La Maddalena

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für die gleichnamigen Kirchen in Rom und Venedig siehe Santa Maria Maddalena (Rom) und Santa Maria Maddalena in Cannaregio
La Maddalena
Panorama von Ort und Inseln
Panorama von Ort und Inseln
Gewässer Mittelmeer
Geographische Lage 41° 15′ N, 9° 25′ O41.259.4166666666667Koordinaten: 41° 15′ N, 9° 25′ O
La Maddalena (Sardinien)
La Maddalena
Anzahl der Inseln 7 Hauptinseln
Gesamtfläche 49,37 km²
Einwohner 12.000
Blick auf den Hauptort
Blick auf den Hauptort

La Maddalena ist eine italienische Inselgruppe vor Sardinien. Sie besteht aus über 62 Inseln und Inselbergen, davon sieben Hauptinseln (Maddalena, Caprera, S. Stefano, Spargi, Budelli, S. Maria und Razzoli) sowie weiteren kleineren Inseln, und gehört zur historischen Region Gallura. Die Gemeinde hat 11.433 Einwohner (Stand 31. Dezember 2013) und gehört zur Provinz Olbia-Tempio. Die Telefonvorwahl lautet +39-0789.

Uferpromenade in La Maddalena
G8-Kongresszentrum im Arsenal
Rathaus von La Maddalena
Blick auf das Maddalena-Archipel

Geographie[Bearbeiten]

Die Inselgruppe liegt an der Straße von Bonifacio vor der nordöstlichen Küste Sardiniens, zwischen Sardinien und Korsika. Sie bildet den Nationalpark La-Maddalena-Archipel, welcher mit korsischen Naturschutzgebieten zu einem grenzüberschreitenden Park ausgebaut werden soll. Die Inseln sind sehr felsig und haben sehr schöne Strände. Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 49,37 km², die Einwohnerdichte beträgt 236,33 Einwohner/km².

Geschichte[Bearbeiten]

Bis zur frühen Neuzeit[Bearbeiten]

Die Römer nannten die Inseln Ilva, Fussa und Bucina. Nach dem Ende des Weströmischen Reiches blieb die Inselgruppe unbewohnt, bis sich dort im 12. Jahrhundert Benediktiner ansiedelten. Wie ganz Sardinien war das Archipel zwischen den Seerepubliken Pisa und Genua umstritten, die in der Region gemeinsam gegen die Sarazenen gekämpft hatten. Im Mittelalter war das Archipel unter dem Namen Bicinara bekannt, ab dem 16. Jahrhundert dann als Santa Maria Magdalena, wobei die umgangssprachliche Bezeichnung isole intermedie oder „Zwischeninseln“ lange überwog. Nachdem 1584 die Osmanen die Benediktinerklöster verwüstet hatten, blieben die Inseln wiederum verwaist. Im 17. Jahrhundert ließen sich korsische Schäfer mit ihren Herden auf La Maddalena nieder, später folgten Fischer vom italienischen Festland. 1720 fiel das Königreich Sardinien an das in Turin residierende Haus Savoyen. Bald wurde das strategisch bedeutende Archipel an der Straße von Bonifacio zum Zankapfel zwischen den Savoyern und der Republik Genua, zu der Korsika bis 1769 gehörte.

Der Marinestützpunkt[Bearbeiten]

Im Jahr 1767 ordnete Karl Emmanuel III. von Savoyen an, die Inselgruppe militärisch zu besetzen und dort einen befestigten Marinestützpunkt anzulegen. Die ersten Befestigungsanlagen errichtete man auf der Hauptinsel bei Guardia Vecchia, es folgten die Festung San Vittorio, die Küstenbatterien Balbiano und Sant’Agostino, die Festungen Sant’Andrea, Santa Teresa (Sant’Elmo) und Carlo Felice. Der heutige Hauptort La Maddalena geht im Wesentlichen auf diese Befestigungsarbeiten zurück. Auf Santo Stefano errichtete man zunächst einen Wachturm, später dann die Festung San Giorgio.

Im Ersten Koalitionskrieg versuchte 1793 eine französische Flotte mit Landungskräften, welche zum Teil unter dem Befehl des späteren Kaisers Napoléon Bonaparte standen, die Inseln zu erobern, was im Gefecht bei La Maddalena scheiterte. Angeführt wurden die wenigen Verteidiger von dem Unteroffizier Domenico Millelire. In den folgenden Jahren nutzten britische Flottenverbände unter Admiral Nelson das Archipel als Ankerplatz. Auch die kleine sardisch-piemontesische Marine unter Giorgio Des Geneys blieb vor Ort.

Nach den napoleonischen Kriegen verloren die Befestigungsanlagen wegen der Weiterentwicklung der Artillerie und auch wegen mangelnder Instandhaltung viel von ihrem militärischen Wert. Zwischen 1852 und 1856 ließ die Regierung in Turin die Anlagen umfassend begutachten und ordnete dann im Juli 1857 ihre Desarmierung an. Teile wurden in der Folge als Strafgefangenenlager genutzt.

