Midland Railway

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Wappen der Midland Railway am Bahnhof von Derby

Die Midland Railway (MidR) war eine britische Eisenbahngesellschaft, die von 1844 bis 1922 existierte. Sie entstand aus der Fusion dreier Gesellschaften. Die Hauptstrecke der Midland Railway, die Midland Main Line, verband London mit den East Midlands und mit Leeds. Bevor die Midland Railway 1923 in der London, Midland and Scottish Railway aufging, war sie die einzige Bahngesellschaft, die in allen vier Landesteilen (England, Schottland, Wales und Irland) Strecken besaß. Die Länge des Streckennetzes betrug im letzten Betriebsjahr 3493 km.

Geschichte[Bearbeiten]

Gegründet wurde die Midland Railway am 10. Mai 1844, als die Midland Counties Railway, die North Midland Railway und die Birmingham and Derby Junction Railway fusionierten. Die neue Gesellschaft expandierte rasch, indem sie entweder neue Strecken baute oder andere Gesellschaften übernahm. Nur ein Jahr nach ihrer Gründung übernahm die MidR die Leicester and Swannington Railway und die Sheffield and Rotherham Railway. Ebenfalls 1846 kaufte sie die Bristol and Gloucester Railway und kam somit der Great Western Railway (GWR) zuvor, die ihr Breitspurnetz in die Midlands expandieren wollte. Als Kompromiss wurden 1854 auf dieser Strecke Dreischienengleise verlegt, auf denen Züge beider Spurweiten verkehren konnten (Normalspur 1435 mm der MidR, Breitspur 2140 mm der GWR).

Zu Beginn besaß die MidR keine eigene Strecke in die Hauptstadt. Die Züge verkehrten deshalb zwischen Rugby und London Euston auf der Strecke der London and North Western Railway (LNWR). Das Parlament hatte zwar schon 1847 den Bau einer Strecke von Hitchin nach London King’s Cross genehmigt (Gemeinschaftsprojekt mit der Great Northern Railway), doch konnte diese erst 1857 eröffnet werden. Da die Zufahrtsstrecken überlastet waren und die MidR in Auseinandersetzungen mit den Partnergesellschaften verwickelt war, plante sie eine eigene Zufahrtsstrecke nach London. Die Midland Main Line wurde 1868 eröffnet, zusammen mit dem neuen Hauptbahnhof London St Pancras. 1870 kam noch eine Abkürzungsstrecke zwischen Leicester und Chesterfield hinzu.

Die LNWR wollte in den 1860er Jahren der MidR die Mitbenutzung ihrer Gleise verwehren. Um dennoch einen Zugang nach Schottland zu ermöglichen, baute die MidR die Settle–Carlisle Line. Die Eröffnung der landschaftlich reizvollen Hauptstrecke durch die Yorkshire Dales und die nördlichen Pennines erfolgte 1876. Noch vor Baubeginn konnte mit der LNWR eine Einigung erzielt werden und die MidR wollte das Projekt aufgeben. Doch das Parlament beharrte auf den Bau der Strecke und verweigerte die Rücknahme der erteilten Konzession.

Auch im 20. Jahrhundert expandierte die MidR durch Übernahmen. So erwarb sie 1903 die Belfast and Northern Counties Railway in Nordirland und 1912 die London, Tilbury and Southend Railway. Die MidR verfügte über Betriebsrechte auf fremden Strecken und baute zahlreiche Strecken zusammen mit anderen Gesellschaften. Die größten Gemeinschaftsunternehmen waren die Midland and Great Northern Joint Railway (zusammen mit der GNR) und die Somerset and Dorset Joint Railway (zusammen mit der London and South Western Railway).

Mit dem Inkrafttreten des Railways Act 1921 wurde die Midland Railway am 1. Januar 1923 aufgelöst und in die neu gebildete London, Midland and Scottish Railway integriert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Peter Truman, David Hunt: Midland Railway Portrait. Platform 5 Publishing, 1989. ISBN 0906579724.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Midland Railway – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien