Vespa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt den Motorroller Vespa. Für die gleichnamige biologische Gattung siehe Hornissen, und für die ehemalige italienische Automarke namens Vespa siehe C. Antonelli. Zum uruguayischen Fußballspieler siehe Líber Vespa.
Vespa-Logo
Vespa des Unternehmens Piaggio

Die Vespa (lat./ital. für Wespe) ist ein Motorroller des italienischen Unternehmens Piaggio. Sie zählt zu den weltweit bekanntesten und beliebtesten Rollertypen.

Geschichte[Bearbeiten]

Produktion der Vespa in den Anfangsjahren

Die erste Vespa, die Vespa 98, kam 1946 auf den Markt und trug den Spitznamen „Paperino“ (Entchen); sie hatte 98 cm³ Hubraum und war maximal 60 km/h schnell. Ihr Erfinder war Corradino D’Ascanio – ein Ingenieur, dessen Traum es war, Hubschrauber zu bauen. Er „erfand“ das Konzept der Vespa kurz nach Kriegsende im Auftrag von Enrico Piaggio. Als ehemaliger Konstrukteur von Kriegsflugzeugen wollte er über die Produktion von Töpfen und Pfannen mit den vorhandenen Werkzeugen hinaus.

Die Ur-Vespa „98“ sollte einfach, sparsam und leicht fahrbar sein – und mit den vorhandenen Produktionsanlagen zu bauen sein. Weil Corradino nie zuvor Motorräder konstruiert hatte, ging er völlig unvoreingenommen an diese Aufgabe heran. Der Antrieb und die Kraftübertragung sollten so einfach wie möglich sein und so entschied er sich für eine Triebsatzschwinge ohne Sekundärkette, zumal der Kettenantrieb in der damaligen Notzeit aus Materialmangel fast unmöglich war. Auch sollte die Vespa keine Motorenteile haben, an denen man sich schmutzig machen konnte. Daher war der Motor komplett verdeckt untergebracht. Der Reifenwechsel sollte so einfach wie bei einem Auto sein.

Konzept und Verbreitung[Bearbeiten]

Hoffmann-Werke Lintorf
Bangkok: Die Vespa wird als Transportgerät benutzt
Die durch die UdSSR kopierte "Vyatka"

Für die Entstehung des Konzeptes von Belang ist, dass bei Piaggio Aero Industries, einem ehemaligen Kriegsflugzeugproduzenten, mit einem kleinen Projekt die Ausnutzung bestimmter Ressourcen (Fabrik, Material, Designerfahrung) optimal gewährleistet werden sollte. Die Konsumenten, die zumeist noch unter den Entbehrungen des Krieges zu leiden hatten, benötigten ein kostengünstiges, aber ansprechendes Transportmittel, dem auch das Befahren schadhafter Straßen nichts anhaben konnte. Aus diesen Beschränkungen heraus entstand – wie so oft in der Technikgeschichte – ein genial einfaches Konzept, die Vespa. Ihr Name wurde am 23. April 1946 zum Patent angemeldet. Sie erreichte mit nur 3,2 PS eine Geschwindigkeit von 60 km/h.

Die nächste Type „Vespa 125“ (1953) hatte 5 PS Leistung und war 75 km/h schnell. Neben anderen Verbesserungen war nun der Scheinwerfer oberhalb des Lenkers montiert. Weitere Neuerungen folgten 1955 mit einem 150-cm³-Motor, Vierganggetriebe, langem Doppelsattel und 100 km/h Spitzengeschwindigkeit.

1965 waren weltweit bereits über drei Millionen Vespas verkauft, danach verebbte ihr Siegeszug in Europa langsam, weil inzwischen für die breiten Massen auch das Automobil erschwinglich wurde. Die Vespa wurde aber in Indien und Teilen Asiens sowie einigen Ländern Afrikas zu einem der wichtigsten Transportmittel und ist es teilweise bis heute. Außer in Deutschland wurden diverse Vespamodelle in allen Teilen der Welt in Lizenz gebaut z. B. in Indien von Bajaj und LML, in Frankreich von ACMA, in England von Douglas, in Pakistan, im Iran und in Malaysia. In der UdSSR wurde die GS3 kopiert und unter dem Namen Vyatka ohne Lizenz in leicht modifizierter Form in großer Stückzahl gebaut.

Vespa mit zwei Schwingsätteln
Vespa TAP 150; französische Militärvespa von ACMA

Für ältere und seltene Modelle, wie beispielsweise die Vespa U, Hoffmann Vespa, Vespa SS50 und SS90 oder die französische Militärvespa TAP 56 oder 59[1], aus der Lizenzproduktion des Unternehmens ACMA, werden Liebhaberpreise bezahlt.