Als Frankreich 1881 mit Tunesien ein Land besetzte, das Italien zu seinem Einflussgebiet zählte, verschlechterten sich die französisch-italienischen Beziehungen dramatisch. Italien reagierte unter anderem mit dem Wiederaufbau des Marinestützpunktes La Maddalena. Diesen Schritt hatte man bereits seit 1873 in Erwägung gezogen, vollzog ihn dann aber erst ab 1887. Das Verteidigungssystem des Archipels wurde innerhalb von zehn Jahren auf den neuesten Stand gebracht. 1889 wurde ein Torpedoboot-Stützpunkt und ein Marinekrankenhaus eröffnet, 1891 begannen die Arbeiten am Marinearsenal, 1893 dann am Palazzo dell’ammiragliato, dem Admiralitätsgebäude, in dem das Marinekommando für Sardinien untergebracht wurde. Um 1900 waren die Arbeiten an dem Stützpunkt, der einschließlich seiner Ankerplätze nunmehr als unangreifbar galt, größtenteils abgeschlossen. Die Marine prägte den Ort La Maddalena weitgehend. Ab Ende des 18. Jahrhunderts stellte La Maddalena der Marine überproportional viele Seeleute, darunter den auf dem Archipel noch heute recht bekannten Marineoffizier Primo Longobardo.

Während der beiden Weltkriege waren in La Maddalena vorwiegend Torpedoboote und U-Boote stationiert. Große Kriegsschiffe der Hochseeflotte konnten in der Regel nur die geschützten Ankerplätze nutzten, da die Kaianlagen nicht ausreichten. Vor und während des Zweiten Weltkriegs versuchte man, das Archipel besser gegen Luftangriffe zu schützen, konnte aber nicht verhindern, dass alliierte Bomber am 10. April 1943 in La Maddalena schwere Schäden anrichteten, den Kreuzer Trieste versenkten und den Kreuzer Gorizia schwer beschädigten.

In den 1950er Jahren baute die Marina Militare den Stützpunkt und das schließlich 134.600m² große Arsenal wieder auf, in dem in den 1970er Jahren knapp 700 Arbeiter beschäftigt waren. In den folgenden Jahrzehnten sank die Bedeutung des Stützpunktes und des Arsenals beständig, weswegen es nach der Jahrtausendwende ganz aufgelöst wurde. Für ein 2009 in La Maddalena geplantes und dann in L’Aquila abgehaltenes G8-Gipfeltreffen wurde auf dem Gelände des ehemaligen Arsenals ein Kongresszentrum errichtet, das dann weitgehend ungenutzt blieb. Die italienische Marine ist auf der Hauptinsel La Maddalena nur noch mit einer Unteroffizierschule vertreten.

Von August 1972 bis Februar 2008 unterhielt die US Navy auf Santo Stefano einen Atom-U-Boot-Stützpunkt. Die Anwesenheit von Atom-U-Booten im Bereich des Nationalparks wurde nicht nur von der örtlichen Bevölkerung zunehmend kritisiert, insbesondere nachdem die USS Hartford im Oktober 2003 durch Grundberührungen beschädigt worden war. Im September 2007 zog die US Navy den dort stationierten U-Boot-Tender USS Emory S. Land schließlich ab und gab den Stützpunkt einige Monate später ganz auf. Die italienische Marine unterhält auf Santo Stefano noch das unterirdische Munitionsdepot Guardia del Moro, weswegen weite Teile der Insel noch immer militärisches Sperrgebiet sind. Etliche Lokal- und Regionalpolitiker fordern weiterhin, die kleine Insel im Zentrum des Archipels wieder der Allgemeinheit zugänglich zu machen.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Nach dem weitgehenden Abzug des Militärs steht La Maddalena noch immer vor erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Problemen. Während die Nachbargemeinden auf dem Festland ihre wirtschaftlichen Aktivitäten im Lauf der Zeit etwas diversifizieren und von einer weniger isolierten Lage profitieren konnten, blieb La Maddalena stark vom Militär abhängig. Zwar forderte man lange dessen Abzug, um das touristische Potenzial des Archipels besser nutzen zu können, hatte dann aber mit der Konversion der militärischen Einrichtungen (Yachthafen) weniger Erfolg als erwartet.

La Maddalena kann per Boot von Palau auf Sardinien erreicht werden. In der Hauptsaison verbinden bis zu 80 Autofähren pro Tag La Maddalena mit dem sardischen Festland. Es gibt eine Brücke zur benachbarten Insel Caprera.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Der lokale Dialekt, Isulanu genannt, ist eine Mischung zwischen Galluresisch (eine Variante des Sardischen) und Korsisch mit Einflüssen durch den Dialekt von Genua.
  • Teile von Caprera gehörten dem italienischen Nationalhelden Giuseppe Garibaldi, der dort auch seinen Lebensabend verbrachte, dort starb und begraben wurde.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: La Maddalena – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien