Misha Defonseca

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Misha Defonseca (* 12. Mai 1937 in Etterbeek; geboren als Monique Ernestine de Wael) ist eine belgische Schriftstellerin, die vor allem durch das 1997 erschienene autobiographische Buch Misha: A Mémoire of the Holocaust Years (auf deutsch Überleben unter Wölfen) bekannt wurde. Die Autobiographie, die auch als Vorlage für einen im Jahr 2007 produzierten Kinofilm diente, entpuppte sich später als komplette Fälschung.[1]

Wirken[Bearbeiten]

Monique de Wael arbeitete in Belgien als Sekretärin bei Bull Honeywell und lernte dort den Manager Maurice Joseph Defonseca kennen, den sie 1973 heiratete. Ab 1980 lebten die beiden in Amsterdam, dann seit 1985 in den USA. Dort verfasste Defonseca Mitte der 1990er Jahre gemeinsam mit einer Ghostwriterin ihr Buch Misha: A Mémoire of the Holocaust Years, das in einem Kleinverlag in Gloucester, Massachusetts erschien. In diesem von der Autorin als autobiographisch bezeichneten Werk wird die Geschichte eines jüdischen Mädchens erzählt, das beschützt von Wölfen quer durch das von Deutschland besetzte Europa wandert, um ihre verschleppten Eltern zu finden.

Der deutsche Publizist Henryk M. Broder hatte bereits 1996 Zweifel an Defonsecas Geschichte geäußert.[2]

Recherchen der belgischen Zeitung Le Soir stellten im Februar 2008 schließlich klar, dass die Geschichte frei erfunden wurde, ebenso die vorgebliche jüdische Abstammung der Autorin. Defonseca bestätigte schließlich die Recherchen und räumte ein, dass die Geschichte nicht den Tatsachen entspreche.

Ein US-Gericht hat die belgische Autorin der gefälschten Holocaust-Autobiografie Misha Defonseca dazu verurteilt, ihrer Verlegerin 22,5 Millionen Dollar (rund 16,3 Millionen Euro) zu zahlen. Das Gericht im Bundesstaat Massachusetts kam in einem im Mai 2014 publik gewordenen Urteil zu dem Schluss, dass die Erfinderin der Erfolgsstory „Leben mit Wölfen“ zuvor vor Gericht erstrittene Autorenrechte zurückerstatten muss.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Millionenstrafe wegen erfundenen Holocaust-Buchs, in: Die Welt am 13. Mai 2014, abgerufen am 13. Mai 2014.
  2. Henryk M. Broder: Verliebt in eine tote Kobra. Die Lebensgeschichte der Misha Defonseca, in: Der Spiegel vom 9. Dezember 1996, abgerufen am 14. Mai 2014.
  3. Holocaust-Buch "Überleben unter Wölfen"-Autorin Defonseca verurteilt, in: Der Spiegel, abgerufen am 13. Mai 2014.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]