Bei den handgeschalteten Vespas wird bemängelt, dass die technische Ausstattung nicht dem heutigen Stand der Technik entspricht (Ergonomie, Umweltverträglichkeit usw.), dagegen haben sie mehrere darauf beruhende Vorteile: das von Mode unabhängige Design oder die Möglichkeit zur Selbst-Reparatur.

Die Ersatzteilversorgung bei Fahrzeugen aus dem Hause Piaggio ist gut, außerdem bietet der Markt ein großes Angebot an Zusatzartikeln.

Vespa in Deutschland[Bearbeiten]

In den 1950er Jahren wurde die Vespa auch nördlich der Alpen bekannt und zu einem Lieblingsfahrzeug insbesondere der jungen Generation. In die Schweiz wurden die ersten Vespas bereits 1947 exportiert, nach Deutschland kamen sie etwa 1950. Jakob Oswald Hoffmann schloss 1949 mit Piaggio einen Lizenzvertrag ab und baute im rheinischen Lintorf ab dem Frühjahr 1950 Vespas für den deutschen Markt. Zwischen 1950 und 1953 baute er das Modell HA und lediglich im Jahr 1953 das Modell HB.

Unter großem finanziellen Aufwand entwickelte Hoffmann ohne Genehmigung der Piaggio-Werke die Vespa weiter und brachte schließlich 1954 die „Königin“ auf den Markt. Piaggio kündigte daraufhin Hoffmann den Lizenzvertrag fristlos.

Außerdem steckte Hoffmann großen Aufwand in die Entwicklung eines Rollermobils (Hoffmann Kabine) ähnlich der BMW Isetta. Aufgrund der sehr großen Ähnlichkeit und der damit verletzten Patentrechte verklagte der BMW-Konzern die Hoffmann-Werke. BMW gewann den Prozess, deshalb mussten Ende 1954 die Hoffmann-Werke Konkurs anmelden. Die Vespa-Produktion wurde in den Messerschmittwerken in Augsburg fortgesetzt.

Frühere und aktuelle Typen[Bearbeiten]

Von den früheren Typen ist nur eine Auswahl angeführt:

