Langes Tannen (Uetersen)

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Langes Tannen ist ein weitläufiges Parkgelände im Norden von Uetersen in Schleswig-Holstein mit einer weißen Villa und verschiedenen Nebengebäuden. Der Stumpf einer Windmühle weist darauf hin, dass sich hier der Wohnsitz einer Müllerfamilie befand. Der Park grenzt an das gleichnamige Waldgebiet, das den sogenannten Hexenwald beheimatet und als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist. Heute ist das gesamte Gelände von Langes Mühle im Besitz der Stadt und der Öffentlichkeit zugänglich. Es beheimatet zudem ein öffentliches Museum im Herrenhaus und eine Museumsscheune, in der in unregelmäßigen Abständen verschiedene Ausstellungen und Konzerte stattfinden. Der Landsitz erhielt seinen Namen „Langes Tannen“ am Ende des 19. Jahrhunderts, als der Dünenzug nördlich des Hauses aufgeforstet wurde.[1]

Die Anlage ist seit 1997 als „einzigartiges Denkmalensemble der Landwirtschafts- und Industriegeschichte sowie der bürgerlichen Landhauskultur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ in das Denkmalbuch eingetragen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Langes Mühle in Uetersen im 19. Jahrhundert
Die Mühle in Altona im 19. Jahrhundert

1727 wurde zusätzlich zur schon bestehenden Klostermühle eine zweite Mühle in Uetersen errichtet. Durch Einheirat gelangte der Müller Jacob Lange in den Besitz der Mühle. Von da an blieb die Mühle im Familienbesitz der Langes.

1842 baute J.P. Lange neben der alten Windmühle eine Dampfmühle, die erste im Land. Nach der Ausweitung des Betriebes wurde die Firma J.P. Lange Söhne gegründet. 1874 errichteten Langes eine Korndampfmühle als Zweigniederlassung in Altona. Später wurde der neue Standort der Hauptsitz der Firma. In Altona betrieben die Langes einen der größten Mühlenbetriebe in Norddeutschland. Die Uetersener Mühle wurde von einem Pächter weiter betrieben. 1903 kam es zur Einstellung des Betriebes in Uetersen, aber das Gelände mit Park und Herrenhaus blieb bis zum Tode Werner Langes im Besitz der Familie Lange.

1979 vererbte der Kaufmann Werner Lange der Stadt Uetersen den gesamten Grundbesitz, mit der Auflage, dass die Gebäude und der Park im bisherigen Stil erhalten bleiben, gegebenenfalls zu restaurieren sind und ein öffentliches Museum mit einem Park zu errichten sei. Die Stadt richtete daraufhin im Herrenhaus ein Museum ein, in dem die großbürgerliche Wohnkultur der Familie Langes präsentiert wird. Auch die anderen Gebäude und die Parkanlage werden von der Stadt und einem Förderverein erhalten und gepflegt. In der Scheune finden in unregelmäßigen Abständen Kunstausstellungen und kulturelle Veranstaltungen statt.

Erhaltene Gebäude und Parkanlage[Bearbeiten]

Wohnhaus (Baujahr: ca. 1806)[Bearbeiten]

Das ehemalige Wohnhaus der Langes ist ein zweigeschossiges Traufenhaus von fünf Achsen Breite mit flachem Walmdach, das im klassizistischen Baustil errichtet wurde. Eine Freitreppe führt zum Eingang in Form eines Portikus. Er besteht aus vier ionischen Pilastern mit Dreiecksgiebel. Die Rückseite des Hauses zeigt in der Mitte ein viersäuliges, übergiebeltes Tempelchen. Die seitlichen Wände waren ursprünglich offen.

Die Villa ist heute als Museum jedem zugänglich. Die Einrichtung zeigt die bürgerliche Wohnkultur vom Ende des 18. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts am Beispiel der wohlhabenden Müllerfamilie Lange. Außer der Küche können Besucher auch voll möblierte Wohn- und Schlafräume besichtigen.

Museumsscheune (Baujahr: 1762)[Bearbeiten]

Die Museumsscheune

Es handelt sich um eine 7 Fach-Scheune mit Zweiständergefüge und Durchfahrtsdiele. Beide Giebel kragen leicht vor und sind verschalt. Im Hausbalken ist eine eingeschnittene Inschrift zu sehen: JA.COB. LANG MA.RI.A. CE.CI.LI.A. LANGN / ANNO 1762

Die Scheune wurde Anfang der 1990er Jahre ein Opfer von Brandstiftung, ist dann aber wieder aufgebaut worden. Der Innenraum ist als durchgehende große Halle angelegt und wird heute für wechselnde Kunstausstellungen und kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Waschhaus, Remise und der Mühlenstumpf[Bearbeiten]

Die Remise
Der Stumpf der ehemaligen Windmühle
Baujahr 1796

Von den Nebengebäuden sind außer der Scheune noch das ehemalige Waschhaus, die Remise und der Stumpf der alten Windmühle erhalten. Im Mühlenstumpf ist ein Café eingerichtet. Das ganze Ensemble, die Gebäude und das Langesche Gelände, wurde 1997 unter Denkmalschutz gestellt.

