Kuhstall (Sächsische Schweiz)

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Touristen am Kuhstall (um 1900)

Der Kuhstall ist das nach dem Prebischtor zweitgrößte Felsentor im Elbsandsteingebirge. Es befindet sich auf dem Neuen Wildenstein, einem 337 m hohen, im 15. Jahrhundert von der Burg Wildenstein beherrschten Felsen der hinteren Sächsischen Schweiz südlich des Lichtenhainer Wasserfalls und oberhalb des Kirnitzschtales bei Lichtenhain.

Name[Bearbeiten]

Blick die Himmelsleiter hinauf
Blick durch den Kuhstall

Der Name Kuhstall wird auf zwei mögliche Ursachen zurückgeführt. Zum einen versteckte die Bevölkerung der umliegenden Orte während des Dreißigjährigen Kriegs in dem sehr breiten Felsentor ihr Vieh vor marodierenden schwedischen Soldaten. Zum anderen wird vermutet, dass bereits die Bewohner der mittelalterlichen Burg, die zum Schluss zu einem Raubritternest verkommen war, dort das Vieh unterbrachten, das sie bei ihren Raubzügen erbeuteten.

Der erste Erschließer der Sächsischen Schweiz, Wilhelm Leberecht Götzinger, schlug vor, das Felsentor als Wildensteiner Felsenhalle zu bezeichnen, gegenüber dem volkstümlichen Kuhstall konnte sich diese Bezeichnung nicht durchsetzen. Aus der Zeit der frühen touristischen Erschließung stammen auch viele alte Inschriften, die an den Wänden und der Decke des Kuhstalls mit Ruß und Farbe angebracht oder in den Fels gekratzt wurden.

Beschreibung[Bearbeiten]

Direkt am Kuhstall befindet sich, mit einem Geländer gesichert, ein Aussichtspunkt. Etwa in der Mitte des der Felsformation führt eine steile Treppe durch einen schmalen Felsspalt nach oben, die sogenannte Himmelsleiter. Am oberen Ende der Treppe befindet sich ein weiterer Aussichtspunkt mit Panoramablick über die Sächsische Schweiz.

Geologie[Bearbeiten]

Das Felsenfenster liegt auf einer tonhaltigen Zwischenschicht. An den Begrenzungswänden findet sich glatt polierter, verkieselter Fels. Ursache waren die tektonischen Bewegungen der ca. 900 m entfernten Lausitzer Verwerfung; hier wurden in der Kreidezeit die älteren Granite über die jüngeren Sandsteine geschoben.

Das Felsmassiv weist zahlreiche Höhlen und Überhänge auf, die legendäre Namen (z.B. Schneiderloch und Wochenbett) tragen.

Tourismus[Bearbeiten]

Der Kuhstall entwickelte sich im frühen 19. Jahrhundert zu einer der Hauptattraktionen der Sächsischen Schweiz. Er war eine wichtige Station entlang des Malerweges. August von Goethe besuchte den Felsen im Juni 1819 und berichtete: „Eine freundliche Bewirthung mit Bier, Erdbeeren, Limonade u. Rum machten diesen Punct auch zu einem Erholungsplatz für den hungrigen und ermüdeten Körper.[1]

Seit 1824 besteht neben dem Felsentor ein Berggasthaus, dass seitdem mehrmals umgebaut und erweitert wurde. Mit Eröffnung der Kirnitzschtalbahn bis zum Lichtenhainer Wasserfall ist der Kuhstall seit 1898 noch besser erreichbar.

1837 trug Helmina von Chézy auf einer Reise in das Fremdenbuch am Kuhstall ein: „Hier, wo die schöne Natur uns entzückt und begeistert, werden schlechte Witze gemacht und gekleistert“. Und erntete den Kommentar: „Ei, Frau von Chezy, mit ihren Versen, da geh’ sie. Ad. v. Th., 27. Juli 1837.“[2]

Auch heute noch ist der Kuhstall ein viel besuchtes Familien-Ausflugsziel. Von der Aussichtsterrasse südlich des Felsentors sind die Kletterfelsen der Hinteren Sächsischen Schweiz in einem weiten Panorama sichtbar. Oberhalb des Kuhstalls befinden sich die über die schmale Himmelsleiter zu erreichenden Reste der früheren Burganlage.

Trivia[Bearbeiten]

Auf böhmischem Ansichtenglas ist der Kuhstall neben anderen Abbildungen der Sächsischen Schweiz eines der häufigsten Motive.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gotthold Sobe: Die Reise August von Goethes 1819 in die Sächsische Schweiz. in: Sächsische Heimatblätter 16(1970)1, S. 43
  2. Moritz Gottlieb Saphir (Hrsg.): Conversations-Lexikon für Geist, Witz und Humor. Dresden 1952, Bd. 1., S. 280.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kuhstall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.92598888888914.256613888889Koordinaten: 50° 55′ 34″ N, 14° 15′ 24″ O