Nicholas Grenon

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Nicholas Grenon (* um 1380/85; † 17. Oktober 1456 in Cambrai), war frankoflämischer Komponist, Sänger, Kleriker und Musikpädagoge.

Herkunft und Leben[Bearbeiten]

Grenon ist 1399 erstmals an den Pariser Kirchen Notre Dame und Saint-Sepulchre als Kleriker und Kanoniker und Nachfolger seines verstorbenen Bruders Jean Grenon nachweisbar. An Saint-Sepulchre wurde er 1401 Subdiakon, später Diakon.

Von 1403 bis zum 25. Mai 1407 war er magister puerorum an der Kathedrale in Laon. 1408 und 1409 lehrte er für kurze Zeit an der Kathedrale in Cambrai sechs Chorknaben Grammatik und sang als petit vicair im Chor.

Im Juli 1409 übernahm er den Posten des magister puerorum an der Sainte-Chapelle in Bourges, wechselte aber vor dem 1. August 1412 auf den Posten des magister puerorum unter dem Burgunderherzog Johann ohne Furcht. Zu seinen Aufgaben gehörte es, für das Wohlergehen der Chorknaben zu sorgen und ihnen Musikunterricht zu erteilen. Nach dem Tod des Herzogs († 10. September 1419) verließ Grenon den burgundischen Dienst. Er ging nach Cambrai, wo er von 1421 bis 1424 nachweisbar ist.

Mit dem Sänger Gilles Flannel und 4 Chorknaben reiste Grenon 1425 über Bologna nach Rom und wurde magister puerorum in der Päpstlichen Kapelle. Während dieser Zeit (1424-1425) war er in absentia Kanoniker an Saint-Donatien in Brügge.

1427 kehrte Grenon nach Cambrai zurück. Für sein Auskommen war gesorgt, denn am 7. Februar 1426 war er Kanoniker an der Kathedrale Cambrai geworden. Hier traf er Guillaume Du Fay, den bedeutendsten Komponisten seiner Zeit. Nicht nur Kollegenschaft, auch Freundschaft verband die beiden. Am 19. Mai 1429 übergab Grenon dem Cambraier Kapitel z.B. Du Fay betreffende Briefe und war 1436 Du Fays Prokurator, als dieser für ein Kanonikat an der Kathedrale bestimmt wurde.

Als Kanoniker übernahm Grenon verschiedene Aufgaben. Von 1437 bis 1442 war er Vorsteher der petits vicaires. Im Finanzjahr 1439/1440 wurde er für das Verlesen von 10 parvum requiem entlohnt. Im Rechnungsjahr 1442/1443 prüfte er die Fähigkeiten eines Schreibers und kopierte verschiedene Kompositionen in die Notenbücher des Chores.

Seit 1445 war er Du Fays Nachbar in der Rue de l’Ècu d’or, gegenüber der Bäckerei. 1446 erwarb Grenon für Simon de Breton, der zu dieser Zeit in Burgund weilte, ein Haus. Im Jahr 1447 mahnte ihn das Kapitel zweimal, eine gewisse Jeanne Rousselle aus seinem Haus zu entfernen, die er als Köchin trotz ihres üblen Rufes aufgenommen hatte. Grenon gehorchte und entließ Jeanne, die aber schon bald von Simon Mellet übernommen wurde, was zu Mellets zeitweiliger Einkarzerung führte. Als Philipp der Gute 1449 in Cambrai einzog, empfing ihn Grenon in der Kathedrale und in der Kirche Saint-Gery.

Am 17. Oktober 1456 starb Grenon. Die Virgilie seiner Exequien wurden am 19. Oktober in der Kathedrale abgehalten, einen Tag später wurde er dort begraben. Sein Grab war vor dem Bildnis der Heiligen Agnes unter der Kirchenuhr eingelassen worden. Seine Bronzeplatte war im 18. Jahrhundert noch vorhanden.

Werk[Bearbeiten]

Grenon, von dessen Werk nur ein kleiner Bruchteil überliefert ist, zählt zu den herausragenden Komponisten des frühen 15. Jahrhunderts. Seine in Rom entstandenen Isorhythmische Motette gehören zu den besten Beispielen der Gattung. Die Ballade Je ne requier de ma dame hat die Bewunderung seiner Zeitgenossen gefunden.

Geistliches[Bearbeiten]

  • 1. Gloria 3- oder 4-stimmig (nur Triplum und Motettus erhalten, Tenor rekonstruiert);
  • 2. Ad honorem Sancte Trinitatis / Celorum regnum (Rom, 1424-27);
  • 3. Ave virtus virtutum / Prophetarum fulti suffragio / Infelix (Rom, 1424-27);
  • 4. Nova vobis gaudia;
  • 5. Plasmatoris humani / Verbigine mater ecclesia (Rom, 1424-27):
  • 6. Argi vices Poliphemus / Cum Philemon rebus paucis (ca. 1410-13 komponiert für Gegenpapst Johannes XXIII; einem „Nicholas“ zugeschrieben).

Weltliches[Bearbeiten]

  • 1. Je ne requier de ma dame (Ballade, vor 1418);
  • 2. Je suy defait (Rondeau);
  • 3. La plus jolie et la plus belle (Rondeau);
  • 4. Se je vous ay bien (Rondeau, in 2 Fassungen erhalten);
  • 5. La plus belle et doulce figure (Virelai).

Literatur[Bearbeiten]

  • Craig Wright. "Nicolas Grenon", The New Grove Dictionary of Music and Musicians, ed. Stanley Sadie (London: Macmillan, 1980), vii, 702.
  • idem. "Nicolas Grenon", Grove Music Online, ed. L. Macy (accessed January 22, 2005), grovemusic.com (subscription access).
  • Gustave Reese, Music in the Renaissance. New York, W.W. Norton & Co., 1954. ISBN 0-393-09530-4
  • Richard H. Hoppin, Medieval Music. New York, W.W. Norton & Co., 1978. ISBN 0-393-09090-6

Weblinks[Bearbeiten]