Ruine des Schornsteins[Bearbeiten]

Das nördlich der Villa gelegene Waldgebiet wird als Langes Tannen bezeichnet. Dort liegt auf einem sandigen Hügel der gesprengte Schornstein, der aus der Zeit der Dampfmühle von 1842 stammt. Im Zweiten Weltkrieg erfolgte die Sprengung, da der Schornstein feindlichen Fliegern als Orientierungshilfe dienen konnte.

Park[Bearbeiten]

Die gärtnerische Nutzung des Geländes begann damit, dass am Anfang des 19. Jahrhunderts die Familie Lange einen Küchen- und einen Blumengarten einrichten ließ. Dafür wurde die Sanddüne ausgehoben und Gartenerde herangeschafft. Seitdem ist der tiefer gelegene Garten, wo sich heute ein Rasenplatz befindet, von Wällen umgeben. Die Lage des Gemüsegartens ist heute noch erkennbar. Weitere Umgestaltungen des Geländes erfolgten, als die Anfahrtswege zur Mühle als Steindämme befestigt wurden, damit die Bauern ihr Getreide problemlos anliefern konnten. Die südliche Zufahrt ist als gepflasterte Kastanienallee erhalten. Die Kastanien wurden Anfang des 20. Jahrhunderts gepflanzt. Entwürfe des Hamburger Gartenarchitekten Karl Plomin aus dem Jahr 1948 zur Umgestaltung des Gartens sind aus Kostengründen nicht umgesetzt worden.[3] Nachdem Werner Lange 1979 das Anwesen der Stadt Uetersen vermacht hatte, wurde das gesamte Areal zu einem öffentlichen Park- und Erholungsraum umgestaltet. Denkmalpflegerische und naturschutzrechtliche Belange mussten dabei berücksichtigt werden. Das Gartenhistorische Gutachten aus dem Jahr 2002 kann im Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein in Kiel eingesehen werden. Hier fanden auch das jährliche „Woodrock-Festival“ statt, ein kostenloses Open-Air Festival, das überwiegend von Jugendlichen besucht wurde. Heute ist Langes Tannen ein stadtnahes Erholungsgebiet, neben dem Rosarium der zweite große Park der Stadt Uetersen.

Quellen[Bearbeiten]

  • Hans Ferdinand Bubbe: Versuch einer Chronik der Stadt und des Klosters Uetersen. I. und II. Band, C. D. C. Heydorn, Uetersen
    • Band I: Von d. Anfängen bis zur Reformationszeit. 1932, DNB 365374733.
    • Band II: Das Hochadelige Damenstift. u. a. 1933, DNB 365374741.
  • Hans Ferdinand Bubbe: Uetersen 1932 und 1936.
  • Eva von Engelberg-Dočkal: Kulturkarte Schleswig-Holstein. 1000mal Kultur entdecken. 2. Auflage. Wachholtz-Verlag, Neumünster 2005, ISBN 3-529-08006-3.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein. 3. überarbeitete und aktualisierte Auflage, Deutscher Kunstverlag, München 2009, ISBN 978-3-422-03120-3, S. 946.
  • Hans-Helmut Poppendieck: Uetersen. In: Adrian von Buttlar, Margita Marion Meyer (Hrsg.): Historische Gärten in Schleswig-Holstein. 2. Auflage. Boyens & Co., Heide 1998, ISBN 3-8042-0790-1, S. 612–613.
  • Wolfgang Teuchert, Arnold Lühning: Die Kunstdenkmäler des Kreises Pinneberg . Deutscher Kunstverlag, München/ Berlin 1961, DNB 452648270. (Die Kunstdenkmäler des Landes Schleswig-Holstein ; Bd. 9)
  • Uetersener Nachrichten
  • Uwe Barghaan: Uetersen und Moorrege. 1998. (CD)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Langes Tannen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Hans-Helmut Poppendieck: Uetersen. In: Adrian von Buttlar, Margita Marion Meyer (Hrsg.): Historische Gärten in Schleswig-Holstein. 2. Auflage. Boyens & Co., Heide 1998, ISBN 3-8042-0790-1, S. 612–613.
  2. Zit. Langes Tannen Uetersen. Gartentafeln des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein. (PDF; 266 kB)
  3. Vgl. Hans-Helmut Poppendieck: Uetersen. In: Adrian von Buttlar, Margita Marion Meyer (Hrsg.): Historische Gärten in Schleswig-Holstein. 2. Auflage. Boyens & Co., Heide 1998, ISBN 3-8042-0790-1, S. 613.

53.6924083333339.6746111111111Koordinaten: 53° 41′ 32,7″ N, 9° 40′ 28,6″ O