  • 1946, Vespa 98: 3,2 PS (98 cm³), rund 60 km/h
  • 1948, Vespa 125: 4,5 PS (125 cm³), 70 km/h
  • 1955, Vespa 150 GS: 150-cm³-Motor, Vierganggetriebe, 10"-Räder, 100 km/h
  • 1957, Vespa 125 VNA: 125-cm³-Motor, 8"-Räder, ca. 75 km/h, 4,5 PS bei 5000 1/min, 1:20 Gemisch (VNA1T: 1957-58; VNA2T: 1958-59)
  • 1957, Vespa 400: 4-rädiger Kleinstwagen mit 393 cm³
  • 1959, Vespa 125 VNB: Dieses Modell wurde mit 3 bzw. 4 Gängen hergestellt und hatte verschiedene Kennzahlen nach dem Kürzel VNB von 1–6 (z. B.: VNB4T)
  • 1959, Vespa 150 VBA: 150(145,5)-cm³-Motor, 3 Gänge, 8"-Räder, ca. 85 km/h, VBA1T 1959-1960 (Tecnica)
  • 1960, Vespa 150 VBB: 150(145,5)-cm³-Motor, 4 Gänge, 8"-Räder, ca. 85 km/h
  • 1962, Vespa 160 GS: 160-cm³-Motor, Vierganggetriebe, 10"-Räder (aus Vespa Tecnica)
  • 1962, Vespa 150 GL: 150(145,5)-cm³-Motor, 4 Gänge, 10"-Räder, ca. 90 km/h, VLA1T 1962-1965 (Tecnica)
  • 1964, Vespa 50: Die erste „kleine Vespa“ (in Smallframe-Bauweise) mit dem 50-cm³-Aggregat und 3 Gängen für die „Moped-Klasse“
  • 1965, Vespa 125 Nuova: 1.Vespa mit 125 cm³ im kleinen Rahmen (breiteres Beinschild und kurzer Radstand)
  • 1965, Vespa 180 SS: 180-cm³-Motor, zylindergesaugt, 4 Gänge, ca. 90 km/h
  • 1965, Vespa 150 Sprint: 150-cm³, 4 Gänge, 10"-Räder, ca. 90 km/h, VLB1T 1965-1979 (Tecnica)
  • 1965, Vespa 125 Super: 125-ccm, 4 Gänge, letzte Vespa mit 8" Rädern, Rahmennummer: VNC1T 1001 bis VNC1T 025146.
  • 1968, Vespa 125 Primavera: Eine der beliebtesten Vespas mit durchzugsstärkerem Triebwerk
  • 1970, Vespa 50 Elestart: erstmals mit Elektrostarter, 3- und 4-Gang, 40 km/h
  • 1972, Vespa 200 Rally: mit 12,3 PS, Topgeschwindigkeit von 116 km/h
  • 1977, Vespa P 125 X: Neue Karosserie und modernere Technik, Vespa P 200 E mit elektronischer 12-V-Zündanlage
  • 1978, Vespa P 150 X:
  • 1981 (nur für Deutschland): P 80 X mit 80 cm³ erhältlich.
  • 1983, Vespa PK (50 und 125 cm³; für Deutschland auch mit 80 cm³): Das Nachfolgemodell der Primavera bekommt eine modernere, dem Zeitgeist der 80er Jahre entsprechende geglättete Karosserie. Die 50er hat 3- oder 4-Gang-Getriebe; die 125er und die 80er haben grundsätzlich 4 Gänge; Elektrostarter gegen Aufpreis lieferbar.
  • 1984, Vespa PK Automatica mit 50 und 125 cm³ (für Deutschland auch mit 80 cm³): erste Automatikvespa überhaupt.
  • 1985, Vespa T5 Pole Position: limitiertes Sondermodell mit 12 PS die stärkste aller 125er Vespa Roller, Alu-Zylinder mit 5 Überströmkanälen, SI24/24G Vergaser mit kürzerem Ansaugweg und speziellem Luftfilter.
  • 1985, Vespa PX Lusso mit 80, 125, 150 und 200 cm³. Verbesserte Version der PX mit Getrenntschmierung, stärkerer Vorderachse und verbessertem Schließsystem. Die Batterie entfällt bei den Modellen ohne Elektrostarter vollständig, was zur Wartungsfreundlichkeit und Zuverlässigkeit der Beleuchtungsanlage beiträgt. Das Zündschloss wandert von der Tachoabdeckung mit ins Lenkradschloß, was die Diebstahlsicherheit verbessert. Der Tacho ist nun größer, die Leuchtanzeigen für Blinker und Fernlicht wandern mit in den Tachobereich. Es gibt eine elektronische Tankfüllstandsanzeige. Die Reserve-Funktion des Benzinhans entfällt. 200 cm³ Version mit 10 PS (Standard) und 12 PS (GS). Für alle Motorvarianten gibt es einen optionalen Elektrostarter. Diese Versionen verfügen über eine Batterie.
  • 1989, Vespa Cosa mit 125, 150 und 200 cm³ (genaugenommen keine Vespa sondern eine Piaggio Cosa) mit technische Neuerungen wie hydraulischer Kombi-Bremse, E-choke und E-Benzinhahn (letztere auf Wunsch mit Antiblockiersystem).
  • 1996, Vespa ET: wird mit 460.000 produzierten Einheiten ein Erfolg und ist erstmals mit einem Einspritzmotor erhältlich
  • 2002, Vespa GT mit 125 und 200-cm³-4-Ventil-Viertaktmotoren, Variomatik und erstmals Wasserkühlung
  • 2005, LX 50 (Zwei- oder Viertaktmotor), LX 125/150 i.e. 3V (luftgekühlter 3-Ventil-Viertaktmotor, Einspritzung, Variomatik)
  • 2005, Vespa GTS 250 i.e. / GTS 250 i.e. ABS (Viertaktmotor mit Einspritzung, Variomatik)
  • 2007, Vespa GTS 125 entsprach der Abgasnorm Euro 3.

Modelle im derzeitigen Verkauf[Bearbeiten]

  • S 50 (Zwei- oder Viertaktmotor), S 125/150 i.e. 3V (luftgekühlter 3-Ventil-Viertaktmotor, Einspritzung, Variomatik)
  • Vespa GTS 125 i.e. Super (Wassergekühlter 4-Ventil-4-Taktmotor, Einspritzung, Variomatik).
  • Vespa GTS 300 i.e. Super (Wassergekühlter 4-V-4-Taktmotor, Einspritzung, Variomatik).
  • Vespa PX 125/150 (Neuauflage der alten PX, luftgekühlter 1-Zylinder-2-Taktmotor, 4-Gang-Schaltung, manuell).
  • Vespa 946 (luftgekühlter 125cm³- und 150cm³-Viertaktmotor mit 3 Ventilen, Variomatik, ABS und ASR)
  • Vespa Primavera (luftgekühlter 50cm³-Zweitaktmotor, 50cm³- 125cm³- und 150cm³-Viertaktmotor, Variomatik)

Die motorisierte „Wespe“ (Vespa) hat auch eine Verwandte, die „Biene“ (Ape), die besonders in der Region rund ums Mittelmeer als beliebter Dreiradtransporter bis heute sehr gute Dienste leistet.

