Mitteldeutscher Rundfunk
Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ist die Rundfunkanstalt der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (Hörfunk und Fernsehen). Er ist Mitglied der ARD und hat die Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts. Sie übernahmen im Zuge der Wiedervereinigung die Rundfunksender der DDR in Bezug auf einen Teil des Sendegebietes (außer Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern).
Der MDR beschäftigte im Jahr 2010 insgesamt 1995 feste und 5516 freie Mitarbeiter und hatte im Jahr 2009 einen Umsatz von 680 Millionen Euro. Der Sitz der Anstalt wurde gemäß Rundfunkstaatsvertrag in Leipzig (Sachsen) errichtet. Die Fernsehzentrale ist seitdem auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs in Leipzig-Süd am Ende der Kantstraße beheimatet.
Die Hörfunkprogramme wie Jump, MDR Info, Sputnik und Figaro sowie das digitale Programm MDR Klassik senden aus der Rundfunkzentrale in Halle (Saale). In den Landeshauptstädten Dresden, Erfurt und Magdeburg befinden sich die Landesfunkhäuser, die eigenständige Radioprogramme sowie täglich regionale Magazine im Fernsehen (Sachsenspiegel, Sachsen-Anhalt heute, Thüringen Journal) für die drei Bundesländer ausstrahlen.
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Entstehung und Geschichte [Bearbeiten]
Der Mitteldeutsche Rundfunk hat seine Ursprünge in der 1924 gegründeten Mitteldeutschen Rundfunk AG (MIRAG). Die MIRAG gehörte nach der Einführung des Unterhaltungsrundfunks in Deutschland im Jahre 1923 zu den ersten großen überregionalen Rundfunkgesellschaften. Nach der Gleichschaltung des Rundfunks in der Zeit des Nationalsozialismus und der Verstaatlichung der MIRAG ging diese 1934 in den „Reichssender Leipzig“ über.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lizenzierte die sowjetische Besatzungsmacht 1945 übergangsweise „Radio Leipzig“, das nur wenige Monate bis zur erneuten Gründung des Mitteldeutschen Rundfunks bestand. 1946 startet das neue Programm „Mitteldeutscher Rundfunk, Sender Leipzig“ im neuen Funkhaus Springerstraße. Dem Mitteldeutschen Rundfunk wurden bald darauf die Landessender Dresden, Halle und Weimar sowie die Studios Chemnitz und Magdeburg angeschlossen.
1952 wurde die DDR zentralisiert und die fünf Länder aufgelöst. Im Zuge dessen wurde auch der DDR-Rundfunk vereinheitlicht und in Berlin zentriert. Im neuen Funkhaus Nalepastraße in Berlin-Oberschöneweide wurden seitdem alle Haupt-Hörrundfunkprogramme der DDR produziert. Fernsehprogramm wurde seitdem nur noch in Berlin-Adlershof produziert. Im September 1952 wurde das Programm „Sender Leipzig“ schlicht zum Unterhaltungsprogramm „Berlin III“ umgewandelt. Doch wurde bereits im August 1953 die Rundfunkstruktur neu organisiert. Es entstanden die Programme Deutschlandsender, Berliner Rundfunk und Radio DDR. 1956 wurde das Regionalprogramm von Radio DDR, „Sender Leipzig“, eingeführt. In Leipzig sendete man für Radio DDR ein Programmfenster, dessen Sendezeit schrittweise bis zu 11 Stunden aufgestockt wurde (zuletzt 1989) und die Radio-DDR-Messewelle die jeweils zur Frühjahrs- und Herbstmesse in Leipzig von 7 bis 19 Uhr auf Sendung war, später bis 20 Uhr. In den anderen ehemaligen, großen Regionalstudios des Mitteldeutschen Rundfunks in Dresden, Halle und Weimar wurden ebenfalls Regionalprogramme hergestellt.
