Neil Harbisson

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Neil Harbisson (* 27. Juli 1982)[1] ist ein britisch-irischer bildender Künstler und Komponist und der erste Mensch, der von einer Regierung als Cyborg anerkannt worden ist.[2][3][4][5][6][7]

Überblick[Bearbeiten]

Von Geburt an sah Harbisson die Welt in schwarz-weiß-grauen Tönen (Achromatopsie).[8] Mit 20 Jahren installierte er sich einen Eyeborg, mit dem er Farben hören kann.[9][10] Er ist Mitbegründer und Präsident der Stiftung Cyborg, einer internationalen Organisation, die Menschen hilft, Cyborgs zu werden.[11]

Biographie[Bearbeiten]

Neil Harbisson ist der Sohn eines irischen Vaters und einer katalanischen Mutter. Er wuchs in Katalonien auf, wo er Klavier und im Institut Alexander Satorres Kunst studierte.[6] Dort erlaubte man ihm aufgrund seiner Achromatopsie, seine Kunstarbeiten in schwarz-weiß zu erstellen.[12] Im Alter von 18 zog er nach Dublin.[13] Dort setzte er sein Klavierstudium an der Waltons’ School of Music fort. Im folgenden Jahr ging er ans Dartington College of Arts (England), wo er experimentelle Komposition und Klavier studierte.[14] Dort bekam er Unterricht von Frank Denyer, einem englischen Komponisten, und dem einarmigen Pianisten John Railton.[5] Während seines Studiums in England lernte er Adam Montandon kennen, einen Kybernetik-Absolventen der Universität von Plymouth.[15] Beide arbeiteten bei der Schaffung des Eyeborgs zusammen. Dieser wurde Harbisson am Kopf installiert und ermöglichte ihm erstmals in seinem Leben, Farben durch Noten wahrzunehmen.[16]

Eyeborg[Bearbeiten]

Das Eyeborg ist eine Erfindung, die Harbisson am Kopf trägt und ihm ermöglicht Farben zu erkennen.[17] Es besteht aus einem Farbsensor, der neben dem Auge angebracht ist, die fokussierte Farbe wird durch einen Sensor wahrgenommen und zu einem am Kopf installierten Chip gesendet, dort werden die Farbfrequenzen in hörbare Frequenzen umgewandelt und ermöglicht Harbisson die Farbe zu interpretieren.[18] Das erste Eyeborg ist eine Zusammenarbeit von Adam Montandon und Harbisson. Diese gemeinsame Arbeit erhielt den Preis für Innovation von Submerge in Bristol (England 2004) und den Europäischen Preis im Multimedia Interface Design EUROPRIX Top Talent Award in Wien 2004.[19]

Cyborg-Status[Bearbeiten]

Als Neil Harbisson 2004 seinen Pass erneuern wollte, wurde ihm von den britischen Behörden mitgeteilt, dass das nicht möglich wäre, da er auf seinem Passfoto mit einem elektronischen Gerät zu sehen war und dies nicht erlaubt wäre.[20] Harbissons Argument, dass das elektronische Gerät als Teil seiner selbst angesehen werden sollte wurde abgelehnt.[21] Daraufhin suchte Neil die Unterstützung seines Arztes, und Mitgliedern der Universität, wo er studiert hatte. Sie alle schicken Briefe an die zugehörige Behörde und verteidigten Neils Fall. Nach wochenlanger Korrespondenz, akzeptierte die Regierung das Eyeborg als ein Teil von Neils Körpers und ließ ihn auf dem Bild seines Reisepasses mit dem elektronischen Auge erscheinen.[22] Somit wurde Neil Harbisson zum ersten Mal von einer Regierung als Cyborg anerkannt.[23]

Cyborg-Stiftung[Bearbeiten]

Vortrag von Neil Harbisson und Moon Ribas auf der re:publica 2013: „Life with extra Senses – How to become a Cyborg“ (englisch)

Im Jahr 2010 gründeten Neil Harbisson und Moon Ribas die Cyborg Foundation, die Menschen dazu verhelfen soll Cyborgs zu werden.[24] Diese Stiftung war die Antwort auf die zahlreichen Anfragen, die aus aller Welt an Neil gesandt wurden.[25] Die Hauptziele der Stiftung sind, die Sinne und die persönlichen Kapazitäten des Körpers zu erweitern und verbessern, der Einsatz der Kybernetik an kulturellen Veranstaltungen zu fördern und für die Rechte der Cyborgs zu sorgen. Im Jahr 2010 wurde die Stiftung in Mataró (Barcelona) gegründet und mit dem Cre@tic Tecnocampus Preis ausgezeichnet.[26]

