europe 3, Iceland. Harpenden 2002, S.14
  2. Siehe:Thor Thordarsson, Armann Hoskuldsson: Classic Geology in Europe 3, Iceland. Harpenden 2002, S.70
  3. a b c Thor Thordarsson, Armann Hoskuldsson: Classic Geology in Europe 3, Iceland. Harpenden 2002, S.70
  4. Krýsuvík im Global Volcanism Program der Smithsonian Institution (englisch) Zugriff: 22. Mai 2010
  5. vgl. z.B. http://www.flensborg.is/magnus/m/urval/101-0113.htm Zugriff: 20. Februar 2011, isl.
  6. http://www.norvol.hi.is/~amy/ReykjanesFieldTrip.pdf Amy Clifton: Reykjanes Field Trip. Tectonic-magmatic Interaction in an Oblique Rift Zone.,p.5
  7. http://www.mbl.is/mm/frettir/forsida/2010/01/02/krysuvikurkirkja_brann_i_nott/

63.886111111111-22.065Koordinaten: 63° 53′ N, 22° 4′ W