Piaggio Hexagon

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Piaggio Hexagon
Piaggio Hexagon Scooter 150 cm³

Die Piaggio Hexagon ist ein Großroller, die der italienische Fahrzeughersteller Piaggio zwischen 1994 und 2003 baute.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die bis 1990 gebauten Vespa-Modelle, mit der typischen Blechkarosserie, hatten zwar Kultstatus, jedoch gingen die Verkaufszahlen immer weiter zurück so dass Piaggio im Jahr 1990 mit der Piaggio Sfera seinen ersten Motorroller mit Stahlrohrrahmen und Kunststoffkarosserie auf den Markt brachte. Als Antwort auf die 1985 erschienene und erfolgreiche Honda CN 250 Helix, präsentierte Piaggio 1994 die Hexagon, deren Karosserie nach dem gleichen Prinzip aufgebaut war. Wegen der breiten Sitzbank und der entspannten Sitzposition werden Roller nach diesem Bauprinzip scherzhaft als Sofaroller bezeichnet. Der Roller war mit wassergekühlten Einzylinder-Zwei- und -Viertaktmotoren mit Hubräumen zwischen 125 cm³ und 250 cm³ erhältlich. Weiter wurde ein luftgekühltes 125 ccm Viertaktmodell angeboten Die Modelle hatten anfangs 10-Zoll-Räder, was sie trotz ihrer Größe sehr wendig machte.[1] Modelle ab 1998 hatten ein Fahrwerk mit 11-Zoll-Rädern, Modelle ab 2002 hatten Zug um Zug ein Fahrwerk mit 12-Zoll-Rädern erhalten.

Modellgeschichte[Bearbeiten]

Die ersten Modelle waren der Hexagon EX 150 und zwei Jahre später der Hexagon EX 125, die von den modifizierten Modellen LX 125 und LXT 180 abgelöst wurden. Später kamen mit den Modellen LX4 und GT erstmals Einzylinder-Viertaktmotoren mit 125 cm³ und 250 cm³ zum Einsatz, wobei der 250-cm³-Motor von Honda stammt. Ab 2000 wurde die Hexagon mit 125- und 180 cm³-Leader-Motoren ausgeliefert. Die Umbenennung in Super Hexagon war hingegen rein kosmetisch.

Modellübersicht[Bearbeiten]

  • Hexagon EX 150, 11,5 kW (15,6 PS), 1994–1998 (Typ EXV)
  • Hexagon EX 125, 10,5 kW (14,3 PS), 1996–1998 (Typ EXS)
  • Hexagon LX 125, 10,2 kW (13,9 PS), 1998–2000 (Typ ZAPM05), mit 11-Zoll-Rad
  • Hexagon LXT 180, 15,0 kW (20,4 PS), 1998–2000 (Typ ZAPM06), mit 11-Zoll-Rad
  • Hexagon LX4 125, 7,6 kW (10,3 PS), 1998–2000 (Viertaktmotor, Typ ZAPM15)
  • Hexagon GT 250, 11,8 kW (16,0 PS), 1998–2001 (Viertaktmotor, Typ ZAPM14)
  • Hexagon 125 GTX, 11 kW (15 PS), 2000–2001 (Leader-Viertaktmotor, 2 Ventile, Typ ZAPM20)
  • Hexagon 180 GTX, 14 kW (19 PS), 2000–2001 (Leader-Viertaktmotor, Typ ZAPM20)
  • Super Hexagon 125 GTX, 11 kW (15 PS), 2000–2003 (Leader-Viertaktmotor, 4 Ventile, Typ ZAPM20), später auch mit 12-Zoll-Rad
  • Super Hexagon 180 GTX, 14 kW (19 PS), 2000–2003 (Leader-Viertaktmotor, 4 Ventile, Typ ZAPM20), später auch mit 12-Zoll-Rad

Technik[Bearbeiten]

Für die Antriebseinheit wurde eine Triebsatzschwinge verwendet, d.h. die gefederte Hinterradschwinge enthält den gesamten Antrieb mit Motor, Variomatik, Kupplung und Endgetriebe. Als Motoren kamen wassergekühlte Einzylinder-Zweitakt- und -Viertaktmotoren mit Hubräumen zwischen 125 cm³ und 250 cm³ zum Einsatz. Nur der Typ LX4 hatte einen luftgekühlten 4-Takt Motor.

Das stufenlose Riemengetriebe überträgt die Kraft über eine Fliehkraftkupplung auf das Hinterrad. Da das CVT-Getriebe nicht geschaltet werden muss, und die Fliehkraftkupplung automatisch arbeitet, war der Roller sehr einfach und komfortabel zu bewegen.

Das Fahrwerk aller 2-Takter hatte hinten die genannte Triebsatzschwinge mit einem einzelnen Stoßdämpfer, die jedoch, wie alle Triebsatzschwingen, den Nachteil einer verhältnismäßig großen ungefederten Masse hatte und deshalb nicht besonders komfortabel war. Das Vorderrad war wie bei der Vespa mit einer gezogenen Schwinge und einem einzelnen Stoßdämpfer aufgehängt. Die Modelle hatten bis 1998 10-Zoll-Räder. Aus Stabilitäts- und Komfortgründen bekamen die Modelle ab 1998 ein Fahrwerk mit 11-Zoll-Rädern, die letzten Modelle des Hexagon wurden mit einer Teleskopgabel vorne und 12-Zoll-Rädern ausgeliefert.

Die Hexagon hatte vorne eine hydraulische Scheibenbremse, bei den Modellen vor 1998 mit einem festen 2-Kolben-Sattel und einem Scheibendurchmesser von 175 mm, nach 1998 ein schwimmend gelagerter 2-Kolben-Sattel mit einem Scheibendurchmesser von 200 mm. Die durch Bowdenzug betätigte Hinterradbremse bis 1998 war eine Trommelbremse mit 110 mm Trommeldurchmesser, nach 1998 mit 140 mm Trommeldurchmesser. Die 4-Takt-Modelle GTX ab 2000 hatten hinten auch eine hydraulische Scheibenbremse.

Die Elektrische Anlage besteht aus einer von der Batterieversorgung unabhängigen Kondensatorzündanlage (CDI=Capacitor Discharge Ignition) und einer Generatoranlage mit Regler, die bei laufendem Motor einen Bleiakku lädt und alle sonstigen Verbraucher (außer der Zündung) versorgt. Die Modelle bis 1998 hatten einen einzelnen Scheinwerfer mit H4 Licht, die Modelle ab 1998 einen Doppelscheinwerfer mit H7/H1 Licht, der eine weitaus bessere Lichtausbeute brachte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bedienungsanleitung Piaggio Hexagon LXT 180. Piaggio V.E.S.p.A, Pontedera Italy 1998.
  • Reparaturanleitung, Piaggio Hexagon ab 1996. Verlag Bucheli, Zug, ISBN 3-7168-1959-X.
  • Wartung und Reparatur, Automatik-Roller. Delius Klasing Verlag, Bielefeld, ISBN 978-3-7688-5218-0.
  • Piaggio-Vespa Scooters Service and Repair Manual. Haynes Publishing, ISBN 1-85960-492-7.
  • Schöne Bescherung. In: Das Motorrad. Heft 1/2010.
  • Eis-Eilige. In: Das Motorrad. Heft 24/2010.
  • Gut und günstig einsteigen. In: 2Räder. Heft 8/2009.
  • Gute Reise. In: 2Räder. Heft 5/2010.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurztest in MOTORRAD 18/1996