Omphalos

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Stein in Delphi. Zu dem Buch von Philip Henry Gosse siehe Philip Henry Gosse.
Kopie des Omphalos-Steins in Delphi

Der Omphalos (griech.: „ὀμφαλός“, „Nabel“) war ein phallischer Kultstein im Adyton des Apollon-Tempels in Delphi. Er war mit Wollgirlanden (Agrenon) überzogen und markierte den „Nabel der Welt“. Eine hellenistische oder römische Marmorkopie des Steins befindet sich heute im Archäologischen Museum von Delphi.

Der Omphalos soll der Sage nach als Meteor vom Himmel gefallen sein. Er wurde im Heiligtum des Apollon verehrt. Ursprünglich war er vermutlich ein Opferstein der Göttin Gaia und markiert die Stelle, an der sich die von Zeus im äußersten Westen und im äußersten Osten entsandten Adler in der Mitte der Welt getroffen haben. Pausanias zufolge war er die Weltachse, die mythische Verbindung zwischen Himmel, Erde und Unterwelt. Unter ihm befindet sich angeblich das Grab des Dionysos, auch Python soll unter ihm begraben worden sein.

Mit „Omphalos“ wurde später auch der auf dem Forum Romanum aufgestellte Umbilicus bezeichnet. Dieser Stein galt den Römern als Mittelpunkt der Welt. In Delphi befand sich auch der Stein, den Rhea dem Mythos zufolge statt des neugeborenen Zeus ihrem Gatten Kronos zum Verschlingen gab und den Kronos später ausspuckte. Der Stein des Kronos wurde ähnlich wie der Omphalos und andere Baityloi verehrt und kann daher mit diesem verwechselt werden.

Neben Apollo werden auch Asklepios-Statuen mit dem Omphalos dargestellt. Möglicherweise liegt eine Übertragung des Attributs von Apollo vor.

Calenische Omphalosschale, um 300 v. Chr., British Museum

Als Omphalos-Schale bezeichnet man in der antiken Keramik einen Typ von flachen runden Schalen, die mit einem Mittelbuckel versehen sind und als Opferschalen dienten. Davon abgeleitet wird gelegentlich die zentrale Aufwölbung von Schalen auch späterer Kunstepochen als Omphalos benannt; sie hatten oft nur noch dekorativen Sinn oder dienten als Widerlager für den Standring zugehöriger Kannen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lexikon der Kunst, Bd. 3, Leipzig 1975, S. 631.
  • Jean Bousquet: Observations sur l'« omphalos archaïque » de Delphes. In: Bulletin de Correspondance Hellénique 75/1, 1951, S. 210–223.
  • Hans-Volkmar Herrmann: Omphalos. Münster, 1959.
  • Bruno Kauhsen: Omphalos. Zum Mittelpunktsgedanken in Architektur und Städtebau dargestellt an ausgewählten Beispielen. Scaneg, 1990.

Weblinks[Bearbeiten]