Mintarder Ruhrtalbrücke

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51.3802777777786.9033333333333Koordinaten: 51° 22′ 49″ N, 6° 54′ 12″ O

f1

A52 Mintarder Ruhrtalbrücke
 Mintarder Ruhrtalbrücke
Brückenansicht aus der Luft
Offizieller Name Ruhrtalbrücke Mintard
Nutzung Bundesautobahn 52
Unterführt

Ruhr

Ort Mülheim an der Ruhr
Konstruktion Balkenbrücke mit Hohlkasten und orthotroper Platte
Gesamtlänge 1830 m
Breite 27,5 m
Längste Stützweite 126 m
Konstruktionshöhe 4,5 m
Höhe 65 m
Fahrzeuge pro Tag ca. 80.000
Baukosten 48.600.000 DM
Baubeginn 15. März 1963
Fertigstellung 1966

Die Ruhrtalbrücke (auch Mintarder Brücke genannt) im Mülheimer Süden an der Grenze zu Essen ist in Deutschland mit 1.830 Metern die längste Straßenbrücke aus Stahl. Das Bauwerk verläuft als Teil der Bundesautobahn 52 in Ost-West-Richtung.

Technik[Bearbeiten]

In einem weiten Bogen überspannt die Brücke das Ruhrtal und verbindet über die A 52 die Städte Düsseldorf und Essen. Vormals handelte es sich bei diesem Streckenabschnitt um die autobahnähnliche Bundesstraße 288. Die Brücke zählt auch heute noch zu den wichtigsten Brückenbauprojekten Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Planung für dieses damals einzigartige Projekt begann 1960. Mit dem Bau wurde 1963 begonnen. Mitte 1966 war die Brücke vollständig über das Ruhrtal gespannt.

Das Bauwerk ruht auf 18 Hohlpfeilern. Die größte Fahrbahnhöhe liegt 65 m über der Ruhr, die Brückenbreite zwischen den Geländern beläuft sich auf 27,3 m. Damit ist die gesamte Brückenfläche 49.176 Quadratmeter groß. Die Gesamtstützweite der 19-feldrigen Brücke beträgt 1.800,0 m mit Stützweiten von 66,6 m – 86,4 m – 4 × 90,0 m – 4 × 108,0 m – 126,0 m – 2 × 108,0 m – 4 × 90,0 m – 86,4 m – 66,6 m. Bei einem horizontalen Krümmungsradius von 3.000 m hat das Bauwerk nur an den beiden Widerlagern Dehnfugen. Der Überbau besteht aus einem einzelligen Stahlhohlkasten, der konstant 4,5 m hoch und 7,5 m breit ist. Das Längsgefälle ist 0,4 Prozent in Richtung Düsseldorf, das Quergefälle 1,5 Prozent. Die Baukosten betrugen umgerechnet rund zwanzig Millionen Euro.

Instandsetzung nach vierzig Jahren[Bearbeiten]

Nach knapp vierzigjährigem Bestehen der Brücke ist die Verkehrsbelastung so groß geworden, dass die Stahlkonstruktion entsprechend verstärkt werden musste, was ab 2001 zusammen mit einer kompletten Instandsetzung geschah und Ende 2005 abgeschlossen wurde. Dabei wurde erst an Pfeilern und Widerlagern der Beton erneuert. Laut heutiger Norm müssen vorgeschriebene Prüfungen des Pfeilerinnenraums und eventuelle Reparaturen vorgenommen werden, wozu Treppen in die Pfeiler eingebaut wurden. Dann wurde der Brückenüberbau mit Querstreben im Brückenhohlkasten für künftige Verkehrsaufkommen verstärkt. Des Weiteren wurde der Korrosionsschutz erneuert. Schließlich wurde der Fahrbahnbelag mit Gussasphalt neu gedeckt, welcher etwa zwanzig Jahre dem steigenden Verkehr standhalten soll. Heute fahren etwa 80.000 Fahrzeuge pro Tag über die Brücke. Die gesamte Sanierung kostete rund 14 Millionen Euro.

Im Sommer 2013 wurde die Brücke für eine Sanierung der eisernen Übergänge für drei Monate gesperrt, was zu erheblichen Verkehrsstörungen führte.[1] Vom 1. Juli bis zum 30. September war die Fahrt Richtung Essen für den Verkehr gesperrt – ab 1. Oktober wurde die Fahrbahn plangemäß wieder für den Verkehr freigegeben.

Ansichten[Bearbeiten]

Schicksale[Bearbeiten]

Kurz vor der Fertigstellung verlor ein Arbeiter sein Leben bei stürmischem und regnerischem Wetter während der nächtlichen Kontrolle von Schalungen am Widerlager auf Essener Seite, in die Beton gegossen worden war bzw. bei der Kontrolle von deren Stützen. Die Stützen rutschten in dem aufgeweichten Boden fort; infolgedessen begrub der Baustoff den Arbeiter, der darin erstickte. Seine Bergung erfolgte am nächsten Morgen.

1994 wurde die Tochter des Hausmeisters eines Großindustriellen von zwei Brüdern entführt und in dem Hohlkasten unter der Fahrbahn für elf Tage gefangen gehalten und von einem der beiden vergewaltigt. Es gab Erpressungsversuche.[2] Das zwölfjährige Opfer wurde aufgrund der Beobachtung einer Anwohnerin der nahe gelegenen Straße Heidendoren bzw. bei Wartungsarbeiten zufällig entdeckt und konnte befreit werden.[2] Die beiden Täter wurden kurz darauf festgenommen und verurteilt.[3][4][2]

Im Juli 2003 wurden bei Instandsetzungsarbeiten an der Brücke ein Arbeiter getötet und ein anderer schwer verletzt, als eine zwanzig Meter hohe Arbeitsbühne an einem der Pfeiler abbrach.

Traurige Berühmtheit erlangte die Brücke bald nach ihrer Fertigstellung wegen häufiger Suizide. Nachdem seit der Fertigstellung im Durchschnitt etwa vier Fälle pro Jahr zu verzeichnen waren, wurden in den 1980er Jahren die Brückengeländer durch einen mehrere Meter hohen Zaun ersetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christoph Schmitz: Die Ruhrbrücken. Von der Quelle bis zur Mündung zwischen Einst und Jetzt. Ardey-Verlag, 2004, ISBN 3-87023-311-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mintarder Ruhrtalbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. a b c  Mark Benecke: Mordmethoden. 9. Auflage. Bastei Lübbe Taschenbücher und Gustav Lübbe Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-404-60545-3, S. 95ff..
  3. Aus dem Archiv des FOCUS, siehe bei: KARSTEN, 21, UND DANIEL, 26; abgerufen am 29. März 2013
  4. Elbe-Jeetzel-Zeitung; abgerufen am 29. März 2013