Polícia Internacional e de Defesa do Estado

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der portugiesischen Polizeiorganisation. Zum türkischen Fladenbrot siehe Pita.
PortugalPortugal Polícia Internacional e de Defesa do Estado
— PIDE —
Logo der PIDE
Staatliche Ebene Direcção-Geral de Segurança
Stellung der Behörde Geheimpolizei
Aufsichtsbehörde(n) Ministério da Administração Interna
Bestehen seit 22. Oktober 1945
Auflösung: 24. November 1969
Hauptsitz Rua António Maria Cardoso 18-26, Lissabon

Die Polícia Internacional e de Defesa do Estado anhören?/i (dt. Internationale Polizei und Staatsschutz), besser bekannt als PIDE, war in Portugal unter der Herrschaft von António de Oliveira Salazar und Marcelo Caetano eine Geheimpolizei. Sie sorgte als geheime Staatspolizei dafür, dass Oppositionelle im Gefängnis verschwanden.[1] Der Sitz der PIDE befand sich in der Rua António Maria Cardoso 18-26 in Lissabon.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die PIDE wurde am 22. Oktober 1945 gegründet und löste die 1933 mit Unterstützung deutscher und italienischer Berater ins Leben gerufene PVDE (Polícia de Vigilância e Defesa do Estado) ab. Der Vorgänger PVDE sowie die PIDE waren ein Werkzeug der politischen Justiz und Unterdrückung und verfügte über zahlreiche Sondergerichte sowie Spezialgefängnisse. Die Einrichtungen fanden mit Hilfe der Gestapo statt, die wusste, wie man Räume zur Folter von Oppositionellen und für die Archivierung von Geheimdienstmaterial zu gestalten hat.

Im Laufe der Jahre baute die Staatspolizei ein umfangreiches Informanten- und Spitzelnetz auf. So gelang es ihr, eine umfassende polizeistaatliche Überwachung des öffentlichen und privaten Lebens zu schaffen. 1945 wurde sie in PIDE umbenannt. Vorbild bei der Strukturierung der verschiedenen Abteilungen war nun nicht mehr die deutsche Gestapo, sondern der britische Scotland Yard. Sie sollte jegliche Opposition in Portugal gegen das autoritäre Regime des Estado Novo unterdrücken.[3]

Als staatliches Terrorinstrument war die PIDE in Portugal vor allem bei der Opposition sehr gefürchtet. Als bei der Präsidentschaftswahl 1958 der liberale Oppositionskandidat Humberto Delgado trotz massiver Wahlmanipulationen seitens der PIDE ca. 24 % der Stimmen erhielt, wurde er später aus der Armee entlassen und gezwungen, nach Brasilien zu flüchten. Von dort aus unterstützte er weiterhin oppositionelle Aktionen in Portugal. Bei seinem Versuch zurückzukehren wurde Humberto Delgado 1965 an der portugiesisch-spanischen Grenze von einem Einsatzkommando der PIDE ermordet. [4]

Außerhalb Portugals waren die Taten der PIDE kaum bekannt. Das änderte sich erst im Verlauf der Kolonialkriege, als die Agenten unter anderem den Unabhängigkeitskämpfer Amílcar Cabral aus Guinea-Bissau mehrmals versuchten zu ermorden. Das Hauptgefängnis der politischen Polizei befand sich in Caxias, das am 27. April 1974 während der Nelkenrevolution erstürmt wurde. Im kapverdischen Ort Tarrafal war 1936 zudem ein Konzentrationslager eingerichtet worden, das als Konzentrationslager von Tarrafal im gesamten portugiesisch regierten Gebiet und später auch international bekannt wurde.

Am 24. September 1969 wurde die PIDE durch Marcelo Caetano aufgelöst und durch die DGS (Direção-Geral de Segurança) ersetzt. Die Methoden und Ziele blieben aber dieselben. Mit der friedlichen Nelkenrevolution in Portugal am 25. April 1974 fand auch die DGS ein Ende und wurde ebenfalls aufgelöst. An der Fassade des ehemaligen Gebäudes der PIDE befindet sich heute eine Gedenktafel für die hier am 25. April 1974 erschossenen Bürger, die zu Tode kamen, weil der Kommandant, statt sich zu ergeben, ein letztes Gefecht liefern wollte. Die DGS schoss aus dem Fenster in die Menge. Vier Menschen starben, 45 wurden verletzt.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Portugal - der älteste Nationalstaat Europas. leben-in-portugal.info. abgerufen am 6. April 2015
  2. SITZ DER PIDE. lissabonline.de. abgerufen am 6.April 2015
  3. Die Entstehung des Estado Novo (dt.: Neuer Staat). tu-chemnitz.de. abgerufen am 6. April 2015
  4.  Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: Geschichte Portugals. Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. (= Beck'sche Reihe 2156 - C. H. Beck Wissen). C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-44756-2, S. 115.
  5. SITZ DER PIDE. lissabonline.de. abgerufen am 6.April 2015

Literatur[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

  • 2010: 48; Regie: Susana de Sousa Dias (prämierter Dokumentarfilm, der Aussagen ehemaliger PIDE-Gefangene über ihre unterschiedlichen Foltererfahrungen zusammenfügt)