Im Juli 1990 erfolgte eine neue Dezentralisierung. Aus den Landessendern entstanden drei neue regionale Sendeanstalten, in Sachsen „Sachsen Radio“, in Sachsen-Anhalt „Radio Sachsen Anhalt“ und in Thüringen „Thüringer Rundfunk“, die bis Ende 1991 sendeten. Mit der Novelle des Rundfunkstaatsvertrages für die fünf neuen Länder nach der Wiedervereinigung wurde am 31. Mai 1991 der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) als Dreiländeranstalt für die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gegründet. Seit 1. Januar 1992 0:00 Uhr werden die heute bekannten Programme des Mitteldeutschen Rundfunks gesendet.
Im Fernsehen startete der MDR mit dem „regionalen Fernsehprogramm“ MDR Fernsehen. Erster Fernsehdirektor des MDR wurde Henning Röhl, der bisherige Chefredakteur von „ARD-aktuell“ (Tagesschau und Tagesthemen). Das Programm war seit 27. August 1993 auch über Satellit europaweit zu empfangen. In der Austastlücke des MDR-Programms wurde seit 14. März 1992 das regionale Videotext-Angebot des MDR gesendet. Seit 1992 beteiligt sich der MDR am ARD-Gemeinschaftsprogramm.
Im Hörfunk starteten am 1. Januar 1992 die drei Landes-Programme MDR 1 Radio Sachsen , MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt und MDR 1 Radio Thüringen, das Popmusik-, Service- und Unterhaltungsprogramm MDR Life, das Informationsprogramm MDR Info, MDR Kultur und das vom DDR-Rundfunk übernommene Jugendprogramm DT 64.
Im Februar 1993 bezog der MDR ein erstes rekonstruiertes Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Leipziger Schlachthofgeländes: Die Alte Börse. Viele weitere Gebäude wurden restauriert und in ein neues Ensemble eingebettet. Eine der damals modernsten Fernsehzentralen Europas entstand. Am 14. Mai 2000 wurde erstmals aus der neuen MDR-Zentrale gesendet.
Am 1. Mai 1993 wurde Jugendradio DT 64 in das Programm MDR Sputnik überführt, das seit 1. März 1993 über Satellit ausgestrahlt wurde. Am 1. Januar 2000 wurde das Unterhaltungsprogramm MDR Life wegen Erfolglosigkeit vom neuen Hörfunkprogramm Jump abgelöst. MDR Klassik startete am 6. Mai 2002. Am 1. Januar 2004 wurde das Kulturprogramm MDR Kultur in MDR Figaro umbenannt. Im Zuge dessen erfolgte auch eine Reformierung des Programms von MDR Figaro, das neben Klassik auch viel Wert auf anspruchsvolle Popmusik legt.
Mitte April 2001 geriet der MDR in die Medienkritik, als Berichte über mögliche Millionenverluste bei Finanzgeschäften laut wurden. In einer öffentlichen Stellungnahme des MDR dementierte dieser die Vorwürfe, Rundfunkgebühren in riskante Wertpapiere investiert zu haben.[1] Über Parteigrenzen kritisierten Landespolitiker das Finanzgebaren des Senders.[2]
Organisation [Bearbeiten]
Die rechtliche Vertretung und Leitung der Rundfunkanstalt nimmt der Intendant wahr, der durch den Rundfunkrat ernannt wird.
Udo Reiter war seit 1991 erster Intendant des MDR. Am 26. Mai 2011 gab Reiter bekannt, dass er 2011 sein Amt abgibt. Die Wahl seiner Nachfolge fiel am 23. Oktober 2011 auf Karola Wille. Sie trat das Amt am 1. November 2011 an.[3][4]
Ihr unterstellt sind acht Direktoren, die für folgende Aufgabengebiete verantwortlich sind:
- Wolf-Dieter Jacobi - Fernsehen
- Johann Michael Möller - Hörfunk
- Sandro Viroli - Landesfunkhaus Sachsen
- Elke Lüdecke - Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt
- Werner Dieste - Landesfunkhaus Thüringen
- Dr. Ulrich Liebenow - Betriebsdirektor
- Prof. Dr. Jens-Ole Schröder - Justiziariat
- Astrid Göbel - Verwaltung
Programme des MDR [Bearbeiten]
Der MDR veranstaltet heute folgende Fernseh- und Hörfunkprogramme:
Fernsehen [Bearbeiten]
- MDR Fernsehen mit ländereigenem Landesprogramm (Regionalprogramm) für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
- Zulieferprogramm und Programmbestandteile des MDR beinhalten auch Programme anderer öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten: Das Erste, Phoenix, KiKA, ARTE und 3sat
Fernsehproduktionen [Bearbeiten]
Der MDR produziert für die ARD unter anderem Kriminalfilme der Sendereihen Tatort (mit Simone Thomalla und Martin Wuttke) und Polizeiruf 110 (mit Jaecki Schwarz), die erfolgreiche Krankenhausserie In aller Freundschaft, Familie Dr. Kleist sowie die Tierfilm-Reihen Elefant, Tiger & Co., Abenteuer Zoo, Deutschlands wilde Tiere und Europas wilder Osten, außerdem das werktägliche Boulevard-Magazin Brisant.
