Raubritter

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Dieser Artikel behandelt das Raubrittertum; zu weiteren Bedeutungen siehe Raubritter (Begriffsklärung).

Als Raubritter bezeichnet man diejenigen Angehörigen des ritterlichen Standes, die sich durch Straßenraub, Fehden und Plünderungszüge bereicherten. Diese Entwicklung soll im Spätmittelalter eingesetzt haben und vor allem eine Folge der Verdrängung der Naturalwirtschaft durch die Geldwirtschaft gewesen sein. Neuere historische Arbeiten plädieren hingegen dafür, den ideologisch belasteten Begriff Raubritter im wissenschaftlichen Gespräch ganz zu vermeiden.

Inhaltsverzeichnis

Begriff [Bearbeiten]

Der Begriff Raubritter stammt nicht aus jener Zeit selbst, sondern ist eine Neuschöpfung, die ab dem Ende des 18. Jahrhunderts verwendet wurde – etwa in der Ankündigung des Ritterromans Der Raubritter mit dem Stahlarme, oder der Sternenkranz. Eine Geistergeschichte in der Wiener Zeitung vom 29. September 1798, der 1799 in Wien erschien. 2007 konnte Klaus Graf einen früheren Beleg für Raubritter in einer Übersetzung aus dem Spanischen 1781 auffinden.[1]

Der Begriff des Raubritters ist nicht klar von der restlichen Ritterschaft abzugrenzen. Das Austragen von Fehden war stets Teil der ritterlichen Lebensweise gewesen und wurde der waffenberechtigten Bevölkerung in großen Teilen des mittelalterlichen Europas sogar lange Zeit rechtlich zugesichert (seit Barbarossa jedoch nur montags bis mittwochs). Erst seit dem Landfrieden von 1495 war es ganz verboten. Auch das Ausplündern der gegnerischen Ländereien kam bereits bei frühmittelalterlichen Fehden vor. Ähnlich verhält es sich mit den Überfällen so genannter Raubritter des Spätmittelalters auf reisende Händler, auf Bauern oder auf reiche Leute.

Adelsgesellschaften [Bearbeiten]

Einige Adelsgesellschaften im 14. Jahrhundert (beispielsweise Martinsvögel, Sternerbund, Von der alten Minne, Bengler, Vom Horne und Löwenbund) zeichneten sich unter anderem durch eine städtefeindliche Politik aus. Einige Mitglieder dieser Ritterbünde werden häufig auch als Raubritter bezeichnet. Die Städte gingen zum Teil kriegerisch gegen diese Raubritter vor und zerstörten ihre Burgen (beispielsweise Burg Tannenberg, Burg Wildenstein).[2] So gehörten auch die Grafschaften Reifenberg und Kronberg, zwei erklärte Feinde Frankfurts, zu den Gründungsmitgliedern.[3][4]

Siehe auch [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • Otto Brunner: Land und Herrschaft. 1965 (5. Aufl.).
  • Werner Rösener: Zur Problematik des spätmittelalterlichen Rittertums. In: Festschrift für Berent Schwineköper, hrsg. Helmut Maurer und Hans Patze, 1982, S. 469–488 (veraltet).
  • Regina Görner: Raubritter. Untersuchungen zur Lage des spätmittelalterlichen Niederadels, besonders im südlichen Westfalen. Münster 1987, ISBN 3-402-05228-8.
  • Ulrich Andermann: Ritterliche Gewalt und bürgerliche Selbstbehauptung. Untersuchungen zur Kriminalisierung und Bekämpfung des spätmittelalterlichen Raubrittertums am Beispiel norddeutscher Hansestädte, Frankfurt am Main u.a. 1991.
  • Kurt Andermann (Hrsg.): „Raubritter“ oder „Rechtschaffene vom Adel“? Aspekte von Politik, Friede und Recht im späten Mittelalter. Sigmaringen 1997, ISBN 3-7995-7814-5 (grundlegend).

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. http://archiv.twoday.net/stories/4537828/
  2. Karl E. Demandt: Geschichte des Landes Hessen, 2. Auflage, Kassel 1980, S. 465.
  3. Karl E. Demandt: Die Geschichte des Landes Hessen.
  4. A. Funk: Die Geschichte des Schlossberges bei Nieder Modau.