pdfTeX
| pdfTeX | |
|---|---|
| Entwickler | Das pdfTeX-Projekt |
| Aktuelle Version | 1.40.12 |
| Betriebssystem | plattformunabhängig |
| Kategorie | Schriftsatz |
| Lizenz | GNU General Public License |
| www.pdftex.org | |
pdfTeX ist eine Erweiterung des Textsatzprogramms TeX, mit der aus TeX-, LaTeX- und ConTeXt-Quellen unmittelbar PDF-Dateien erzeugt werden können. Es wurde ursprünglich von Hàn Thế Thành im Rahmen seines Promotionsprojekts an der Universität Brno entwickelt.[1]
Die Bedeutung von pdfTeX ergibt sich vor allem daraus, dass PDF zunehmend die „alten“ TeX-Ausgabeformate DVI und PostScript verdrängt hat.
PdfTeX ist in den neueren TeX-Distributionen (TeX Live und das darauf aufbauende MacTeX, MiKTeX) enthalten und wird dort als Standard-TeX-Engine verwendet. Die Aufnahme von pdfTeX in die TeX-Distribution teTeX 1.0 war für die Verbreitung des Systems von großer Bedeutung.[2][3]
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Die Idee zu dieser TeX-Erweiterung entstand Anfang der 1990er Jahre, als Jiří Zlatuška und Phil Taylor ihre Vorstellungen zur weiteren Entwicklung von TeX mit Donald E. Knuth in Stanford diskutierten.[2] Als Knuth später an die Universität Brno kam, um einen Ehrendoktortitel von der dortigen Informatik-Fakultät entgegenzunehmen, kam es zu weiteren ermutigenden Gesprächen, diesmal auch mit Hàn Thế Thành.[2] Weitere wichtige Beiträge zur Entwicklung von pdfTeX stammen von Pavel Janik, Heiko Oberdiek, Jiri Osoba, Ricardo Sanchez Carmenes, Robert Schlicht und Martin Schröder.[2]
PdfTeX basiert auf den TeX-Quellen und auf Web2c.[4] Seit Version 1.40 sind auch die ε-TeX-Quellen in pdfTeX enthalten.[5]
[Bearbeiten] Merkmale von pdfTeX
[Bearbeiten] Unterschiede zu TeX
Der Hauptunterschied zwischen TeX und pdfTeX besteht in der Erzeugung von PDF-Dateien. Das Ausgabeformat von TeX ist DVI. Um hieraus PDF-Dateien für die Druckvorstufe zu erzeugen, muss eine weitere Bearbeitung durch einen Treiber erfolgen. Dieser Schritt entfällt bei der Verwendung von pdfTeX, weil damit das PDF-Format direkt erzeugt werden kann.
Hierdurch ist es möglich, PDF-spezifische Features wie Hypertextverweise und ein Inhaltsverzeichnis durch LaTeX-Zusatzpakete wie vor allem hyperref[6] unmittelbar zu erzeugen. Auch PDF-Formulare können erzeugt werden.[7]
Im Gegenzug funktionieren Pakete, die auf der Konvertierung von DVI zu PostScript aufsetzen, mit pdfTeX nicht (vor allem PSTricks). Das gilt insbesondere auch für das Einbetten von PostScript-Grafiken. Diese müssen zuvor in ein Format umgesetzt werden, das von pdfTeX unmittelbar verarbeitet werden kann (PNG, JPEG, JBIG2 oder PDF[8]). Als Alternative zur Erzeugung von Grafiken mit LaTeX wurde das System PGF/TikZ[9] entwickelt.
Weil pdfTeX die TeX-Quellen enthält, ist es auch möglich, eine DVI-Ausgabe unmittelbar mit pdfTeX zu erzeugen.[10] Sie wird mit derjenigen von TeX identisch sein, sofern die mikrotypographischen Erweiterungen von pdfTeX nicht verwendet worden sind.
[Bearbeiten] Mikrotypographische Erweiterungen
Die beiden wichtigsten Fähigkeiten von pdfTeX liegen im mikrotypographischen Bereich. Zum einen wurde das sogenannte protruding implementiert (der optische Randausgleich, auch margin kerning oder hanging punctuation genannt),[11][12] zum anderen gibt es die sogenannte Schriftstärkenveränderung (font expansion), womit Arbeiten von Hermann Zapf umgesetzt werden, deren Ziel es war, einen einheitlichen Grauwert der Druckseite zu bewirken.[13][2] Für LaTeX erleichtert das Paket microtype, das auch das Nachfolgersystem LuaTeX unterstützt, den Zugriff auf diese Features.[14]
[Bearbeiten] Unterstützung von TrueType- und Type-1-Schriften
Außerdem bietet pdfTeX eine native Unterstützung von TrueType- und Type-1-Schriften, die unmittelbar in PDF-Dateien eingebettet werden können.[15] OpenType-Schriften können dagegen nur eingeschränkt verwendet werden.[16] Deshalb wurden Nachfolgersysteme wie LuaTeX und XeTeX entwickelt, die einen rein unicode-basierten Produktionsprozess für LaTeX-Quellen bieten.
