Fuge (Bauwesen)

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Bauwerksfuge in der mittelalterlichen Ruine der Burg Belfort

Eine Fuge ist im Bauwesen ein gewollter oder toleranzbedingter Spalt oder Zwischenraum zwischen zwei Bauteilen oder Materialien. Je nach Lage der Fuge kann sie neben ihrem bautechnischem Zweck auch der Gestaltung dienen. Als Fugenbild bezeichnet man Anordnung und Aussehen der Fugen auf einer bestimmten Oberfläche, wie Mauerwerk oder Fliesenböden. Das Fugenbild wird beeinflusst von der Form der verwendeten Steine bzw. Fliesen, dem verwendeten Fugenmaterial, der Fugenfarbe und der Ausführung der Fuge. Fugenschnitt bezeichnet ornamentale Fugen zur Gestaltung eines Bauwerks.

Um das Eindringen von Wasser zu verhindern, werden Fugen verschlossen mit Dichtstoffen wie Silikon oder mit Fugendichtungen (wie etwa Fugenbänder, Fugenbleche oder Quellbänder) .

Arten[Bearbeiten]

Anschlussfuge[Bearbeiten]

Anschlussfugen entstehen zwangsläufig, wenn zwei unterschiedliche Bauteile aneinandertreffen, und der gebildete Spalt geschlossen werden soll. Die bekanntesten Anschlussfugen findet man im Sanitärbereich, z. B. als Anschluss zwischen Duschwanne (auch Duschtasse), Badewanne oder Waschbecken zur Wand oder zum Fußboden. In den meisten Anschlussfugen kommen nur geringe Relativbewegungen vor, sodass auch Dichtstoffe mit geringerer Elastizität verwendet werden können.

Arbeitsfuge[Bearbeiten]

Arbeitsfugen sind arbeitsbedingte Trennflächen zwischen Bauwerken oder Bauteilen. Sie entstehen beispielsweise im Betonbau beim Betonieren in mehreren, zeitlich aufeinanderfolgenden Abschnitten. Das Betonieren in mehreren Abschnitten ist aufgrund des Bauablaufs oft unvermeidlich. Ziel ist es, einen möglichst guten Verbund zwischen den angrenzenden Betonierabschnitten herzustellen. Da in Arbeitsfugen die Bewehrung durchläuft, ist die traditionelle Abschalung mit Holz aufwändig. Heute wird hierzu meist Streckmetall verwendet. Im Hochbau kann der Schalaufwand an Betonierabschnitten durch Einsatz von Bewehrung als Rückbiegeanschluss stark reduziert werden. Bei Ingenieurbauwerken (z. B. dem Brückenbau) werden wegen der größeren Lasten Schraubanschlüsse verwendet, mit denen der Bewehrungsstahl über Arbeitsfugen hinweg verbunden wird. Eine dichte Arbeitsfuge ist besonders bei Konstruktionen wie der Weißen Wanne wichtig. Zur Abdichtung von Arbeitsfugen gegen Grundwasser werden Verpress- oder Quellfugendichtbänder verwendet. Beim Einsatz von Fertigkellern in Betonbauweise (Massivwand- oder beim sog. Doppelwand-Keller aus Beton-Fertigteilen) hat sich der Einsatz von außenliegenden, streifenförmigen Flächenabdichtungen aus Kunststoff bewährt, die mit dem Untergrund druckwasserdicht verklebt werden (s. auch Hohlkehlen)

Bauwerksfuge[Bearbeiten]

Eine Bauwerksfuge oder auch Bautrennfuge ist eine Fuge, die dadurch entsteht, dass Bauwerke, Gebäudeflügel oder spätere Bauabschnitte ohne Abstand direkt neben dem benachbarten Bauwerk errichtet werden. Sie läuft durchgängig zwischen den beiden benachbarten Bauwerken, aber nicht immer durch die Fundamente. Bei modernen Gebäuden (zum Beispiel Reihenhäusern) dient sie zur Aufnahme eventuell auftretender Setzungen, verhindert die Schallübertragung und wird verfüllt.

Bewegungsfuge[Bearbeiten]

Die Bewegungsfuge einer Brücke im Winter

Eine Bewegungsfuge, Dehnfuge oder Dilatationsfuge ist eine Fuge zur Unterbrechung von Bauteilen, um Spannungsrissen vorzubeugen. Diese Risse entstehen durch unterschiedliche Ausdehnungseigenschaften der verwendeten Werkstoffe (Wärmedehnung, Dehnung durch Feuchtigkeitaufnahme) oder lastbedingte Längenänderungen (sog. Kriechen). Zur Entstehung möglicher Spannungsrisse siehe auch Dilatation. Durch die Fuge werden die hieraus entstehenden Kräfte ("Zwängungen") vermieden, die zu Schäden an Bauteilen führen können.

Einsatzbereiche

Krampfaderfuge[Bearbeiten]

Feldsteinbauten mit kräftigen, dachartig vorstehenden Fugen bezeichnen Fachleute recht treffend als Krampfaderfugen.

