Markomannen

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Marcus Aurelius, Markomannenhäuptlinge begnadigend - Relief eines unbekannten Ehrenbogens für Marc Aurel

Die Markomannen waren ein suebischer Volksstamm der Germanen. Der Name setzt sich aus Mark (Grenzland) und Männer zusammen.

Herkunft und Geschichte[Bearbeiten]

Die Bezeichnung „Markomannen“ ist erstmals im Zusammenhang mit römischen Schilderungen des Heeres des Ariovist 58 v. Chr. bezeugt.

Nach antiken Quellen wurden um 9 v. Chr. eine als „Markomannen“ bezeichnete Stammesgruppe von den Römern unter Drusus besiegt und wich deshalb unter dem von römischen Autoren als „rex“ (König) bezeichneten Marbod (lateinisch Maroboduus) ins heutige Böhmen aus. Viele Grabfunde, insbesondere jene aus den sogenannten „Fürstengräbern“ der markomannischen Oberschicht, belegen ein hochstehendes Kunsthandwerk.

König Marbod[Bearbeiten]

Marbod, der als „Jüngling“ in Rom lebte und sich der „Wohltaten“ des Kaisers Augustus erfreute[1], gelangte vermutlich auf römische Veranlassung nach der Niederlage des Stammes gegen Drusus zur Führerschaft der Markomannen und wanderte mit diesen ostwärts nach Böhmen aus. Dort etablierte er ein starkes Stammesfürstentum und dehnte ab 3 v. Chr. seine Herrschaft über benachbarte germanischen Stämme wie die Hermunduren und Quaden und 5 n. Chr. die Semnonen und später auch die Langobarden aus, die er in einem losen Stammesbund zusammenführte. Die Semnonen waren jedoch der Stamm, „der sich Tiberius nicht unterwerfen wollte“ und der sich östlich der Elbe zurückgezogen hatte – die Region, in der sich Marbod aus römischer Sicht „als Schutzherr Germaniens aufspielte. Die Schwierigkeiten an der Elbe rührten eindeutig daher, daß die Elbgermanen im Markomannenkönig einen Rückhalt fanden.“[2] Am östlichen Ufer der Elbe versammelten sich zunehmend elbgermanische, von Marbod abhängige Truppen.[3] Daher ordnete Augustus an, das Marbodreich als den letzten großen Machtblock in Germanien zu unterwerfen.

Im Frühjahr 6 n. Chr. marschierte Tiberius mit sechs bis sieben Legionen von Carnuntum an der Donau durch das Marchtal nach Böhmen. „Vom Westen her kämpfte sich Gaius Sentius Saturninus mit zwei oder drei Legionen entlang des Mains und später durch den Hercynischen Wald zu den Pässen des Böhmerwaldes vor. Dazu addierten sich germanische Hilfstruppen und Reiterei. Ungefähr 70.000 Mann, zwei Fünftel der römischen Armee, waren an dieser [..] Zangenbewegung gegen Marbod beteiligt.“[4] Kurz vor der Vereinigung der beiden Heeresgruppen brach jedoch der Pannonische Aufstand aus. Er griff auf ganz Illyrien über und gefährdete Makedonien und Italien.[5] Tiberius schwenkte mit seinen Legionen sofort nach Süden in die Aufstandsgebiete um.

Waffenstillstand mit den Römern[Bearbeiten]

Tiberius musste mit den Markomannen einen Friedensvertrag schließen, in dem die Römer den Status Quo und den Königstitel von Marbod anerkannten.[6] „Die offizielle Anerkennung seines Königstitels dürfte von einem reichen Strom wertvoller Geschenke und Handelsprivilegien begleitet gewesen sein.“[7] Die Römer behaupteten, sie hätten Marbod zum Frieden gezwungen.[8] und Marbod „(prahlte später): ‚Von zwölf Legionen unter Führung des Tiberius angegriffen, habe er den Ruhm der Germanen unversehrt erhalten.‘“[9] Für die Römer entscheidend war, dass sich Marbod vom Pannonischen Aufstand fern hielt.

Nach der Niederschlagung des Aufstandes in Pannonien 8 n. Chr. hatte Tiberius einen großen Teil der Auxiliartruppen in die Heimatstandorte zurück geschickt.[10], doch zogen sich die Kämpfe in Dalmatien noch bis 9 n. Chr. hin. Die wahrscheinlichste Folge nach der Beseitigung dieser Gefahr wäre nun eine Wiederaufnahme des Feldzuges gegen Marbod gewesen.[11] Doch mittlerweile war Publius Quinctilius Varus überraschend mit drei Legionen vom Niederrhein zu einem Marsch an die Weser aufgebrochen. Die Nachricht von dessen Niederlage erreichte Tiberius kurz vor der Überfahrt nach Italien.

