Notbremse

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Dieser Artikel behandelt eine technische Einrichtung in Fahrzeugen. Für das gleichnamige regelwidrige Verhalten im Fußball siehe Notbremse (Fußball).
Notbremsgriff einer Regionalbahn
Notbremse in Singapur; Strafe für Missbrauch: 5.000 S$ (rund 2.500 €)

Eine Notbremse ist eine technische Vorrichtung zur Auslösung einer sofortigen Bremsung, um Gefahr abzuwenden. So sind beispielsweise Eisenbahnen oder Aufzugsanlagen mit Notbremsen ausgestattet, die von den Fahrgästen betätigt werden können. Das Auslösen der Notbremse ohne triftigen Grund ist in aller Regel strafbar, da es bei Verkehrsmitteln durch die abrupte Abbremsung zu Gefährdungen der anderen Passagiere und anderer Verkehrsteilnehmer kommen kann und der Verkehr verzögert wird. Die meisten Notbremsen sind mit einem Verriegelungsmechanismus versehen, der die Wiederinbetriebnahme erst nach einer Entriegelung bzw. Quittierung zulässt.

Notbremse bei der Eisenbahn[Bearbeiten]

Vor der Einführung der automatischen Bremse[Bearbeiten]

Vor der Einführung der Druckluftbremse führte eine sogenannte „Rolleine“ durch den Zug, die man in jedem Waggon durch Herabziehen spannen konnte. Dadurch wurde an der Lokomotive ein Pfeifsignal an die Bremser ausgelöst. Im September 1913 meldete die Kölnische Zeitung folgende Notbremsung:

„Ein berüchtigter Einbrecher sprang auf dem Transport von Prüm nach Trier aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuge. Der Wächter zog die Rolleine. Man fand den Verbrecher schwer verletzt und bewußtlos auf dem Geleise liegend.“[1]

Notbremse bei Druckluftbremse[Bearbeiten]

Züge der Eisenbahn sind mit einer Druckluftbremse mit einer durchgängigen Druckluft-Bremsleitung ausgestattet. Ist die Bremse gelöst, herrscht in der Druckluft-Bremsleitung (Hauptluftleitung) ein Überdruck von 5 bar. Zum Einleiten einer Bremsung wird der Druck innerhalb der Hauptluftleitung abgesenkt, bei einer regulären Bremsung auf bis zu 3,5 bar. Bei Betätigung einer Notbremse hingegen wird die Hauptluftleitung über ein Notbremsventil an einer bestimmten Stelle vollständig geöffnet, so dass der Druck auf den normalen Atmosphärendruck abfällt und eine besonders schnelle Bremsung eingeleitet wird.

Betätigungsvorrichtungen zum Einleiten einer Notbremsung (sog. Notbremshebel) befinden sich in jedem Wagen eines Zuges, bei Abteilwagen in jedem Abteil eines Wagens. In Zügen, in denen elektronisch ermittelt werden kann, welche dieser Betätigungsvorrichtungen betätigt wurde, begibt sich Zugpersonal an die entsprechende Stelle und leitet weitere Maßnahmen ein. In Zügen, die nicht über derartige elektronische Anzeigen verfügen, erfolgt nach Einleitung einer Notbremsung durch einen Fahrgast vom Triebfahrzeugführer eine spezielle Durchsage an die Zugbegleiter. In diesem Fall müssen die Zugbegleiter zunächst anhand der Schaltschrank- oder Displayanzeige jedes Wagens überprüfen, in welchem Wagen die Notbremse betätigt wurde, anschließend in dem entsprechenden Wagen jede einzelne Betätigungsvorrichtung überprüfen und daraufhin weitere Maßnahmen einleiten.

Notbremse bei elektropneumatischer Bremse[Bearbeiten]

Neuere Triebwagen oder Triebzüge haben direkt wirkende elektropneumatische Bremsen mit Bremsrechnern, für die die Notbremse mit einem elektrischen Draht ausgeführt wird. Vom aktiven Führerstand aus wird eine Einspeiseschleife über alle gekuppelten Zugteile bis zur letzten unbenutzten Kupplung geführt. Die Kupplung verbindet die Einspeiseschleife mit der Auslöseschleife. Diese wird zurückgeführt zum aktiven Führerstand und dort ausgewertet. Alle Notbremsen liegen in der Auslöseschleife. Kein Signal an der Auslöseschleife bedeutet Notbremse aktiv. Der ausgelöste Notbremszug wird dem Lokführer angezeigt.

Notbremsüberbrückung[Bearbeiten]

Züge, die längere Tunnel oder Brückenbauwerke befahren, müssen im Bereich dieser Tunnel oder Brückenbauwerke die Notbremse überbrücken können, um ein Verlassen des Zuges außerhalb der Tunnel oder Brückenbauwerke zu ermöglichen. Hierfür sind diese Züge mit einer Notbremsüberbrückung versehen, mit der der Triebfahrzeugführer die Notbremse verhindern kann und der Zug den Tunnel oder das Brückenbauwerk ohne Halt verlassen kann. Für den Nothalt sind hinter den Bauwerken Haltepunkte vorbereitet, an denen es Fluchtwege und Zufahrten für Rettungskräfte gibt.

Recht[Bearbeiten]

Die deutsche Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) schreibt in § 23 Absatz 3 vor: „Fahrzeuge, in denen Personen befördert werden, müssen leicht sichtbare und erreichbare Notbremsgriffe haben, durch die eine Notbremsung eingeleitet werden kann. Die Notbremseinrichtung darf so beschaffen sein, dass eine eingeleitete Notbremsung aufgehoben werden kann. Bei Stadtschnellbahnfahrzeugen ist es zulässig, dass die Betätigung eines Notbremsgriffes außerhalb von Bahnsteigbereichen nur eine Anzeige im Führerraum auslöst.“

Die vorsätzliche und nicht erforderliche Betätigung einer Notbremse ist in Deutschland ein Vergehen gemäß § 145 StGB (Missbrauch von Notrufen und Beeinträchtigung von Unfallverhütungs- und Nothilfemitteln). Aufgrund des abrupten Stopps von Verkehrsmitteln kann ferner ein Vergehen der Körperverletzung vorliegen. Die hierbei entstehenden Kosten (Verkehrsausfall, Körperverletzungen) können dem Verursacher in Rechnung gestellt werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Wiktionary: Notbremse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Not-Aus: Sicherheitseinrichtung zur Unterbrechung der Energiezufuhr von Maschinen
  • Notbremsüberbrückung: Einrichtung, um die Wirkung der Notbremse (temporär) aufzuheben

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kölnische Zeitung vom 3. September 1913, Morgenausgabe Nr. 995, S. 2