Beliebt sind neben der Nachrichtensendung MDR aktuell um 19:30 Uhr aus Leipzig mit Bezug auf die Region im Sendegebiet vor allem die wochentäglichen Nachmittagssendungen dabei ab zwei von 14:00 bis 14:30 Uhr sowie ab 16 Uhr die zum Familien-Tagesprogramm gehörende Live-Sendung hier ab vier. Sonntags 19:50 Uhr bittet die Polizei bei Kripo live um Mithilfe. Montags werden in der Sendung Mach dich ran um 19:50 Uhr Tagesaufgaben für Zuschauer gelöst, die bei Problemen selbst nicht mehr weiter wissen. Anhaltender Beliebtheit erfreut sich die Dokumentationsreihe Geschichte Mitteldeutschlands sowie das gleichnamige Magazin . Es wird 14-täglich um 21:15 Uhr im MDR-Fernsehen ausgestrahlt und von Grimme-Preisträger Gunter Schoß moderiert. Es ist bislang das einzige Geschichtsmagazin im Bereich der ARD-Sendeanstalten.
Die Übertragung der Olympischen Winterspiele in Vancouver 2010 produzierte der MDR als federführender Sender stellvertretend für die ARD.
Hörfunk [Bearbeiten]
Digital und analog [Bearbeiten]
- MDR 1 Radio Sachsen: Landesprogramm für Sachsen mit Schlagern und Oldies
- MDR Sachsen-Anhalt, vormals MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt: Landesprogramm für Sachsen-Anhalt mit Schlagern und Oldies
- MDR Thüringen, vormals MDR 1 Radio Thüringen: Landesprogramm für Thüringen mit Schlagern und Oldies
- MDR Jump, vormals MDR Life und Jump: Popwelle für die 20- bis 49-Jährigen.
- MDR Figaro, vormals MDR Kultur: kulturelles Unterhaltungsprogramm, mit Pop, Rock, Oldies, Jazz und klassischer Musik
- MDR Info: Nachrichten- und Informationsprogramm
- MDR Sputnik, vormals MDR DT64: Jugendradio (via UKW nur in der Region Leipzig und Sachsen-Anhalt)
- Sorbischer Rundfunk: gemeinsames Programm mit dem rbb in den sorbischen Sprachen
Nur digital [Bearbeiten]
- MDR Klassik nur über DAB, Internet und DVB-S zu empfangen: klassische Musik, übernimmt täglich für mehrere Stunden das Programm von MDR Figaro
Orchester und Chöre des MDR [Bearbeiten]
das Orchester wurde 1915 gegründet und 1924 in das Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig überführt; Chefdirigent ist seit September 2012 Kristjan Järvi.
gegründet 1946 als Rundfunkchor Leipzig, ist er heute der größte professionelle Konzertchor Deutschlands. Seit Mai 1998 ist der Engländer Howard Arman Chordirektor und künstlerischer Leiter.
ist der einzige Kinderchor der ARD. Er wurde 1948 von Hans Sandig gegründet. Seit 1990 lag die künstlerische Verantwortung für die zirka 120 Chorkinder zwischen sechs und 19 Jahren in den Händen des Dirigenten Gunter Berger. 2011 übernahm Ulrich Kaiser sein Amt.
