Chor (Architektur)

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Dieser Artikel erläutert den Altarraum, zu Orgelchor und Tribüne siehe Chorempore.
Bereich des Chors eines typischen Kirchengrundrisses. Im rötlichen Bereich steht das Chorgestühl; der rechts anschließende Halbkreis gehört ebenfalls zum Chor.
Chor der romanischen Kirchenburg in Michelsberg (Siebenbürgen)

In der sakralen Architektur bezeichnet der Chor, auch Presbyterium genannt, den Altarraum in Kirchen, der früher dem Klerus oder den Ordensgemeinschaften zur Feier des Stundengebets vorbehalten war. Ursprünglich war der Chor – seinem Namen entsprechend – der Raum für die Sänger der Liturgie, in der Nähe des Altares. Er schließt entweder gerade oder halbrund bzw. polygonal.

Baugestaltungen[Bearbeiten]

In altchristlicher Zeit wurde der Chor ohne besondere architektonische Ausformung gestaltet und war nur durch Schranken innerhalb des Kirchenraums unterteilt. Später trat er als selbstständiger Teil des Bauwerks hervor und wurde häufig – insbesondere in der Romanik – über einer Krypta erhöht.

Der Chor bildet bei Kirchen mit kreuzförmigem Grundriss neben Querhaus und Langhaus eine der Achsen des Kreuzes. Der dem Klerus vorbehaltene Bereich, der oft durch einen Lettner und Chorschranken vom Laienbereich getrennt war, reichte aber manchmal bis in die Vierung oder gar bis in das Langhaus. Daher unterscheidet man gelegentlich den architektonischen Chor (die Ostachse der Kirche) vom liturgischen Chor (dem gesamten Klerikerbereich). Zur genaueren Differenzierung kann man den Bereich, in dem das Chorgestühl steht, als Chorus im engeren Sinne vom Presbyterium oder Sanktuarium, dem Altarbereich mit den Sitzen der die Messe zelebrierenden Priester, unterscheiden.

Der Chor befindet sich üblicherweise bei Langbauten am östlichen Ende des Kirchenschiffs, wobei es auch zahlreiche Ausnahmen gibt, bei denen sich der Chor in anderen Himmelsrichtungen befindet oder eine Kirche zwei gegenüberliegende Chöre (eine sogenannte Doppelchoranlage) hat.

Der Chor besteht aus dem Chorhaus (bei quadratischem Grundriss auch Chorquadrat genannt) und dem Chorschluss. Dieser wird nach der Geometrie des östlichen Abschlusses genannt. Aus der Romanik ist der Dorfkirchen-Grundrisstyp „Chorquadratkirche“ bekannt.[1] Er besteht aus Langhaus und eingezogenem Chorquadrat, manchmal mit Turm, aber nie mit Apsis. Sein Kennzeichen ist der gerade Chorschluss.

Zisterzienserkirchen und englische Gotik[Bearbeiten]

In Zisterzienserkirchen und der englischen Gotik ist der gerade Chorschluss bevorzugt (siehe Kathedrale von Salisbury) worden (auch flacher oder platter Chorschluss, Rechteck- oder Kastenchor genannt).[2] In Nordengland endet der Chor oft mit einer Ostfassade (siehe Kathedrale von Lincoln). In den Zisterzienserkirchen wird der Chor getrennt nach Mönchschor, auch Herrenchor genannt, und dem westlich anschließenden Chor der Laienbrüder. Der Gotik lassen sich die eckigen (polygonalen) Chorschlüsse zuordnen. Sie werden nach der Anzahl der Segmentteile benannt (z. B. als 5/8-Schluss).

Sonstige besondere Chorformen[Bearbeiten]

Weiter werden die Chorformen unterschieden, die sich aus dem Verhältnis zum Rest der Kirche und deren Anbauten ergeben. So gibt es den eingezogenen Chor, der schmaler ist als das Mittelschiff. Ein Staffelchor (auch Benediktinerchor genannt) hat einen Hauptchor und in ihrem Verlauf sich verkürzende Nebenchöre. In der Romanik und der Gotik wurden Chöre mit Chorumgang und Kapellenkranz gebaut, die reichste Ausgestaltung dieser Chorform findet man in den Kathedralen Frankreichs. Ein Vorzeigebeispiel polygonaler Choranlagen im Rheinland findet man in Münstermaifeld, er wurde im Übergangsstil Spätromanik unter weitgehender Verwendung westlicher Gotik Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut. Bei dem Drei-Konchen-Chor enden die Querhausarme wie der Hauptchor mit Konchen bzw. Apsiden („Trikonchos“, Kleeblattanlage). Hier sind die Basilika St. Andreas in Köln und die Elisabethkirche in Marburg als Beispiele zu nennen.

Doppelchoranlagen[Bearbeiten]

Seit der karolingischen Zeit und der deutschen Romanik gab es Kirchen mit Doppelchor, bei der ein Ost- und ein Westchor erbaut wurden. Beispiele hierzu sind der Mainzer Dom, der Wormser Dom, der Trierer Dom, der Bamberger Dom, St. Michael und St. Godehard in Hildesheim, der Naumburger Dom und das Bonner Münster. Die Bedeutung ist nicht eindeutig geklärt. Im Naumburger Dom etwa sind im Westchor die weltlichen Stifter der Kirche abgebildet. Der Westchor konnte zur Entfaltung einer eigenen Liturgie genutzt werden. Andererseits konnte die Bildung eines Westchores aber auf das Vorbild von Alt-St. Peter in Rom verweisen, wo aus topographischen Gründen der Hauptaltar im Westen stand. Ein eigener Westchor konnte daher die besondere Bedeutung einer Kirche und ihre Verbundenheit mit Rom ausdrücken.

Chorgestühl und Chorschranken[Bearbeiten]

Der Chor wird typischerweise mit Chorgestühl, Chorschranken und einem Chorturm versehen. Er war im Mittelalter häufig durch den Lettner abgegrenzt. Der Begriff Hochchor bzw. Hoher Chor bezeichnet bei mehrschiffigen Chorbauten den Binnenchor in Abgrenzung von den Seitenschiffen und dem Chorumgang.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erich Bachmann: Kunstlandschaften im romanischen Kleinkirchenbau Deutschlands. In: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft. Bd. 8, 1941, ISSN 0044-2135, S. 159–172.
  2. Die brandenburgischen Zisterzienserkirchen enden entweder mit Apsis (Zinna und Lehnin) oder polygonal (Chorin). Es sind hier eher die Franziskanerklöster, die mit geradem Chorschluss enden (z. B. Prenzlau und Angermünde).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien