Lugier

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Lugier (grüner Bereich)

Die Lugier (veraltet Lygier, lateinisch Lugii) waren eine ostgermanische Stammesgruppe. Im 1. Jahrhundert n. Chr. siedelten sie etwa im Raum des heutigen Schlesiens.

Die Lugier siedelten in Schlesien entlang der Oder und in dem angrenzenden Raum. Der antike griechische Geschichtsschreiber und Geograph Strabon bezeichnet die Lugier als ein großes Volk, das mehrere Stämme umfasste.[1] Der römische Geschichtsschreiber Tacitus nennt in seinem ethnographischen Werk Germania als Teilvölker der „lugischen Gruppe“ die Harier, Helvekonen, Manimer, Helisier und die Nahanarvaler, auf deren Gebiet die lugische Kultgemeinschaft einen heiligen Hain unterhielt.[2] Als nördliche Nachbarn erwähnt Tacitus noch die Gotonen. Klaudios Ptolemaios nennt in seinen geographischen Anleitungen nur drei Untergruppen der Lugier, die Iomannoi, Idounoi und Bouroi (deutsch Buren).[3]

Über die eigentliche Geschichte der Lugier ist nur relativ wenig bekannt. Strabon zufolge sollen die Lugier zeitweise zum Reich des Marbod gehört haben,[4] der im Raum von Böhmen ein Reich errichtet hatte. Wirtschaftlich bedeutend war der Bernsteinhandel, der auch Begehrlichkeiten weckte. Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. zerbrach im böhmischen Raum die Herrschaft des Vannius. Dabei sollen die Lugier eine gewisse Rolle gespielt haben, sie wurden wohl auch von den Römern dabei unterstützt. Diese unterstützten jedenfalls die Lugier im Jahr 92 im Rahmen der Auseinandersetzungen mit den Markomannen.[5] Die Kenntnisse späterer Autoren über die Lugier war offenbar begrenzt, so dass verschiedene falsche Zuschreibungen anzunehmen sind, wie bei dem spätantiken Geschichtsschreiber Zosimos, der ohnehin nicht immer zuverlässig ist.

In der Forschung wird oft angenommen, dass die Vandalen in Beziehung zu den Lugiern standen; unklar ist, ob sie identisch oder die Lugier zu den Vandalen oder die Vandalen zum Verband der Lugier gehörten. Diese These ist nicht unumstritten, sie wäre aber auch eine Erklärung für das spätere Verschwinden der Lugier aus den antiken Quellen.[6]

Literatur[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Strabon, Geographika, 7,1,3.
  2. Tacitus, Germania, 43, 2.
  3. Ptolemaios 2,11,10. Vgl. dazu Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 19 (2001), S. 32.
  4. Strabon, Geographika, 7, 1, 3.
  5. Cassius Dio 67, 5.
  6. Vgl. Helmut Castritius: Die Vandalen. Etappen einer Spurensuche. Stuttgart 2007, S. 21ff.