Sonochromatismus[Bearbeiten]

Sonochromatismus oder Sonochromatopsie (Sono-Latein: Sound, Chrom(at)opsie -griechisch: Farbigsehen) bildet sich zu Farbenhörig, ein Begriff, der Harbissons neuen Zustand definiert. Harbisson erklärt, dass "Farbenblindheit" seinen Status nicht mehr zutritt, weil Farbenblinde keine Farben wahrnehmen oder unterscheiden können[27], was bei ihm nicht mehr der Fall ist. Auch „Synästhesie" definiert seinen Status nicht, weil das Verhältnis zwischen Farbe und Klang bei Synästhesie auf jeder Person variiert, während die Sonochromatopsie ein zusätzliches Gefühl, das Farbe durch den Klang objektiv wiedergibt.[28]

Harbissons sonochromatische Skala[Bearbeiten]

Harbisson's Sonochromatic Scales.png

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neil Harbisson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Registre El Maresme Issue 224, Summer 1982
  2. Richard Brooks: Colour-blind artist learns to paint by hearing. In: The Sunday Times. 24. Februar 2008.
  3. Andy Miah & Emma Rich: The medicalization of cyberspace. Routledge, New York 2008, ISBN 978-0-415-37622-8, S. 130
  4. Geoff Tibballs: Ripley’s Believe it or not! 2006, ISBN 978-1-893951-12-9, S. 61
  5. a b Painting by Ear. In: Modern Painters. The International Contemporary Art Magazine. 1. Juni 2008, S. 70–73
  6. a b Bryony Gordon: Eyes opened to sound of socks. In: The Daily Telegraph. 12. Januar 2005.
  7. Cyborgs and Stem Cells. In: Research TV. 18. Januar 2005.
  8. Matthew Bannister: Outlook. In: BBC World Service. 23. Januar 2012.
  9. Greg Wade: Seeing things in a different light. In: BBC. 19. Januar 2005.
  10. Colourful artist: on a slightly different wavelength. In: The Irish Times. 5. Mai 2008.
  11. F. C. García: Nace una fundación dedicada a convertir humanos en ciborgs. In: La Vanguardia. 1. März 2011.
  12. Ciarán Brennan: When what you see is not in colour. In: The Irish Times. 5. Mai 2008.
  13. Helena Ferran: Un «cyborg» català al Regne Unit. In: El Punt. 5. Dezember 2004.
  14. Alberto Martinez Arias: Primer ciborg del mundo reconocido por un gobierno. In: Puntos de Vista (Radio Exterior de España). 23. Januar 2012.
  15. The man who hears colour. In: BBC News. 15. Februar 2012
  16. Alfredo M. Ronchi: Eculture: Cultural Content in the Digital Age. Springer, New York 2009, ISBN 978-3-540-75273-8, S. 319
  17. "Neil Harbisson. Il terzo occhio", Internazionale Number 936, 17. Februar 2012
  18. Nadotti, Cristina. "Daltonici, mondo a colori con l'aiuto di "Eye-borg"", La Repubblica, 31. Mai 2005.
  19. Alfredo M. Ronchi: Eculture: Cultural Content in the Digital Age. Springer (New York, 2009). p.319 ISBN 978-3-540-75273-8
  20. Miah, Andy / Rich, Emma. The medicalization of cyberspace, Routledge (New York, 2008). p.130 ISBN 978-0-415-37622-8
  21. Serra, Laura "No som blancs ni negres, tots som taronges" Ara, 19 Jan 2011.
  22. Neil Harbisson, Telecinco
  23. Modern Painters, The International Contemporary Art Magazine pp 70-73 (Nueva York, 1. Juni 2008)
  24. Redacción "Una fundación se dedica a convertir humanos en ciborgs" El Comercio (Peru), 1. März 2011.
  25. Rottenschlage, Andreas "The Sound of the Cyborg" The Red Bulletin, 1. März 2011.
  26. Calls, Albert "“Les noves tecnologies seran part del nostre cos i extensió del cervell”" La Tribuna, 3. Januar 2011.
  27. Cáceres, Marta. "Yo Robot", Repor Television Española, 21. Oktober 2009.
  28. Sanchis, Ima. "La veo en blanco y negro pero la oigo en colores", La Contra de La Vanguardia, 10. Juli 2010.