Pierre Cartier (Mathematiker)

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Pierre Emile Jean Cartier (* 10. Juni 1932 in Sedan, Ardennen) ist ein französischer Mathematiker. Sein Hauptinteresse gilt der algebraischen Geometrie, Darstellungs- und Kategorientheorie.

Pierre Cartier, Oberwolfach 2009

Biographie[Bearbeiten]

Cartier wuchs in der kleinen Stadt Sedan in den Ardennen auf und ging dort und in Paris (Lycée Saint-Louis) zur Schule. Er studierte ab 1950 an der École Normale Supérieure (ENS), wo er zunächst Physik studieren wollte. Da die Lehre aber [1] völlig veraltet war, wechselte er zur Mathematik, die er bei Laurent Schwartz und Henri Cartan hörte. 1951 machte er seinen Abschluss (Agrégé) in Mathematik und wurde noch im selben Jahr auf den sommerlichen Bourbaki-Kongress eingeladen (1955 wurde er offiziell Mitglied von Bourbaki, wo er 1983 nach Erreichen der Altersgrenze von 50 Jahren ausschied[2]). Er war von 1954 bis 1957 Wissenschaftler des CNRS und arbeitete an seiner Promotion, die 1958 bei Henri Cartan erfolgte (Derviations et Deriveurs en Geometrie Algebrique)[3] . 1957 bis 1959 war er am Institute for Advanced Study. Ab 1961 war er Professor an der Universität Straßburg (damals Faculté de Science). 1971 folgte er einem Ruf an die Institut des Hautes Études Scientifiques bei Paris. Gleichzeitig war er ab 1974 Forschungsdirektor des CNRS. 1982 wurde er Professor an der Ecole Polytechnique und 1988 an der ENS.

Pierre Cartier führte den Cartier-Operator ein und ist Namensgeber des Cartier-Divisors.

1970 war er Invited Speaker auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Nizza (Groupes formels, fonctions automorphes et fonction zeta des courbes elliptiques). 1978 erhielt der den Prix Ampère der französische Akademie der Wissenschaften. Er ist Fellow der American Mathematical Society.

Im Séminaire Nicolas Bourbaki hielt er bis 2002 mit Abstand die meisten Vorträge (37).

Zu seinen Doktoranden zählt Guy Henniart und Marc Rosso.

Er war seit 1951 verheiratet und hat eine Tochter.

Schriften[Bearbeiten]

  • An introduction to Zeta Functions, in Michel Waldschmidt, Claude Itzykson, Jean-Marc Luck, Pierre Moussa (Herausgeber): Number Theory and Physics, Les Houches 1989, Springer 1992
  • A mad day's work: from Grothendieck to Connes and Kontsevich. The evolution of concepts of space and symmetry, Bulletin AMS, Band 38, 2001, S.389-408, Online
  • A primer on Hopf algebras, in Pierre Cartier u.a. Frontiers in Number Theory, Physics and Geometry, Band 2, Springer Verlag 2007

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview mit Cartier von M. Senechal The continuing silence of Bourbaki - an interview with Pierre Cartier, Mathematical Intelligencer, Band 20, 1998, Heft 1, S. 22-28. Nach seinen Erinnerungen gab es sogar einen Professor, der die Existenz von Atomen bestritt.
  2. In der Nachfolge von Jean Dieudonne oblag ihm dort als Sekretär die Aufgabe die Manuskripte vor der Endfassung gegenzulesen
  3. Pierre Cartier (Mathematiker) im Mathematics Genealogy Project (englisch)