Mariel-Bootskrise

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Kubanische Flüchtlinge in einem überfüllten Boot während der Mariel-Bootskrise.

Während der Mariel-Bootskrise (engl.: Mariel boatlift, span.: Éxodo del Mariel) flüchteten zwischen dem 15. April und dem 31. Oktober 1980 circa 125.000 kubanische Staatsbürger aus dem Inselstaat in den Süden des US-Bundesstaates Florida.[1] Die Flüchtlinge reisten über den Hafen in Mariel nahe der kubanischen Hauptstadt Havanna aus, wo sie von eigens aus Südflorida angereisten Helfern auf verschiedensten Wasserfahrzeugen zur Überfahrt in die Vereinigten Staaten abgeholt wurden.[2]

Angesichts einer Häufung von Schiffsentführungen in Richtung Florida durch fluchtwillige Kubaner seit Anfang des Jahres hatte Fidel Castro in einer Rede am 8. März 1980 angedeutet, die kubanische Regierung könne sich durch deren Aufnahme in den USA zu besonderen Maßnahmen gezwungen sehen. So erinnerte er an die plötzliche Öffnung des Hafens Camarioca im Jahr 1965[3] – über den Exilkubaner für einen Monat rund 5000 Familienmitglieder auf dem Seeweg abholen konnten, bevor eine kubanisch-US-amerikanische Luftbrücke vereinbart wurde, auf der bis 1973 pro Jahr rund 50.000 Kubaner in die USA ausreisen durften.[4] Castro betonte, sein revolutionäres Projekt und der Kampf für den Kommunismus beruhe auf dem Prinzip der Freiwilligkeit.[3] Am 1. April drangen sechs Kubaner in einem gekaperten Omnibus gewaltsam auf das Gelände der peruanischen Botschaft in Havanna ein, um dort politisches Asyl zu beantragen. Kubanische Wachleute, die die Botschaft abriegeln sollten, versuchten das Eindringen durch Schusswaffengebrauch zu verhindern, wobei einer von ihnen im Kreuzfeuer ums Leben kam. Peru weigerte sich, der kubanischen Forderung nach Auslieferung der Asylbewerber nachzukommen, woraufhin Castro die polizeiliche Absicherung der Botschaft abziehen ließ und über den Rundfunk verkünden ließ, jedem eine Ausreise beantragenden Kubaner würde diese gestattet. In der Folge drangen mehrere Tausend Kubaner in der Hoffnung auf eine Ausreisemöglichkeit auf das Botschaftsgelände.[5] Am 20. April 1980 verkündete Castro die Öffnung des Hafens von Mariel zur Abholung ausreisewilliger Kubaner durch im Ausland lebende Verwandte.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mariel boatlift, globalsecurity.org, abgerufen am 18. Juli 2010.
  2. Kuba: Das Recht des Stärkeren, in: Der Spiegel, Nr. 20/1980, 12. Mai 1980, S. 159f.
  3. a b Discurso pronunciado por Fidel Castro Ruz... offizielle Mitschrift der Rede vom 8. März 1980, auf der Webseite der kubanischen Regierung, abgerufen am 30. Oktober 2013 (spanisch)
  4. Gretchen Bolton: Immigration Emergencies: Learning from the Past, Planning for the Future. (PDF; 202 kB), S. 9, U.S. Commission on Immigration Reform, Februar 1994, abgerufen am 30. Oktober 2013 (englisch)
  5. Gretchen Bolton: Immigration Emergencies: Learning from the Past, Planning for the Future. (PDF; 202 kB), S. 13, U.S. Commission on Immigration Reform, Februar 1994, abgerufen am 30. Oktober 2013 (englisch)
  6. Gay Nemeti: Mariel Chronology. In: Miami Herald, abgerufen über LatinAmericanStudies.org am 30. Oktober 2013 (englisch)