Nasenspray

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Nasensprays sind Arzneimittel, die mittels Spray in die Nase eingebracht werden (Rhinologika). Man unterscheidet zwischen lokal wirksamen und systemisch wirksamen Nasensprays. Wenn nur von Nasenspray gesprochen wird, ist meist ein lokal wirksames abschwellendes Spray gemeint.

Lokal wirksame Nasensprays[Bearbeiten]

Abschwellende Nasensprays[Bearbeiten]

Dieser Typ enthält als Wirkstoff ein α1-Sympathomimetikum als Vasokonstriktivum, beispielsweise Tramazolin, Oxymetazolin- oder Xylometazolinhydrochlorid, und kann eine Abschwellung der Nasenschleimhaut beispielsweise bei Erkältungskrankheiten bewirken, so dass wieder durch die Nase geatmet werden kann. Zusätzlich schwillt auch die Ohrtrompete ab, wodurch ein Druckausgleich ermöglicht wird und worin der Nutzen abschwellender Nasensprays bei Mittelohrentzündungen begründet ist.[1] Die Wirkung abschwellender Nasensprays setzt innerhalb weniger Minuten ein und hält bis zu 12 h. Sie sollen maximal drei mal am Tag genommen werden und nicht länger als 5 Tage. Abschwellende Nasensprays sind in Deutschland apothekenpflichtig, sogenannte OTC-Arzneimittel.

Dexpanthenolhaltige Nasensprays[Bearbeiten]

Der Wirkstoff Dexpanthenol (auch als Pantothenol, D-Panthenol oder Panthenol bezeichnet) wirkt befeuchtend und unterstützt die Behandlung der Heilung und Regeneration von Nasenschleimhautläsionen. Der Wirkstoff weist wasserbindende Eigenschaften auf. Er ist nicht abschwellend.[2]

Salzhaltige Nasensprays[Bearbeiten]

  • physiologische (isotonische) Salzkonzentration: Dieser Typ mit physiologischer Salzkonzentration (0,9%) wird häufig als Meerwasser-Nasenspray (Medizinprodukt, seltener als Arzneimittel) angeboten und wirkt befeuchtend, reinigend und leicht spülend.
  • unphysiologisch hohe (hypertone) Salzkonzentration: Dieser Typ mit einer erhöhten Salzkonzentration wirkt physikalisch abschwellend. Meist liegt eine Kombination mit weiteren pflegenden Inhaltsstoffen vor. [3]

Lokal wirksame Nasensprays gegen allergische Rhinitis (Heuschnupfen)[Bearbeiten]

Kortikoidhaltige Nasensprays[Bearbeiten]

Dieser Typ enthält beispielsweise die Glukokortikoide Dexamethason, Triamcinolon oder Mometason. Sie kommen als Antiallergika zur Anwendung, beispielsweise gegen Heuschnupfen. Diese Arzneien sind größtenteils verschreibungspflichtig. Rezeptfreie Nasensprays mit Beclometason sind nur mit Einschränkung geeignet, wenn andere Nasensprays nicht mehr ausreichen, da bei längerer Anwendung es zu Nasenschleimhautschäden kommen kann.

Antihistaminikumhaltige Nasensprays[Bearbeiten]

Dieser Typ zur akuten Anwendung enthält meistens die Antihistaminika Levocabastin oder Azelastin. Sie finden ebenfalls als Antiallergika beispielsweise bei Heuschnupfen Verwendung. Diese Arzneien sind apothekenpflichtig.

Cromoglicinsäurehaltige Nasensprays[Bearbeiten]

Die in diesem Typ enthaltene Cromoglicinsäure soll durch Mastzellstabilisierung in der Nasenschleimhaut gegen Heuschnupfen wirken. Durch den Wirkstoff wird ein Austritt der allergievermittelnden Botenstoffe aus den Mastzellen verhindert. Der Wirkstoff entfaltet seinen Effekt, wenn er vorbeugend etwa 7- 14 Tage vor dem Pollenflug genutzt wird. [1]

Risiken von Nasensprays[Bearbeiten]

Eine Anwendung von abschwellenden Nasensprays über mehr als eine Woche kann bereits zur Schädigung der Nasenschleimhaut führen und damit zu einer Daueranwendung verleiten. Durch eine Abnahme der Dichte von α-Rezeptoren schwillt die Haut ohne Einnahme des Sprays gar nicht mehr ab, eine dauerhafte Anwendung wird nötig (Rhinitis medicamentosa, Privinismus). Im weiteren Verlauf kann es zur atrophischen Entzündung der Nasenschleimhaut kommen. (Rhinitis atrophicans).

Ein weiteres und nicht zu unterschätzendes Risiko besteht bei der Verwendung bestimmter Nasensprays in der Schwangerschaft. Manche Nasensprays enthalten den Wirkstoff Xylometazolin, der für das Abschwellen der entzündeten Nasenschleimhäute verantwortlich ist.[4] Ähnlich wie Adrenalin erhöht Xylometazolin den Blutdruck der werdenden Mutter, wodurch Blutgefäße verengt werden, damit sich die angegriffene Nasenschleimhaut regenerieren kann. Im zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft kann sich dieser Stoff auch auf andere Körperbereiche auswirken. Es kann zu einer Gefäßverengung im Uterus kommen.[5] Hierdurch wird die Durchblutung der Plazenta gestört und das Kind wird nicht ausreichend versorgt. Schwangere Frauen sollten daher auf herkömmliches Nasenspray verzichten und besser auf Koch- oder Meersalzsprays zurückgreifen, die auch in einer Schwangerschaft unbedenklich sind.

Systemisch wirksame Nasensprays[Bearbeiten]

Bestimmte Arzneistoffe können auch über die Nasenschleimhaut resorbiert werden.

Durch die gute Durchblutung der Nasenschleimhaut kann ein schneller Wirkungseintritt erzielt werden. Deshalb wird z. B. Fentanyl-Nasenspray zur schnellen Linderung von Schmerzspitzen eingesetzt.

Bei Arzneistoffen, die bei oraler Einnahme im Magen-Darm-Trakt zersetzt werden, kann ein Nasenspray eine Alternative zur Injektion oder Infusion sein. Calcitonin z. B. wird unverändert aus einem Calcitonin-Nasenspray ins Blut aufgenommen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Thomas Wurm: Arzneistoffkunde Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart, 2010, ISBN 978-3-7692-5004-6.
  2. Ernst Mutschler: Mutschler Arzneimittelwirkungen : Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie, Deutscher Apotheker Verlag Stuttgart, 2008, ISBN 978-3-8047-1952-1.
  3. Herstellerinformation auf bionorica.de, (abgerufen 27. Oktober 2013).
  4. babyzauber.com: Warum kann Nasenspray in der Schwangerschaft schaden?.
  5. Franz Kainer/Anette Nolden:"Das große Buch zur Schwangerschaft. Umfassender Rat für jede Woche".2. Auflage, Gräfe und Unzer Verlag: München (2009), S.80/81.
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