[Bearbeiten] Benutzung
Um LaTeX-Quelltexte zu verarbeiten, kann unmittelbar das Programm pdflatex aufgerufen werden. Für ConTeXt-Dokumente wird pdfTeX beim Aufruf von texexec standardmäßig verwendet.
[Bearbeiten] Literatur
- Michel Goossens, Sebastian Rahtz, Eitan M. Gurari, Ross Moore, Robert S. Sutor: Portable Document Format. In: The LaTeX Web Companion. Integrating TeX, HTML, and XML. 1999, ISBN 0-201-43311-7, S. 25–81 (8. Nachdruck, Januar 2006). Deutsche Ausgabe unter dem Titel: Michel Goossens, Sebastian Rahtz, Eitan M. Gurari, Ross Moore, Robert S. Sutor: Mit LaTeX ins Web: Elektronisches Publizieren mit TeX, HTML und XML. Addison-Wesley, München 2000, ISBN 3-8273-1629-4.
- Hàn Thế Thành: Micro-typographic extensions to the TeX typesetting system. (Zugl.: Diss. Univ. Brno. 2000. Zugl.: TUGboat 21:4. December 2000, S. 317 ff, PDF, abgerufen am 1. September 2010).
- Hàn Thế Thành: Margin Kerning and Font Expansion with pdfTeX. In: TUGboat. 2001, S. 146–148, abgerufen am 7. Oktober 2010 (Volume 22 (2001), No. 3).
- Hàn Thế Thành, Sebastian Rahtz et al.: The pdfteX user manual. 25. Januar 2007, abgerufen am 30. August 2010 (Rev. 1.675).
- Dave Walden: Interview mit Hàn Thế Thành. 24. Juli 2008, abgerufen am 30. August 2010 (TUG Interview Corner).
- Robert Schlicht: The microtype package. 10. Januar 2010, abgerufen am 30. August 2010 (Version 2.4).
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Hàn Thế Thành: Micro-typographic extensions to the TeX typesetting system (deutsch: Mikrotypographische Erweiterungen des TeX-Satzsystems). Zugl.: Diss. Univ. Brno. 2000 (PDF-Datei).
- ↑ a b c d e Dave Walden: Interview mit Hàn Thế Thành. In: TUG Interview Corner. tug.org. 24. Juli 2008. Zugriff am 24. August 2010.
- ↑ Thomas Esser. teTeX Release Notes. Zugriff am 24. August 2010.
- ↑ Generating PDF directly from TeX, In: Michel Goossens, Sebastian Rahtz, Eitan M. Gurari, Ross Moore, Robert S. Sutor. The LaTeX Web Companion. Integrating TeX, HTML, and XML. 1999. 8th printing January 2006. pp. 67 ff., 67.
- ↑ Hàn Thế Thành, Sebastian Rahtz u.a. The pdfteX user manual. January 25, 2007. Rev. 1.675. p. 1. Zugriff am 24. August 2010.
- ↑ Hyperref. In: The TeX Catalogue. Zugriff am 24. August 2010.
- ↑ Dirk Krause. PDF-Formulare mit pdflatex, hyperref und insdljs. 7. Februar 2008. Zugriff am 24. August 2010.
- ↑ The pdfteX user manual, p. 39.
- ↑ PDF/TikZ. The TeX Catalogue. Zugriff am 24. August 2010. Zugriff am 24. August 2010.
- ↑ Generating PDF directly from TeX, In: Michel Goossens, Sebastian Rahtz, Eitan M. Gurari, Ross Moore, Robert S. Sutor. The LaTeX Web Companion. Integrating TeX, HTML, and XML. 1999. 8th printing January 2006. pp. 67 ff., 67.
- ↑ Hàn Thế Thành: Micro-typographic extensions to the TeX typesetting system. p. 21; passim.
- ↑ The pdfteX user manual. p. 41 f. Zugriff am 24. August 2010.
- ↑ Hàn Thế Thành: Micro-typographic extensions to the TeX typesetting system. p. 52 ff.; passim.
- ↑ Robert Schlicht. Microtype. The TeX Catalogue. Zugriff am 24. August 2010.
- ↑ The pdfteX user manual. p. 9 ff., 9. Zugriff am 24. August 2010.
- ↑ The pdfteX user manual. p. 9. Zugriff am 24. August 2010.