Luise von Göchhausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Büste von Luise von Göchhausen.

Luise von Göchhausen (eigentlich Luise Ernestine Christiane Juliane von Göchhausen; * 13. Februar 1752 in Eisenach; † 7. September 1807 in Weimar) war Erste Hofdame der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach.

Leben[Bearbeiten]

Luise von Göchhausen war von Kind auf klein und bucklig und hatte kaum Chancen, eine standesgemäße Verbindung einzugehen. Darum war sie glücklich, dankbar und treu ergeben, 1783 in den Kreis der Hofdamen in Weimar aufgenommen zu werden. Die Herzogin schätzte sie sehr wegen ihres Humors, ihrer Klugheit und ihrer Schlagfertigkeit. Sie konnte aber auch mitunter boshaft sein.[1] Obwohl häufig Opfer von Streichen im Freundeskreis, war sie nicht nachtragend.

Herzogin Anna Amalia (rechts) mit ihrer ersten Hofdame Luise von Göchhausen (links) im Park - Getuschte Silhouette von Starke um 1780
Luise von Göchhausen - Zeichnung von
Johann Wolfgang von Goethe, um 1780

Carl August, der junge Herzog, – so erzählt man sich – ließ einmal den Eingang zu ihrer Wohnung bei Einbruch der Dunkelheit vermauern. Erschrocken soll Luise von Göchhausen die halbe Nacht durch die Gänge geirrt sein …[2]

Anna Amalia mit Luise von Göchhausen (rechts) und Gesellschaft im Wittumspalais Ausschnitt aus dem bekannten Aquarell von Georg Melchior Kraus um 1795

Zu Goethe hatte Luise von Göchhausen rasch ein gutes Verhältnis. Er bediente sich oft ihrer „mobilen Feder“. Sie fertigte die Abschriften des Tiefurter Journals aus dem literarischen Zirkel der Herzogin und des sogenannten Urfausts an. Goethe überließ ihr nach seinen Vorleseabenden mehrfach Manuskripte zur Abschrift. Darunter waren unter anderem auch die ersten Szenen der Faust-Dichtung, die er in einem Anfall wie so manches vernichtete. Somit galten sie als verschollen. Goethe ließ sich von der Göchhausen die briefliche Anrede Liebster aller Geheimen Räthe! gefallen.[3] Am 17. Oktober 1790 schreibt Goethe aus Weimar an Knebel: Die Herzogin-Mutter ist schon seit einem Jahr mit der Göchhausen radikaliter broulliert [entzweit], es ist nicht möglich, daß sich das Verhältniß wieder herstelle; die Herzogin wünscht sie je eher je lieber loszuwerden.[4]

1780 bezog Herzogin Anna Amalia mit zwei Dienern das Obergeschoss des Tiefurter Schlosses. Ihre Hofdame Luise von Göchhausen wurde im Nebengebäude untergebracht. Während Napoléon auch das Weimarer Herzogtum bedrohte und besetzte, gingen die Herzogin und ihre Erste Hofdame für kurze Zeit ins Exil. Luise von Göchhausen starb nur fünf Monate nach dem Tod ihrer Herzogin.

1887 wurden die von Luise von Göchhausen abgeschriebenen Szenen des Faustes, die man längst verschollen glaubte, in ihrem Nachlass gefunden. In der Freude über diesen Fund gab man den Szenen die Bezeichnung Urfaust, die sich - wenn auch umstritten - bis heute gehalten hat.

Ein im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und der Stiftung Weimarer Klassik durchgeführtes groß angelegtes Forschungsprojekt, im Rahmen dessen geklärt werden sollte, ob einer der beiden als Schillerschädel ausgezeichneten Totenköpfe in der Weimarer Fürstengruft wirklich zu Schiller gehört, hatte im Frühjahr 2008 zum Ergebnis, dass der sogenannte Froriep-Schädel Luise von Göchhausen zuzuordnen sei.[5]

Zitate[Bearbeiten]

