Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung

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Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung
Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung
MPI für Gesellschaftsforschung
Kategorie: Forschungseinrichtung
Träger: Max-Planck-Gesellschaft
Rechtsform des Trägers: Eingetragener Verein
Sitz des Trägers: München
Standort der Einrichtung: Köln
Art der Forschung: Grundlagenforschung
Fächer: Sozialwissenschaften
Grundfinanzierung: Bund (50 %), Länder (50 %)
Leitung: Jens Beckert
Wolfgang Streeck
Mitarbeiter: ca. 50
Homepage: www.mpifg.de

Das Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung ist eine Forschungseinrichtung der Sozialwissenschaften in Köln. Es betreibt anwendungsoffene Grundlagenforschung mit dem Ziel einer empirisch fundierten Theorie der sozialen und politischen Grundlagen moderner Wirtschaftsordnungen. Im Mittelpunkt steht die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen ökonomischem, sozialem und politischem Handeln. Mit einem vornehmlich institutionellen Ansatz wird erforscht, wie Märkte und Wirtschaftsorganisationen in historisch-institutionelle, politische und kulturelle Zusammenhänge eingebettet sind, wie sie entstehen und wie sich ihre gesellschaftlichen Kontexte verändern. Das Institut will eine Brücke zwischen Theorie und Politik schlagen.

Forschung[Bearbeiten]

Das Forschungsprogramm wird von den Direktoren Jens Beckert und Wolfgang Streeck bestimmt. Die Direktoren sind innerhalb eines von der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) festgelegten Rahmens bei der Auswahl und Verwirklichung ihrer Forschungsvorhaben frei und unabhängig. Zwischen vierzig und fünfzig am MPIfG beschäftigte wissenschaftliche Mitarbeiter, Doktoranden, Stipendiaten, Gastwissenschaftler und Projektmitarbeiter sind in oft international zusammengesetzten Forscherteams tätig. Sie sind in die Forschungsplanung einbezogen und entwickeln in deren Rahmen eigene Projekte. Das MPIfG betreibt keine Auftragsforschung.

Das MPIfG kooperiert mit mehreren anderen vergleichbaren Einrichtungen, vor allem mit

  • dem Robert Schuman Centre for Advanced Studies am European University Institute in Florenz;
  • dem Center for European Studies und dem Department of Sociology an der Harvard University;
  • dem Institute for Policy Research und dem Department of Sociology an der Northwestern University in Evanston;
  • der Fondation Nationale des Sciences Politiques (Sciences Po) in Paris und den ihr angeschlossenen Instituten, unter anderen dem Centre d’Etudes Européennes (CEE) und dem Centre de Sociologie des Organisations (CSO);
  • dem CEPREMAP (Centre pour la recherche économique et ses applications) in Paris;
  • dem Amsterdam Institute for Advanced Labour Studies (AIAS).

Ein Fachbeirat begutachtet alle zwei Jahre die Forschung des Instituts. Ein Kuratorium mit Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Medien soll die Einbettung in regionale Bezüge verbessern.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Das Institut gibt vier Publikationsreihen heraus:

  • MPIfG Bücher sind Monographien, die sich an ein breites Fachpublikum wenden.[1]
  • MPIfG Discussion Papers sind Aufsätze aus laufenden Projekten oder von Gastwissenschaftlern, die in der Regel später in Fachzeitschriften veröffentlicht werden.[2]
  • MPIfG Working Papers enthalten vorläufige Forschungsergebnisse und Diskussionsbeiträge, die nur online veröffentlicht werden.[3] Die Reihe wurde zum Jahreswechsel 2012 eingestellt. Arbeitspapiere aus dem MPIfG erscheinen seitdem ausschließlich in der Reihe MPIfG Discussion Papers.
  • Forschungsberichte aus dem MPIfG informieren über abgeschlossene Institutsprojekte.[4]

Zahlen und Daten[Bearbeiten]

Das MPIfG wurde 1985 unter der Leitung der Soziologin Renate Mayntz gegründet. 1986 wurde Fritz W. Scharpf, der von 1973 bis 1984 Direktor am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung war, als zweiter Direktor an das MPIfG berufen. 1995 wird Wolfgang Streeck in das Direktorium berufen, nachdem er unter Scharpf von 1976 bis 1988 zuerst am "International Institute of Management" und später im Forschungsschwerpunkt Arbeitsmarktpolitik tätig war. Das MPIfG gehört zu den kleineren der etwa 80 Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft, die vor allem in den Natur-, aber auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften Grundlagenforschung betreibt. Der Jahresetat des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung liegt derzeit bei 4,3 Millionen Euro (2012).

Das Institut hat 31 Planstellen für wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Beschäftigte sowie Fördermittel für etwa 20 Doktoranden und Postdoktoranden. Weitere Stellen werden über Sonderprogramme des Bundes, der EU und anderer Projektträger und durch Projektmittel finanziert.

Das Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung hat eine eigene Bibliothek mit etwa 250.000 Titeln (Monographie- und Aufsatzliteratur) und 200 Fachzeitschriften. Elektronische Recherchemöglichkeiten in den Beständen der Institutsbibliothek und in externen Literaturdatenbanken ergänzen das Angebot.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ariane Leendertz: Die pragmatische Wende. Die Max-Planck-Gesellschaft und die Sozialwissenschaften 1975–1985. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2010. ISBN 978-3-525-36788-9. Zusammenfassung (PDF; 82 kB)
  • Jens Beckert, Wolfgang Streeck: Die deutschen Sozialwissenschaften und die Gründung des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung. Ariane Leendertz, Reimar Lüst und Franz-Xaver Kaufmann über die Signaturen einer Umbruchzeit. MPIfG Working Paper 10/1. Köln: Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, 2010. Download (PDF; 905 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. MPIfG Bücher
  2. MPIfG Discussion Papers
  3. MPIfG Working Papers
  4. Forschungsberichte aus dem MPIfG

50.9266816.954174Koordinaten: 50° 55′ 36″ N, 6° 57′ 15″ O