Mårup

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mårup Kirke bei Lønstrup (2004)

Mårup ist ein ehemaliger Kirchort in der Jammerbucht auf dem Gebiet der heutigen Kommune Hjørring in Vendsyssel im Norden von Jütland. Hier befindet sich Lønstrup Klint, eine eindrucksvolle Steilabbruchkante, die nach Süden hin in die Wanderdüne Rubjerg Knude übergeht.

Der Ort bietet ein eindrucksvolles Schauspiel der Küstenerosion an einer aktiven Abtragungsküste. Vor allem der Wechsel von Stürmen, Hochwasser, Regen, Frost und Tauwetter setzt den Steilküsten zu, Frostsprengungen können zu großen Landabbrüchen führen. In den vergangenen einhundert Jahren ist die Küstenlinie um 300 Meter zurückgewichen. Besucher sollten die aufgestellten Warntafeln an der Abbruchkante beherzigen.[1]

Mårup Kirke[Bearbeiten]

Zustand 2008

Die romanische Saalkirche mit Chor wurde im 13. Jahrhundert als Ziegelbau nach dem einfachsten Muster jütischer Dorfkirchen errichtet. Bemerkenswert war die Verstärkung der Nordwand durch rundbogige Lisenen. Ein Kirchturm wurde im 18. Jahrhundert abgetragen und durch einen freistehenden hölzernen Glockenstuhl ersetzt.

Die Kirchengemeinde gab das Gebäude 1926 auf, die Inneneinrichtung wurde in die neuerrichtete Kirche in Lønstrup überführt. Danach befand sich nur ein mobiles Gestühl in der Kirche, in der zu besonderen Anlässen noch bis Ostern 2008 Gottesdienste gefeiert wurden. Das verwaiste Kirchengebäude ging in die Obhut des Dänischen Nationalmuseums über. 1998 fanden umfangreiche archäologische Grabungen statt.

Die schweren Stürme der folgenden Jahre haben die Küstenlinie so weit zurückgedrängt, dass wenig später die erste Ecke des Friedhofs angegriffen wurde. Die Abbruchkante ist nur noch wenige Meter vom Gebäude entfernt. Jedoch versuchte ein dänisches Unternehmen den Küstenstreifen zu sichern. Im August 2007 lehnte das Dänische Nationalmuseum unter Hinweis auf die Kosten und den Widerstand der lokalen Bevölkerung den Vorschlag ab, die Kirche in das Freilichtmuseum bei Lyngby zu versetzen. Ende November 2007 beschloss die für Kultur- und Landschaftsschutz zuständige Behörde den kontrollierten Abbau der Kirche.[2] Dachstuhl und Inneneinrichtung wurden im Herbst 2008 abgebaut und eingelagert. 2011 wurden die Wände auf 2 m Höhe reduziert. Der weitere Rückbau soll einen Sicherheitsabstand zur Abbruchkante von rund 6 m gewährleisten. Der Mauersockel soll dabei erhalten bleiben, um den Gebäudeumriss möglichst lange zu kennzeichnen. Der Rückbau des Ostgiebels wird voraussichtlich zwischen 2016 und 2019 erfolgen. Bislang ist noch nicht entschieden, ob die Kirche andernorts wieder aufgebaut werden soll.

Im August 2014 begann die dritte Rückbauphase: Die Steine der Fassade wurden abgenommen, so dass nun der Mauerkern freigelegt ist.[3] Zum ersten Mal überhaupt ist damit der Kern mittelalterlicher Kirchenmauern vollständig offengelegt, was wertvolle Erkenntnisse zur historischen Bautechnik ermöglicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nyt, stort skred ved Mårup Kirke. Jyllands-Posten, 11. November 2008, abgerufen am 18. Juni 2014 (dänisch).
  2. Enden nær for Mårup Kirke. Berlingske, 28. Juni 2008, abgerufen am 12. August 2013 (dänisch).
  3. Uffe Christensen: Den gamle kirke på kanten er snart væk Jyllandsposten, 19. August 2014 (dän.).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mårup Kirke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

57.4625305555569.7845361111111Koordinaten: 57° 27′ 45″ N, 9° 47′ 4″ O