Pelzmärtel

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Der Pelzmärtel (auch Pelzemärtel, Pelzermärtel, Pelzamärdl oder Pelzmartin) ist ein in Franken (Süddeutschland) verbreiteter Name für den vorweihnachtlichen Gabenbringer. Regional tritt er auch als Pelznickel auf. In der Bezeichnung fließen das Brauchtum zum Tag des St. Nikolaus und des St. Martin zusammen. In seinem Sack hat der Gabenbringer am Martinstag, dem 11. November, oder am Nikolaustag, dem 6. Dezember, für die braven Kinder Nüsse und Obst dabei, für die ungezogenen Kinder eine Rute.

Wortursprung[Bearbeiten]

Pelzmärtel leitet sich von Pelz (vom westmitteldeutschen „pelzen“, was soviel wie „prügeln“ bedeutet) und der fränkischen Verkleinerungsform für Martin, „Märtel“ bzw. „Martel“, „Nickel“ ist entsprechend die Verkleinerungsform für Nikolaus.[1] Umgangssprachlich wird er auch Bulzermärtel oder Belzermärtl genannt. [2][3][4]

Der Nürnberger Dialekt kennt für Pelzmärtel die Aussprachen „Belzermärdl“ und „Bulzer“.[5]

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Geschichte und Bedeutung[Bearbeiten]

Der Pelzmärtel ist die Folge der Reformation, da die Protestanten nicht weiterhin die katholischen Heiligen St. Martin und St. Nikolaus verehren wollten. Ursprünglich hatte der Pelzmärtel wohl nur eine Rute dabei, nachdem er aber zunehmend die Aufgabe vom Nikolaus übernehmen musste, bringt er jetzt auch Geschenke mit. Über die Zeitenwende der Reformation erhielt sich damit auch die Verehrung St. Martins als Nationalheiliger im frühmittelalterlichen Frankenreich an seinem Namenstag. Die äußere Erscheinung der Figur legt auch Einflüsse der winterlichen Schreckgestalten nahe, die in Fell gehüllt und mit Strohperücke ihr Unwesen trieben („Herr Winter“).

Ähnliche Bräuche[Bearbeiten]

In Schwaben tritt der Belzmärte als böser Begleiter des Nikolaus bzw. als Begleiter des Christkinds auf. So zieht in Bad Herrenalb im Schwarzwald die Figur am Heiligen Abend von Haus zu Haus, um mit Glockengeläut die bösen Geister zu vertreiben, am Nachmittag des Heiligen Abends erscheint der Pelzmärtel mit dem Christkind beim jährlichen „Weihnachtsspielen“ des örtlichen Musikvereins auf dem Marktplatz. Er trägt dabei ein Kostüm, das aus 150 m Kordel aus Roggenstroh zusammengenäht wird.[6]

Wohl durch pfälzische Auswanderer wurde die Tradition des Belsnickels nach Pennsylvanien gebracht.[7] Diese Tradition war bis vor einiger Zeit noch in einigen Orten lebendig, wobei jedoch eine Unterscheidung zwischen dem Belsnickel (oder auch Belznickle) in ländlichen Gegenden und dem in städtischer Umgebung gemacht werden muss.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hanns Hubert Hofmann: Pelzmärtel und Nikolaus, in: Ferdinand Ranft: Vom Main zur Donau, Nürnberg, Frankenverlag Lorenz Spindler, 1961, S. 38-40.
  • Ernst-Otto Luthardt: „Die alte fränkische Weihnacht“, Würzburg, Echter Verlag, 2000, ISBN 978-3429022624

Gedichte:

  • Friedrich Güll (1812–1879), „Nun hörte einmal, doch fürchtet euch nicht, vom Pelzemärtel die ganze Geschicht“
  • Franz Graf von Pocci (1807–1876), „Der Pelzemärtel“

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Pelzmärtel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gunther Schunk: Pelzmärtel und Herrscheklaus. Volksblatt (Würzburg), 6. Dezember 2002, abgerufen am 8. November 2009 (pdf; 11 kB).
  2. Pfälzisches Wörterbuch: 'Pelzmaertel'
  3. Pfälzisches Wörterbuch: 'Pelz(e)-Nickel'
  4. Gunther Schunk: Pelzmärtel und Herrscheklaus. Volksblatt (Würzburg), 6. Dezember 2002, abgerufen am 8. November 2009 (pdf; 11 kB).
  5. Herbert Maas: Wou die Hasen Hoosn und die Hosen Huusn haaßen, Nürnberg, Verlag Nürnberger Presse, 7. Auflage, 2001, S. 80, 95.
  6. Altes Brauchtum lebt. Schwarzwälder Bote (Oberndorf am Neckar), 21. Dezember 2012, abgerufen am 29. März 2015.
  7. Bill Toland The Next Page: Meet Belsnickel, the Counter Claus, bei: post-gazette.com
  8. Marlene McCormack Belznickle of Christmases past, bei: registerguard.com