Arminius bot Marbod nach der Varusschlacht 9 n. Chr. ein Bündnis gegen die Römer an und sandte ihm daher das Haupt des Varus, das der Markomannenherrscher jedoch Augustus ausliefern ließ und somit eine germanische Koalition ausschlug.[12] Trotzdem erkannte Rom Marbod nie als offiziell verbündeten Klientelherrscher an. Zur Rache für die desaströse Niederlage der Römer führten Tiberius und Germanicus in den nächsten Jahren in Germanien Krieg gegen die Koalition des Arminius, in dem sich Marbod neutral verhielt. Deshalb versagte ihm Rom militärische Unterstützung nach seinem 17 n. Chr. geführten Krieg gegen die Cherusker unter Arminius.[13]

Abhängigkeit von Rom[Bearbeiten]

Die kriegerische Auseinandersetzung mit den Cheruskern unter Arminius im Jahre 17 und der nachfolgende Sturz Marbods im Jahre 19 durch den Gotonen Catualda beendeten die Machtstellung der Markomannen, die danach unter römischen Einfluss gerieten. Catualda war noch im Jahre 19 von den Hermunduren vertrieben worden. Daraufhin eroberte der Quadenkönig Vannius Böhmen. Seitdem sollen die Markomannen und Quaden von den gleichen Stammesführern (röm. als „dux“ oder „rex“ bezeichnet) beherrscht worden sein.

Einfälle in römisches Gebiet[Bearbeiten]

Die Abhängigkeit von Rom, die nur durch Aufstände in den Jahren 89 und 92 unterbrochen wurde, hielt bis zu den Markomannenkriegen an, die mit Unterbrechungen von 166 bis 180 dauerten. In ihnen zeigten sich die Markomannen zusammen mit anderen germanischen und sarmatischen Stämmen als erbitterte und schlagkräftige Feinde des Römischen Reiches und drangen mehrmals tief in das Gebiet des Imperiums ein. Kaiser Mark Aurel musste die meiste Zeit seiner Regierung ihrer Abwehr widmen; er hielt sich im Legionslager Carnuntum in Pannonien nahe Vindobona, dem heutigen Wien auf. Nach Hans W. Haussig veränderten die Kriege mit dem Verwüsten der „fruchtbaren Poebene“ nachhaltig die „Struktur der Landwirtschaft“ in Italien, weshalb sich „die große Wende“ vollzog, die zum Niedergang der Landwirtschaft und später der sinkenden Bedeutung Italiens im römischen Reich geführt haben soll.[14] Einige Forscher sehen die Markomannenkriege als Vorstufe der Völkerwanderung.

Weitere Einfälle der Markomannen auf römisches Reichsgebiet fanden laut antiken Quellen in den Jahren 310, 323, 357 und 374 statt.

Auflösung der Stammesstruktur[Bearbeiten]

Um 396 wurden durch Stilicho Teile der Markomannen, unter dem als "dux" bezeichneten Ehemann von Königin Fritigil, im später ostösterreichisch-westungarischen Raum (Pannonien) als Verbündete der Römer angesiedelt. Fritigil stand im Briefwechsel mit Bischof Ambrosius von Mailand und bewirkte die Christianisierung der Markomannen.[15] Die umgesiedelten Markomannen befanden sich 433–451 unter der Herrschaft der Hunnen und kämpften auf ihrer Seite auf den katalaunischen Feldern, von denen sie nicht mehr nach Pannonien zurückkehrten. Die in Böhmen verbliebenen Markomannen gingen im 7. Jahrhundert (letzte germanische Siedlungsspuren in Böhmen) in den einwandernden Slawen auf und trugen eventuell zur Entstehung der Bajuwaren bei.

Liste der überlieferten markomannischen Stammesführer[Bearbeiten]

Nach Tacitus kamen die markomannischen und quadischen „Herzöge bzw. Könige“ bis ins 1. Jh. n. Chr. aus dem Geschlecht des Marbod und Tudrus.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Strabo 7, 1, 3, p. 290C.
  2. Ralf-Peter Märtin: Provinz Germanien. Marbod. In: Die Varusschlacht. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2010, S. 131. In Bezug auf: Dieter Timpe: RG (Römisch-Germanische Begegnungen), S. 203. (s. Lit.)
  3. Velleius 2, 107; 2, 109, 1f.
  4. Märtin, S. 131. Unter Bezug auf: Velleius 2, 109, 5.
  5. Velleius 2, 110; Cassius Dio 55, 28, 7 – 30, 1.
  6. Cassius Dio 55, 28, 6f.; Tacitus, Annalen 2, 45, 3
  7. Peter Kehne: Marbod, RGA (Reallexikon der germanischen Altertumskunde), Bd. 19, S. 260. In Bezug auf: Tacitus, Annalen 2, 45, 3; 2, 46, 2.
  8. Tacitus, Annalen 2, 26, 3
  9. Tacitus, Annalen 2, 46, 2. in: Märtin, S. 132.
  10. Märtin geht davon aus, dass Arminius mit einem cheruskischen Kontingent an der Niederschlagung des Aufstandes beteiligt war und hier wieder zurück gelangte. Er bezieht sich hierbei auf: Timpe, RG, S. 45.
  11. siehe Märtin, S. 159.
  12. Velleius 2, 119, 5
  13. Tacitus, Annalen 2, 44, 2; 2, 46, 5
  14. Vgl. Haussig, S. 4, vgl. auch 12.
  15. Fritigil in aeiou.at