Marienkirche (Krakau)

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Die Marienkirche 2009

Die Marienkirche in Krakau, Polen, ist eine römisch-katholische Basilika und gehört aufgrund ihrer Geschichte, ihrer Architektur und ihrer Kunstschätze zu den Wahrzeichen der Stadt Krakau.

Chorraum mit Hochaltar

Geschichte[Bearbeiten]

An Stelle eines romanischen Kirchengebäudes aus den Jahren 1221–1222 wurde am Ende des 13. bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts, als klassisches Beispiel polnischer gotischer Architektur, die Kirche der heiligen Magd Maria an der nordöstlichen Ecke des Marktplatzes errichtet.

Aufgrund der wachsenden deutschen Gemeinde im Mittelalter wurden mit der Zeit die Predigten in polnischer Sprache aus der Marienkirche in die benachbarte St. Barbarakirche verdrängt. Auf der Wintersitzung 1536/37 des polnischen Parlaments (Sejm) in Krakau gebot König Sigismund I. die Predigten in polnischer Sprache erneut in die Marienkirche zu verlegen. Die deutschen Predigten sollten dagegen in der Barbarakirche abgehalten werden. Dies war einerseits ein Zeugnis für das Erwachen des nationalen Selbstbewusstseins und der Ausprägung eines Nationalstolzes, andererseits aber auch die Folge der Polonisierung des deutschen Bürgertums.

Türme[Bearbeiten]

Pranger am Seiteneingang

Die Marienkirche besitzt zwei Türme. Einen nördlicheren und höheren (81 m) mit spitzem Dach (mit Uhrglocke) und den etwas niedrigeren (69 m) südlichen. Er birgt neben einer weiteren Uhrglocke das vierstimmige, mittelalterliche Geläut. Einer Sage nach sollen die Türme von zwei Brüdern in Konkurrenz erbaut worden sein. Während der ältere Bruder seinen Turm bereits fertiggestellt hatte, war sein jüngerer Bruder noch mit dem Bau beschäftigt. Aus Angst, sein Bruder könne einen höheren Turm bauen, erstach er ihn. Das Tatwerkzeug (Messer) ist bis heute an der Tuchhalle zu sehen.

Im Nordturm befindet sich auf etwa 54 m die Bläserstube. Seit dem 14. Jahrhundert läutet ein Feuerwehrmann zu jeder vollen Stunde die Stundenglocke von Hand und spielt das Krakauer Trompetensignal „Hejnał“ in alle vier Himmelsrichtungen.

"Hejnał" anhören

Es bricht mitten im Spiel ab und soll damit an den Mongolenangriff (damals „Tartaren“ genannt) 1241 erinnern, bei dem der damalige Trompeter während des Blasens des Alarmsignals von einem Tartarenpfeil getötet worden sei – so die Legende.

Seit 1927 wird das Mittagssignal live vom Sender Radio Kraków übertragen, es ist die älteste ständige Musiksendung der Welt.

Fassaden[Bearbeiten]

An der Fassade befinden sich mehrere Gedenk- und Grabsteine. Darunter eine Anerkennung für den polnischen Papst Johannes Paul II.

Kunstschätze[Bearbeiten]

Als bedeutendstes Kunstwerk gilt der Krakauer Hochaltar von Veit Stoß. Er ist der größte Altar Europas dieser Art und entstand in den Jahren 1477–1489, gestiftet von der Bürgerschaft Krakaus. Der Marienaltar besitzt die Abmessungen 11 m × 13 m, die Höhe der realistisch wiedergegeben Figuren beträgt ca. 2,7 m. Er wurde aus Eichen- (Konstruktion) und Lindenholz (Figuren) geschnitzt und erzählt bei geöffneten Türen die Geheimnisse der Freude Mariens von der Verkündigung bis zur Himmelfahrt. Bei geschlossenen Türen sind dagegen die zwölf Szenen der Leiden Marias zu sehen.

Ausstattung[Bearbeiten]

Blick auf die Orgel

Die große Orgel hat 56 Register auf drei Manualen und Pedal.[1]

I Rückpositiv C–g3
1. Flet kryty 8'
2. Quintadena 8'
3. Prinzipal 4'
4. Flet otwarty 4'
5. Flet leśny 2'
6. Quinte 11/3'
7. Oktave 1'
8. Sesquialtera II
9. Mixtura acuta IV
10. Clarinette 8'
11. Vox humana 8'
Tremolo
Stella I
Stella II
II Hauptwerk C–g3
12. Quintadena 16'
13. Prinzipal 8'
14. Flauto major 8'
15. Viola da Gamba 8'
16. Oktave 4'
17. Flauto minor 4'
18. Quinta 22/3'
19. Superoktave 2'
20. Terz 13/5'
21. Mixtur VI
22. Cornett V 8'
23. Trompete 16'
24. Trompete 8'
25. HD Prinzipal 8'
26. Stentorgambe 8'
27. Tuba mirabilis 8'
Campane
III Schwellwerk C–g3
28. Bourdon 16'
29. Prinzipal 8'
30. Flauto harmonico 8'
31. Flet rurkowy 8'
32. Viola 8'
33. Vox coelestis 8'
34. Oktave 4'
35. Flauto traverso 4'
36. Nasard 22/3'
37. Flautino 2'
38. Terz 13/5'
39. Plein jeu V
40. Cymbel III
41. Fagot 16'
42. Oboe 8'
43. Clairon 4'
Tremolo
Campanelli
Pedal C–f1
44. Subcontrabass 32'
45. Majorbass 16'
46. Subbass 16'
47. Quinte 102/3'
48. Oktave 8'
49. Bassflöte 8'
40. Tenoroktave 4'
51. Piffaro II
52. Mixtura V
53. Bombarde 32'
54. Basson 16'
55. Fagott 8'
56. Schalmei 4'
  • Koppeln: I/II, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P

Quellen[Bearbeiten]

  •  Marek Walczak, Krzysztof Czyzewski, Marina Dmitrieva, Karen Lambrecht (Hrsg.): Krakau, Prag und Wien: Funktionen von Metropolen im frühmodernen Staat. Franz Steiner Verlag, Stuttgart, ISBN 9783515077927, Gesellschaftliche Pluralität und Interaktion: Die Krakauer Kathedrale und die Marienkirche in ihrer Funktion für Hof und Stadt, S. 112–116.
  • Krakau Reiseführer durch eine außergewöhnliche Stadt, Zielona Sowa, ISBN 978-83-7435-434-9 (9788374354349)
  • Merian Reiseführer Krakau, Travel House Media, 2008, ISBN 978-3-8342-0338-0
  • DK Eyewitness Travel Guides: Cracow, Penguin Books Ltd 2007, ISBN 978-1-4053-1937-9

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausführliche Informationen zur Geschichte und Disposition der Orgel (polnisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marienkirche (Krakau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.06158819.939102Koordinaten: 50° 3′ 41,7″ N, 19° 56′ 20,8″ O