Fahrer und Soziales[Bearbeiten]

Die Motorroller, die noch heute produziert werden, haben Kultstatus erreicht. Insbesondere Besitzer von klassischen Vespas sind oft in Vereinen, Verbänden und Stammtischen organisiert, wobei auch regelmäßige Treffen (Vespa Alp Days, Vespa World Days) oder Sternfahrten stattfinden. Die ersten Vespa-Clubs wurden bereits Ende der vierziger Jahre gegründet. Diese Ortsclubs wurden jeweils durch Dachverbände in einzelnen Ländern zusammengebracht (z. B. Vespa Club von Deutschland, Vespa Club der Schweiz etc.). In Europa entstand so der Vespa Club d’Europe, der danach in die FIV (Federation Internationale des Vespa Clubs) überging. Die FIV wiederum hat Ende November 2005 ihre Auflösung bekannt gegeben und wurde neu durch den „Vespa World Club“ ersetzt.

In der Szene unterscheidet man landläufig zwischen „Schraubern“ und sogenannten Prodomo-Fahrern – letzteres war ursprünglich eine Schmähung für jene Vespa-Fahrer, die nicht bereit waren, sich mit Leib und Seele ihrem Vehikel zu verschreiben, die also im übertragenen Sinne bereit waren, sich statt echtem Espresso auch mit einem Brühkaffee wie Dallmayr Prodomo zufrieden zu geben.[2] Mittlerweile gibt es auch bekennende „Prodomisten“ und „Prodominas“.

Ab Frühsommer 2014 ist eine eigene deutschsprachige Zeitschrift über die Vespa: Die Wespe von EVOY Media UG, Griesstätt geplant. Die Erstausgabe erscheint im Juli 2014 und wird 24 Seiten umfassen. [3]

Vespa in der Kunst[Bearbeiten]

Eberhard Bosslet – Fotoreihe „Mobilien und Immobilien“ aus 1982 mit bemalter Vespa
Eberhard Bosslet – Fotoreihe „Mobilien und Immobilien“ aus 1982 mit bemalter Vespa
Pärchen mit roter Vespa von Ian Marsden

Seit den 1960er Jahren modifizieren Künstler ihre Motorroller zu Custom Rollern. Unter dem Titel „Mobilien & Immobilien" realisierte der deutsche Künstler Eberhard Bosslet vier Fotoserien auf den kanarischen Inseln, Spanien. Zum Einsatz kam eine alte Vespa Sprint, die er vielfach im wechselnden Dialog mit den Hintergründen bemalte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Branislav Dimitrijević: Sozialistischer Konsumismus, Verwestlichung und kulturelle Reproduktion. Der „postkommunistische“ Übergang im Jugoslawien Titos, in: In: Zurück aus der Zukunft. Osteuropäische Kulturen im Zeitalter des Postkommunismus. Herausgegeben von Boris Groys et al. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, S. 195–277, S. 217. ISBN 3-518-12452-8 (Im Abschnitt „Liebe, Mode, Wettbewerb“ interessante Ausführungen zu den historischen Bedingungen der Entstehung des Konzepts der Vespa und zur Rolle italienischer Motorroller in der (Film-)Kultur).
  • Giorgio Sarti, Luciano Greggio; Antonio Corona (Fotos): Vespa – Die offizielle Chronik: 1946 bis heute (übersetzt von Dorko M. Rybiczka und Walther Wuttke). Heel, Königswinter 2011, ISBN 978-3-86852-384-3.
  • Guido Schwarz: Vespa – Was für ein Leben! Geschichten von Leidenschaft, Liebe und Lötkolben, Guido Schwarz, Wien 2011, ISBN 978-3-200-02267-6; Neuausgabe 2013: Vespa-Geschichten von Wien bis Rom, ISBN 978-3-200-02874-6 (das Phänomen Vespa als Lebensgefühl der Nachkriegszeit).
  • Valerio Boni, Azzurra Della Penna: Vespa: Kult auf zwei Rädern. Prestel, München 2014, ISBN 978-3-7913-4890-2.

Vergleichbare Fahrzeuge[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vespa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bild
  2. Spiegel Online: Jürgen Pander: Die Mutter aller Mottorroller. Ein Gefühl namens Vespa
  3. Die Wespe