National Water Carrier

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National Water Carrier in der Nähe von Bet Netofa

Der National Water Carrier (hebräisch המוביל הארצי „HaMowil haArtzi“; auf deutsch gelegentlich auch „(Israelische) Landeswasserleitung“) ist ein israelisches Kanal- und Leitungssystem, mit dem weite Teile des Landes im Süden mit Trinkwasser aus dem wasserreicheren Norden Israels versorgt werden. Das Wasser wird dabei vom See Genezareth bis in die Negev-Wüste transportiert.

Der Hintergrund: Israels Wasserhaushalt[Bearbeiten]

Die Wasserversorgung Israels hat mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen.[1] Durch die zunehmende Bewässerung in der Landwirtschaft ist der Wasserverbrauch über die letzten Jahrzehnte stark gestiegen; die bewässerte Fläche hat sich - innerhalb von nur 50 Jahren - von 300.000 Dunam (30 km²) im Jahr 1938 auf über 4 Mio. Dunam (400 km²) im Jahr 1990 mehr als verzehnfacht. Die zur Verfügung stehenden Wasserreserven sind dagegen gering: Es gibt kaum Flüsse oder Seen, die ganzjährig Wasser führen und die Grundwasservorräte sind begrenzt. Dazu kommt als weiteres Problem die ungleichmäßige zeitliche und räumliche Verteilung der Niederschläge. Die Hauptregenmenge fällt im Winter, wenn ohnehin weniger Wasser gebraucht wird, da kaum Bewässerung nötig ist. Hingegen regnet es im Sommer zur Hauptbedarfszeit gar nicht. Zudem können die Niederschläge von Jahr zu Jahr erheblich schwanken. Ein weiteres Problem stellt die regionale Verteilung des Wassers dar: Etwa dreiviertel des nutzbaren Wassers befinden sich nördlich von Tel Aviv, während im Süden am Übergang zur Wüste Negev große Flächen liegen, die bei entsprechender Bewässerung landwirtschaftlich genutzt werden können.

Aufgrund dieser Situation hat Israel im Umgang mit Wasser vor allem die Ziele, Wasser zu speichern und es vom Norden in den Süden zu transportieren. Dabei besteht keine Möglichkeit, auf natürliche Wasserläufe zurückzugreifen: Die meisten israelischen Flüsse sind recht kurz, verlaufen in Ost-West-Richtung und münden in das Mittelmeer. Der einzige größere Fluss, der in Richtung Süden fließt, ist der Jordan, der allerdings nicht zuletzt aufgrund seiner Lage unter dem Meeresspiegel (und damit auch unterhalb der zu versorgenden Gebiete) schlecht als Versorgungskanal nutzbar ist.

Vor diesem Hintergrund wurden alle Wasservorräte Israels im Jahr 1959 mit dem Ziel einer besseren Nutzung verstaatlicht und es wurden verschiedene Stellen und Gesellschaften gegründet, die mit der Planung und Kontrolle der Wassernutzung und dem Ausbau der Infrastruktur befasst sind. Für den Bau und Betrieb größerer Wasserwerke ist die Gesellschaft Mekorot zuständig. Durch verschiedene Maßnahmen konnte Israel die Nutzung seines Wassers über die letzten Jahrzehnte optimieren. So konnte z.B. der Verbrauch durch Tropfbewässerung reduziert werden. Der besseren Nutzung des Wassers dienen die Anreicherung des Grundwassers durch Oberflächenwasser im Winter, die Erschließung neuer Brunnen und die Meerwasserentsalzung. Auch der Bau der Landeswasserleitung war ein zentraler Baustein im Bemühen, das vorhandene Wasser besser zu nutzen.

Seit Einrichtung des Systems hat sich die israelische Bevölkerung auf sieben Millionen Einwohner nahezu verdreifacht. In derselben Zeit ist der Wasserverbrauch um nur drei Prozent angestiegen, während die Agrarproduktion sich verneunfacht hat.

Die Landeswasserleitung[Bearbeiten]

Das ca. 6.500 km lange Versorgungssystem wurde 1964 fertiggestellt.[2] Jordanien und Syrien reagierten darauf mit der Umleitung von Quellflüssen des Jordan auf ihr Territorium, was wiederum zu diplomatischen und dann militärischen Auseinandersetzungen führte, die 1967 fast nahtlos in den Sechstagekrieg mündeten. Mit der Besetzung der Golanhöhen 1967 sicherte sich Israel die Kontrolle über den Jordan-Quellfluss Banyas sowie mit dem Libanonkrieg 1982 die Kontrolle über den Hazbani.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. zum gesamten Abschnitt über den Wasserhaushalt: Karmon, Yehuda: Israel: Eine geographische Landeskunde. Darmstadt 1994, 2. Aufl., S. 107-111
  2. Shmuel Kantor: The National Water Carrier. Universität Haifa, abgerufen am 13. Juli 2012 (englisch).
  3. Torsten Wöhlert: Erdbeeren aus der Wüste der Freitag, 21. Januar 2000