Overstolzenhaus

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Haus der Overstolzen (1230)

Das Kölner Overstolzenhaus gehört zu den ältesten Gebäuden der Stadt Köln, ist das älteste erhaltene Patrizierhaus Deutschlands und war Lager- und Wohnhaus. Es liegt etwas versteckt in der Rheingasse 8.

Geschichte[Bearbeiten]

Das romanische Patrizierhaus wurde zwischen 1220 und 1225 von Blithildis Overstolz errichtet, einer Tochter des Stammvaters Gottschalk Overstolz, und ihrem Mann Werner, der den Familiennamen seiner Frau angenommen hatte. Nachdem er den Aufstieg ins Schöffenkollegium erreicht hatte, baute er dieses Haus mit seiner Frau zur Erinnerung und zur wirtschaftlichen Nutzung durch seine Handelsfamilie. Werner Overstolz war ein Mitglied der Overstolzen, einer reichen Kaufmannsfamilie, die im Krieg zwischen den Kölner Bürgern und der Kirche eine wichtige Vermittlerrolle spielte. Das gut erhaltene Bauwerk ist ein hervorragendes Beispiel der Romanik in Deutschland.

Nach Werners Tod vermachte seine Witwe es 1255 ihrem Sohn Johannes Overstolz. Es wechselte im Laufe der Jahre mehrfach den Besitzer. Eberhard Hardefust, der das Haus 1337 erwarb, gliederte ihm zeitweilig beide Nachbarhäuser an. Im Jahre 1838 kaufte die Stadt Köln das Haus auf und ließ es von Stadtbaumeister Johann-Peter Weyer (1794–1864) restaurieren und umbauen, während der Maler Michael Welter (1808–1892) die Ausschmückung der Räume übernahm. Ab 1843 war zeitweilig bis 1932 die Kölner Börse zusammen mit der Handelskammer hier untergebracht. Nach erheblicher Kriegszerstörung waren von der straßenseitigen Fassade lediglich das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss erhalten. Der Wiederaufbau des reich durchfensterten Giebels erfolgte bis 1954.

Gestaltung[Bearbeiten]

Das Haus besteht aus einem zweischiffigen Keller, zwei Wohngeschossen und vier Speichergeschossen. Empfangs- und Verwaltungsräume des Overstolzenhauses lagen auf unteren Geschossen. Darüber, hinter glaslosen und reich verzierten Fenstern, befand sich der prächtige Festsaal. In einem Raum ist noch eine romanische Wandmalerei erhalten, eines der seltenen Beispiele für Schmuck aus dieser Epoche mit profanem Inhalt: ritterliche Turnierszenen. Den krönenden Abschluss erfährt die Fassade des Gebäudes durch ihren imposanten Treppengiebel. Das Overstolzenhaus ist das einzig erhaltene romanische Patrizierhaus in Köln und zugleich das größte und architektonisch schönste in Deutschland.

Die straßenseitige Fassade war im Gegensatz zur Hofseite aufwändig mit unterschiedlich geformten und verzierten Fenstern sowie einem Stufengiebel gestaltet. Im Erdgeschoss gab es eine asymmetrische Aufteilung: auf der linken Seite waren zwei große Rundbogenfenster, in der Mitte befand sich der Kellerzugang mit einem kleinen Fenster darüber, dann ein den Keller und den Eingangsraum belichtendes geteiltes Stockfenster und schließlich eine Tür mit horizontalem Sturz.

Heute weist das baulich veränderte Erdgeschoss eine Reihe von fünf rechteckigen Fenstern unter Rundbogenblenden mit eingestellten Säulen auf. Im Obergeschoss gibt es fünf, ursprünglich mit Holzläden verschließbare Doppelarkadenfenster mit schlanken Säulen und Blattkapitellen. Über ihnen befinden sich kleine Rundfenster. Eine sog. Kleeblattblende bildet eine durchgehende Umrahmung.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Seit 1990 wird das Overstolzenhaus von der neugeschaffenen Kunsthochschule für Medien Köln genutzt, während ein Nebengebäude die Deutsche Gesellschaft für Photographie beherbergt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Overstolzenhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.934216.960501Koordinaten: 50° 56′ 3″ N, 6° 57′ 38″ O