Konzerte [Bearbeiten]
Der Sender richtet jährlich den MDR Musiksommer aus und zeichnet sich für eine gesamte Spielzeit mit regelmäßigen Konzerten in Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Suhl und Weimar verantwortlich.
Fernsehballett [Bearbeiten]
Der MDR hatte die Federführung beim früheren MDR Fernsehballett, dem damals einzigen Fernsehballett Europas. Es ging 1992 aus dem 1962 gebildeten DFF-Fernsehballett hervor und hatte zuletzt 18 Mitglieder.[5]
MDR Sendeanlagen/DVB-T [Bearbeiten]
Der MDR besitzt kaum eigene Sendeanlagen. Es werden zur Verbreitung der Programme überwiegend Anlagen der Deutschen Telekom verwendet. Ausnahmen sind UKW-Kleinsender der Studios in Halle und Leipzig. Das DVB-T Netz ist seit Mitte 2008 im gesamten Sendegebiet des MDR ausgebaut.
MDR-Werbung GmbH [Bearbeiten]
Die MDR-Werbung GmbH (MDRW) ist eine 100-prozentige Tochter des MDR. Ihr Zuständigkeitsbereich liegt in der Vermarktung der Werbezeit der TV- und Hörfunkprogramme des MDR. Die MDRW wurde am 23. August 1991 in Erfurt gegründet.[6]
Nur wenige Wochen nach der Gründung des Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) am 31. Mai 1991, als Dreiländeranstalt für die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wurde die MDR-Werbung aus der Taufe gehoben. Disposition, Verteilung und Ausstrahlung der ersten Werbespots wurden zunächst von Köln und Leipzig aus vorgenommen. Die Werbeblöcke mussten nach Aufnahme des Sendebetriebs des MDR 1992 an fünf verschiedene Standorte gesendet werden: Leipzig, Dresden, Magdeburg, Erfurt und später auch Halle (Saale). 1992 zog die MDR-Werbung in die Nähe des Landesfunkhauses Thüringen um, 2001 dann in einen Neubau auf das Gelände des Landesfunkhauses Thüringen.
Die Geschäftsfelder der MDR-Werbung lassen sich in vier Bereiche zusammenfassen: Werbezeitenvermarktung, Programmproduktion, die Programmtechnik sowie die Organisation von Events und Kooperationen. Während der vergangenen Jahre wurden diese Angebote zunehmend durch ein umfangreiches Sponsoring im Mitteldeutschen Rundfunk ergänzt. Der Geschäftsführer der MDR-Werbung ist Niels N. von Haken (Stand 2012).
Weblinks [Bearbeiten]
Belege [Bearbeiten]
- ↑ Der MDR „zockt“ nicht mit Gebührengeldern, Stellungnahme des MDR, 16. April 2001
- ↑ Spiegel Online: Landespolitiker rügen Finanzgeschäfte des MDR, 16. April 2001
- ↑ Bericht auf stern.de vom 10. Oktober 2011, abgerufen am 17. Oktober 2011
- ↑ http://www.mdr.de/nachrichten/mdr-intendantenwahl100.html
- ↑ Thüringer Allgemeine: http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/MDR-verkauft-das-Fernsehballett-607621400 MDR verkauft Fernsehballett, 7. Februar 2012
- ↑ Homepage MDR-Werbung
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Rundfunkrat | Finanzkommission (KEF) | ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice (frühere GEZ) | Rundfunkgebührenbeauftragte | Landesmedienanstalt
Fernsehprogramm: MDR Fernsehen
Hörfunkprogramme: MDR 1 Radio Sachsen | MDR Sachsen-Anhalt | MDR Thüringen | MDR Jump | MDR Figaro | MDR Info | MDR Sputnik | MDR Klassik | Sorbischer Rundfunk
ehemalig: MDR Kultur | MDR Life | DT64 | MDR 1 Radio Thüringen | MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt
Einrichtungen: MDR Sinfonieorchester | MDR Rundfunkchor Leipzig | MDR Kinderchor
51.31606666666712.385055555556Koordinaten: 51° 18′ 57,8″ N, 12° 23′ 6,2″ O