Magnetic Scrolls

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Magnetic Scrolls
Rechtsform Privat
Gründung 1984[1]
Auflösung 1992[1]
Sitz London, Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Branche Softwareentwicklung
Produkte ComputerspieleVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte

Magnetic Scrolls war eine britische Computerspiel-Firma, die ab 1984 durch ihre innovativen und audiovisuell ansprechenden Textadventures weltweit Bekanntheit erlangte. Zu den populärsten Spielen zählen The Pawn (1985), The Guild of Thieves (1987) und das auf Lewis Carrolls Geschichten von Alice im Wunderland beruhende Wonderland (1990).

Geschichte[Bearbeiten]

Anita Sinclair und Ken Gordon hatten Magnetic Scrolls 1984 in London gegründet. Die Firma entwickelte Adventures, die in der Branche hohe Anerkennung erreichten und ein europäisches Gegengewicht zu Infocom darstellten, dem damals dominierenden, US-amerikanischen Entwickler von Textadventures. Der Erfolg zwischen 1985 und 1990 basierte einerseits auf der literarischen Qualität und dem britischen Humor der Texte, andererseits auf der auch auf 8-Bit-Computern wie dem Commodore 64 guten Qualität der Grafiken und schließlich auf dem von Magnetic Scrolls entwickelten Parser. Dieser war dem Referenzparser von Infocom sowohl in der Erkennung grammatikalischer Strukturen als auch im Wortschatz zumindest ebenbürtig, in mancher Hinsicht sogar überlegen: Beispielsweise erlaubte er die Disambiguierung komplexer Eingaben wie “use the trowel to plant the pot plant into the plant pot” im Spiel The Pawn (etwa: „benutze die Pflanzkelle, um die Marihuanapflanze in den Blumentopf einzupflanzen“), in der dasselbe Wort (“plant”) in drei verschiedenen Bedeutungen auftaucht. Phantasievoll und bizarr waren zudem die Geschichten und die originellen und komplexen Rätsel, die der Spieler in den Adventures lösen musste, um die Geschichte als Akteur fortfahren zu lassen.

Indem Magnetic Scrolls, anders als Infocom zu dieser Zeit, schon 1985 ausgewählte Spielszenen mit statischen Grafiken untermalte, schlug die Firma eine Brücke zu den Grafikadventures. Im Spiel Jinxter, das im gleichen Jahr wie Guild of Thieves erschien, wurden die Illustrationen von mehreren Künstlern beigesteuert und in bewusst unterschiedlichen Stilen gehalten. Einer der ersten Künstler war Geoff Quilley.

Innovativ war ebenfalls das eingebaute „Hint-System“. Kam der Spieler bei einem Rätsel nicht weiter, konnte er einen der zahlreichen numerischen Codes aus dem Frage-Antwort-Teil des Handbuchs in den Parser eingeben und erhielt einen, abhängig von der Länge des Codes verklausulierten, Lösungshinweis.

Ab den 1990ern konnte die Firma ihre hohen Produktionskosten nicht mehr durch den erzielten Umsatz einspielen. Rob Steggles, in den 1980ern wichtigster Textautor von Magnetic Scrolls, schrieb hierzu:[2]

“Though Jinxter was an excellent game, the cost of producing it had been too high and, from where I was sitting, highly unprofitable. To my mind, it signalled the beginning of the end for Maggot Rolls. By contrast, Corruption which sold roughly the same number had been a fraction of the cost to produce as only myself and Hugh had worked on it. […]”

Und weiter:

“[L]ate 1989 […], Wonderland had already started and seemed to be going the way of Jinxter in that it had a large team on it who seemed to spend vast amounts of time reinventing the wheel. I seem to remember Ken and Doug spending months writing a complete Windows system and Paul writing a program to animate our pictures - all stuff you could buy off the shelf for a fraction of the cost.”

1991 veröffentlichte man noch "The Magnetic Scrolls Collection Vol. 1" welches die alten Spiele "The Guild of Thieves", "Corruption" und "Fish!" mit dem technischen Unterbau von Wonderland, der Magnetic Windows Engine, enthielt. Eine weiterer Teil mit den restlichen Spielen wurde angekündigt, ist jedoch aufgrund des eingebrochenen Marktes für Textadventures nie erschienen.

Im September 1998 gab es dann noch ein letztes Lebenszeichen des Unternehmens, als Ken Gordon die Internet-Domain magneticscrolls.com registrieren ließ. Diese Website blieb seit ihrer Registrierung allerdings unverändert und mit Ausnahme des Firmenlogos leer. Ab Juli 2011 war die Seite nicht mehr erreichbar.

Softographie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Winnie Forster: "Computer- und Videospielmacher" Gameplan, 2008, ISBN 9783000215841, S. 195
  2. Rob Steggles: Magnetic Scrolls Memories