Olaikirche

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Blick auf die Olaikirche
Kreuz
Ruine der Olaikirche 1825 in einer Zeichnung von Carl Siegmund Walter (1783-1866)

Die Olaikirche (estnisch Oleviste kirik) in Tallinn, Estland. Die älteste Erwähnung der Kirche ist datiert auf 1267. Damals überließ die dänische Königin Margarete dem Zisterzienserinnenkloster St. Michael zu Reval das Pfarrrecht an der Olaikirche. Über die frühen Jahre dieser gotischen Kirche ist nur wenig bekannt, aber es wird davon ausgegangen, dass an gleicher Stelle schon vor dem 12. Jahrhundert eine Kirche gestanden hat. Baunachrichten des 14. und 15. Jahrhunderts zeugen vom Ausbau der Kirche, 1364 wird der Turm erwähnt. 1625 legte ein Brand sie in Schutt und Asche. Der Wiederaufbau schloss 1649–1651 mit dem Turmbau ab, der unter der Leitung von Hans Kohseler aus Kulmbach aufgeführt wurde. Nach seiner Angabe erreichte der Turm eine Höhe von 444 Fuß, nach dem rheinischen Fußmaß sind dies umgerechnet 139 m. Im Zuge dieser Baumaßnahmen entstanden wohl die vier charakteristischen Ecktürmchen, die erstmals 1663 abgebildet sind. Nach einem erneuten Turmbrand 1820 erfolgte der Wiederaufbau mit Förderung des Zaren bis 1834. Der Turm erreichte nunmehr 138,68 m.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Benannt wurde die Kirche nach dem norwegischen König Olav II. Haraldsson, der heiliggesprochen wurde und als ein Beschützer der Seefahrer betrachtet wird.

Die von verschiedenen Stellen aufgestellte Behauptung, die Kirche sei zwischen 1549 und 1625 mit einem angeblich 159 Meter hohen Turm das höchste Gebäude der Welt gewesen, beruht auf einem Irrtum.[2] Tatsächlich lag die Höhe des 1549 erbauten Kirchturms nach neuen Schätzungen bei 115 bis 125 Meter, also ähnlich wie der heutige Turm. Damit war der Kirchturm immer noch hoch genug, um als Signal für die Seefahrt zu dienen. Somit war die Hansestadt Tallinn schon von weitem auf See zu erkennen. Allerdings brachte ein hoher Turm auch Risiken mit sich, mindestens acht Mal schlug ein Blitz in den Kirchturm ein und drei Mal brannte die Kirche komplett nieder. Die Flammen waren selbst auf der anderen Seite des Finnischen Meerbusens in Finnland zu sehen.

Heinrich Stiehl war von 1880 bis zu seinem Tod 1886 Organist an der Olaikirche und führte hier 1883 zum ersten Mal im Baltikum Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion auf.

Die Kirche ist heute ein Gotteshaus der Baptisten.

Ausstattung[Bearbeiten]

Blick auf die Orgel

Die Orgel wurde 1842 von der Orgelbaufirma E.F. Walcker erbaut und 1914 umgebaut und erweitert. Das Instrument hat 76 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind pneumatisch.[3]