Mauerwerkfuge[Bearbeiten]

Stoßfugen (vertikal) und Lagerfugen (horizontal)

Im Mauerwerksbau wird zwischen Stoßfugen und Lagerfugen unterschieden: die Stoßfugen (vertikal) befinden sich zwischen den einzelnen Steinen innerhalb einer Steinschicht; auf den Lagerfugen (horizontal) liegen jeweils die Steinschichten auf.

Raumfuge[Bearbeiten]

Raumfugen werden verwendet bei Betondecken im Straßenbau. Raumfugen trennen die Betonplatten in ihrer ganzen Dicke. Ein breiter, vorgebildeter Fugenspalt ermöglicht eine Ausdehnung der Platten und verhindert das unkontrollierte Entstehen von Spannungsrissen.

Schattenfuge[Bearbeiten]

Eine Schattenfuge ist eine Fuge zwischen Bauteilen unterschiedlicher Funktion, zum Beispiel zwischen einer Seitenwand und einer abgehängten Holz-Unterdecke. Bei der Konstruktion von Bilderrahmen dient die Schattenfuge der räumlichen Trennung zwischen Bild und Rahmen.

Sollrissfuge[Bearbeiten]

Sollrissfugen werden geziel angelegt, damit im Stahlbeton unvermeidbare Risse nicht zufällig sondern dort entstehen, wo man sie auch am besten kontrollieren kann, die Betonrisse dürfen nicht mehr als 0,2 mm breit werden. Mit eingebauten Dichtungsmaterial in der Fuge, werden diese Sollbruchstellen auch in gerissenen zustand dicht gehalten, was besonders bei der Weißen Wanne wichtig ist.[1]

Lichtfuge[Bearbeiten]

Eine Lichtfuge ist ein Spalt zwischen zwei Bauteilen, der als Lichtstreifen gestalterisch in Erscheinung tritt.

Scheinfuge[Bearbeiten]

Scheinfugen kommen bei Estricharbeiten im häuslichen Bereich zur Anwendung, sowie bei Betonstraßen im Straßenbau. Ziel ist es, eine Querschnittsschwächung eines Bauteils herbeizuführen. Beim Schwinden im Erhärtungsprozess (Abbinden), durch Witterungseinflüsse oder Abnutzung, entsteht so an dieser Stelle kontrolliert ein Riss (Sollbruchstelle). Scheinfugen durchtrennen das Bauteil nicht vollständig, sondern sind an der Oberfläche angebrachte Kerben. Die Scheinfugen werden ein bis zwei Tage nach dem Einbringen des Betons oder Estrichs an den gewünschten Stellen eingeschnitten, gekerbt oder es werden schon während des Betonierens Einlagen an den gewünschten Stellen eingebracht.

Scheinfugen werden auch als architektonisches Gestaltungsmerkmal eingesetzt. Dabei werden meist Trapez- oder Dreikantleisten in die Schalung eingelegt.

Schwindfuge[Bearbeiten]

Als Schwindfuge bezeichnet man eine breite Fuge, die beim Betonieren zwischen Betonbauteilen offen gelassen wird. Erst nachdem der Schwindvorgang weitgehend abgeschlossen ist, wird die Fuge verfüllt. Da diese Vorgehensweise den Bauablauf erheblich behindert, kommt sie nur noch selten zur Ausführung.

Pressfuge[Bearbeiten]

Pressfugen werden bei Betondecken im Straßenbau verwendet. Sie durchtrennen die Betonplatten in ihrer ganzen Dicke. Zwischen den einzelnen Platten ist jedoch kein Fugenspalt ausgebildet, so dass sich die Platten nicht ausdehnen können.

Wartungsfuge[Bearbeiten]

Die Wartungsfuge ist eine mit Dichtstoff gefüllte Fuge, die durch starke chemische, biologische und mechanische Einflüsse belastet wird. Deshalb gilt es, die Wartungsfuge regelmäßig einer Sichtprüfung bzw. einer Dichtigkeitsprüfung zu unterziehen und sie gegebenenfalls zu erneuern. Wird dies nicht getan, kann es zu Folgeschäden kommen. Die DIN 52460 (Fugen- und Glasabdichtungen, Begriffe) beinhaltet nur Definitionen und sagt nichts zur Gewährleistung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hansjörg Frey: Bautechnik - Fachkunde Bau. Europa-Lehrmittel, Haan-Gruiten 2003, ISBN 3-8085-4460-0, S. 516 und 517.
  •  Manfred Pröbster: Baudichtstoffe, erfolgreich Fugen abdichten. 2. Auflage. Vieweg+Teubner, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-8348-0952-0.
  • Eberhard Baust, W. Fuchs: Praxishandbuch Dichtstoffe, Ausgabe Deutsch, IVD, 5. Auflage, keine Jahresangabe, HS Public Relations Verlag GmbH, Düsseldorf
  • Eberhard Baust, W. Fuchs: The Sealants Manual, Ausgabe Englisch, IVD, 5. Auflage, keine Jahresangabe, HS Public Relations Verlag GmbH, Düsseldorf

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Fuge – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Alfred Becker, Harald S. Müller: Betonbauwerke im Untergrund - Infrastruktur für die Zukunft. Universitätsverlag Karlsruhe 2008, ISBN 978-3-86644-214-6 (online PDF 150 Seiten, 17 MB)