Luise von Göchhausen - eine Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe
Gedicht: Das Göttliche.
Handschrift von Johann Wolfgang von Goethe. Frühe, noch unausgefeilte Fassung. Die Niederschrift ist eigenhändig adressiert:
"Fräulein von Jöchhausen".
Goethe
  • Goethe war gern in meinem Stübchen, mit mir plaudernd und scherzend.
  • Am 10. September 1783 an Knebel: Gestern war Goethe bey mir und kam mit folgenten bon mot in meiner Stube nieder:
Entschuldigung.
Du verklagtest das Weib, sie schwanke von einem zum andern
Tadle sie nicht, sie sucht einen beständigen Mann (Deetjen, 57).
zu Schillers Tod (am 9. Mai 1805 in Weimar)
  • Am 10. Juni 1805 an Böttiger: Er war sehr ruhig. Er verlangte sein jüngstes Kind, liebkosete es, schlief einige Stunden sanft, man glaubte ihn gerettet, die Herzen, die ihn umgaben, öffneten sich der Freude, - er war todt (Deetjen, 148).
Weimarer Hof
  • Am 4. November 1805 an Böttiger: Gestern kam endlich der Tag, der uns den Kaiser brachte... Der Kaiser ließ sich ein Pferd geben und ritt zur großen Freude der in Unzahl versammelten Gaffer mit dem Herzog in die Stadt... Alles flog ihm entgegen... Der Kaiser führte meine Herzogin zur Tafel und sprach sehr viel, beinahe ununterbrochen, mit ihr und seiner Schwester... Er ist ein schöner Mann; das Auffallendste, dünkt mir, in seinem Gesicht ist Offenheit und Güte (Deetjen, 156).
Mit der Herzogin
in Italien:
  • Am 25. August 1789 aus Neapel an Wieland: In der Nacht vom 19ten zum 20ten dieses Monats gab uns der Vesuv ein schönes und seltnes Schauspiel; einige Zeit lang war er sehr ruhig gewesen, auf einmal öffnete sich der Berg in der Mitte, nach der Meer Seite und Neapel zu (gerade unserm Hauß gegenüber), warf hohe Flammen und viele glühente Steine aus und ergoß sich in verschiedene Lava Ströme, die noch immer fort fließen und die Nächte durch brächtig im Meer wiederscheinen (Deetjen, 105).
in Leipzig:
  • Am 14. August 1782 aus Tiefurth an Knebel: Das interessanteste, was uns in L. vorkam, war eine durch den Professor Ludewig gemachte Bekandschaft eines äuserst electrischen Menschens. Baron Rose, ein reicher Liefländer, ohngefähr 20 bis 21 Jahre alt, ist so sehr electrisch, daß, wenn er hustet, ihm Funken aus dem Hals kommen, und Nachts sein Odem läuchtet. Der Professor machte in der Herzogin Gegenwarth einige Phisikalische Experimente mit ihm, die den Kennern der Wissenschaft wunderbar vorkommen. Dieser Mensch ist blond, nichts weniger als lebhaft und sehr eingezogen [zurückgezogen] in seinen Sitten. Bey starker Hitze und bey Näherung der Gewitter leidet er sehr (Deetjen 51).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Wahl, Anton Kippenberg: Goethe und seine Welt, Insel-Verlag, Leipzig 1932 S. 67 und 254
  2. Konrad Kratzsch: Klatschnest Weimar, Verlag Königshausen & Neumann, 2003, ISBN 382602527X, S. 32–33
  3. z. B. Brief vom 2. Januar 1801, zitiert in: Deetjen, S. 127
  4. Deetjen, S. 8
  5. Der Spiegel:Rätsel um Schillers Schädel-Double

Literatur[Bearbeiten]

  • Hugo Schramm-Macdonald: Göchhausen, Louise. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 9, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 303–305.
  • August von Froriep: Schädel, Totenmaske und lebendes Antlitz des Hoffräuleins Luise von Göchhausen. Barth, Leipzig 1917.
  • Werner Deetjen: Die Göchhausen. Briefe einer Hofdame aus dem klassischen Weimar. Verlag E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1923.
  • Hans Wahl, Anton Kippenberg: Goethe und seine Welt. Insel-Verlag, Leipzig 1932, S. 67.
  • Toni Deneke: Das Fräulein Göchhausen. Gustav Kiepenheuer Verlag, Weimar 1955.
  • Alfred Zastrau: Göchhausen, Louise Ernestine Christiane Juliane von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 506 f. (Digitalisat).
  • Gabriele Henkel, Wulf Otte: Herzogin Anna Amalia - Braunschweig und Weimar, Stationen eines Frauenlebens im 18. Jahrhundert. Braunschweigisches Landesmuseum, Braunschweig 1995.
  • Charlotte Marlo Werner: Goethes Herzogin Anna Amalia – Fürstin zwischen Rokoko und Revolution. Droste, Düsseldorf 1996.