I Hauptwerk C–gf
Principal 16'
Bourdon 16'
Principal 8'
Gedackt 8'
Floete 8'
Rohrflöte 8'
Flute harmonique 8'
Gemshorn 8'
Gamba 8'
Dulciana 8'
Quinte 51/3'
Oktave 4'
Fugara 4'
Gemshorn 4'
Terz 31/5'
Nasard 22/3'
Oktave 2'
Mixtur V
Cornett I-V
Tuba 16'
Trompete 8'
Clairon 4'
II Oberwerk C–g3
Bourdon 16'
Geigenprincipal 8'
Gedackt 8'
Fugara 8'
Flute harmonique 8'
Salicional 8'
Dolce 8'
Quintflöte 51/3'
Octave 4'
Violine 4'
Traversflöte 4'
Quinte 22/3'
Octave 2'
Cornett-Mixtur III-V
Scharff III
Klarinette 8'
Horn 8'
III Schwellwerk C–g3
Gedackt 16'
Gamba 16'
Principal 8'
Konzertflöte 8'
Gedackt 8'
Hohlpfeife 8'
Quintatoen 8'
Viola 8'
Voix celeste 8'
Aeoline 8'
Spitzflöte 4'
Flute d'amour 4'
Dolce 4'
Waldflöte 2'
Harmonia aetheria III
Trompette harm. 8'
Oboe 8'
Pedal C–f1
Principalbass 32'
Untersatz 32'
Oktavbass 16'
Subbass 16'
Gedecktbass (aus III) 16'
Gambenbass (aus III) 16'
Violon 16'
Quintbass 102/3'
Oktavbass 8'
Floetenbass 8'
Cello 8'
Dulciana 8'
Quinte 51/3'
Principalbass 4'
Flautobass 4'
Waldflöte 2'
Serpent 16'
Posaune 16'
Trompete 8'
Clairon 4'
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P,
    • Superoktavkoppeln: II/I, II/II, III/I, III/II, III/III, II/P, III/P
    • Suboktavkoppeln: II/I, II/II, III/I, III/II, III/III, III/P

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eugen von Nottbeck, Wilhelm Neumann: Geschichte und Kunstdenkmäler der Stadt Reval. Reval 1896, S. 101-108. Andere Quellen nennen 123,7 m als Turmhöhe. Heinrich W. J. Rickers: Etwas über die St. Olai-Kirche in Reval, die durch einen Blitzstrahl in der Nacht vom 15. zum 16. July 1820 zerstört wurde. Reval 1820 (Online bei books.google), S. 16, berichtet zum Brand von 1625, "vor dem Brande war der Thurm 84 Faden hoch, ...nun wurde er 10 Faden kürzer, also nur 74 Faden hoch." S. 43 reiht er den Olaiturm in die Liste der höchsten Gebäude der Welt ein: "Der Olaithurm hat immer in dem Rufe gestanden, daß er einer der höchsten Türme wäre", er sei als dritt- oder fünfthöchster Turm der Christenheit verzeichnet worden. Richter (S. 43-44) postuliert, die überlieferte Angabe von 74 "Faden" Höhe für den Turm von 1651 meine tatsächlich 74 "Klafter" zu 6 rheinischen Fuß (31,385 cm, seit 1793 auch als preußischer Fuß verbreitet) und kommt so auf 444 Fuß Höhe (= 139 m). Die historische Überlieferung, die Turmhöhe habe vor dem Brand von 1625 84 Faden betragen, brächte nach dieser Berechnung die Höhe auf 504 Fuß, was umgerechnet 158 m gewesen wären und den Olaikirchenturm vor 1625 zum höchsten Gebäude der Welt gemacht hätten. Abgesehen von der Frage nach der Glaubwürdigkeit der überlieferten Maßzahlen ist auch die Umwandlung der Faden in rheinische Klafter nicht stichhaltig.
  2. Wikipedia auf Englisch mit Verweis auf: Ants Hein: Oleviste pole kunagi olnud maailma kõrgeim ehitis ("Die Olaikirche war nie das höchste Gebäude der Welt"). In: Imeline Ajalugu. 2012.
  3. Informationen zur Domorgel

Literatur[Bearbeiten]

Eugen von Nottbeck, Wilhelm Neumann: Geschichte und Kunstdenkmäler der Stadt Reval. Reval 1896, S. 101–108. Online (The Internet Archive) Heinrich W. J. Rickers: Etwas über die St. Olai-Kirche in Reval, die durch einen Blitzstrahl in der Nacht vom 15. zum 16. July 1820 zerstört wurde. Reval 1820 (Online bei books.google)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St Olaf's Church, Tallinn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

59.44141724.747806Koordinaten: 59° 26′ 29,1″ N, 24° 44′ 52,1″ O