Universität Straßburg
| Universität Straßburg | |
|---|---|
| Gründung | 1538 (Gymnasium) 1621 (Volluniversität) 1. Januar 2009 (Vereinigung) |
| Trägerschaft | staatlich |
| Ort | Straßburg, Frankreich |
| Präsident | Alain Beretz |
| Studenten | 41.740 |
| Mitarbeiter | 6.021 |
| davon Professoren | 2.477 |
| Jahresetat | 406.072.916 € (2009) |
| Website | www.unistra.fr |
Die Universität Straßburg (französisch Université de Strasbourg) ist die Universität der Stadt Straßburg im Elsass. Im Jahre 2009 zählte sie 42.000 Studenten.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Die Alte Universität [Bearbeiten]
Die Universität Straßburg ist aus dem protestantischen Gymnasium hervorgegangen, das Johannes Sturm 1538 gegründet hatte. 1566 wurde das Gymnasium in den Rang einer Akademie erhoben, 1621 in eine Universität und 1631 in eine königliche Universität verwandelt. 1681 wurde die freie Reichsstadt Straßburg von Truppen des „Sonnenkönigs“ eingenommen und so mit den bereits von Frankreich durch den Westfälischen Frieden erworbenen linksrheinischen Gebieten aus dem Kaiserreich vereint. Das Ancien Régime hielt die Frage der Religion allerdings für wichtiger als die der Sprache, so dass es nicht zu so entscheidenden Änderungen an der Universität kam. Die Elsässer galten als „deutsche Untertanen des Königs“. Die Gegenreformation wurde zwar stark gefördert, doch wurden die Protestanten nicht verfolgt, um, wie auch auf sprachlichem Gebiet, eine reibungslosere Integration in das Königreich zu ermöglichen.
Auch zu französischen Zeiten hatte die Universität noch prominente deutsche Studenten. Einer davon war Goethe, der hier 1770/71 Jura studierte, nachdem sein Vater befunden hatte, dass er in Leipzig zu viel Zeit in Auerbachs Keller verbrachte. Die Vorlesungen fanden vor der Französischen Revolution noch in deutscher Sprache statt – und natürlich in lateinischer. Georg Büchner begann hier 1831 sein Medizinstudium (und beendete es dort nach der Flucht aus Hessen-Darmstadt infolge der Beschlagnahme des „Hessischen Landboten“). Zu dieser Zeit, nach Revolution, napoleonischer und Restaurationszeit, waren insbesondere die Naturwissenschaften (in denen damals ohnehin Frankreich führend war) vollkommen in französischer Hand. Allenfalls in Theologie und Geisteswissenschaften blieb noch ein („alt-“)elsässischer und damit deutscher Einfluss.
Die Kaiser-Wilhelm-Universität [Bearbeiten]
1871, nach der Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg und der Abtretung des Elsasses im Frieden von Frankfurt, wurde sie als deutsche Kaiser-Wilhelm-Universität im Deutschen Reich neu gegründet. Ein großer Teil der Bildungs-, Wirtschafts- und Verwaltungselite der Region verließ das Elsass, um in Frankreich zu bleiben, so dass viele Bereiche des öffentlichen Lebens, und somit auch die Universität, von Grund auf mit Material und Zuzug aus dem „Altreich“ neu organisiert werden mussten – und konnten. Bei der Belagerung und deutschen Bombardierung Straßburgs – der Stadt des Buchdrucks – war die städtische Bibliothek in der ehemaligen Dominikanerkirche getroffen worden und somit eine der größten und ältesten humanistischen Bibliotheken des gesamten Kontinents verbrannt. Diesen Verlust wollte man mit Buchspenden aus dem ganzen (neu gegründeten) Reich ausgleichen; allein das Preußische Staatsarchiv Königsberg überließ der Bibliothek 70.000 Dubletten. Das führte dazu, dass die Bibliothek der Universität (BNUS – Bibliothèque nationale et universitaire de Strasbourg) heute noch eine der größten und bestbestückten deutschsprachigen Bibliotheken ist.
1918 wurde die deutsche Universität nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wieder französisch. 1872 deutsche Mitarbeiter und Professoren mussten die Kaiser-Wilhelm-Universität verlassen, der Pharmakologe Oskar Schmiedeberg blieb als letzter bis Jahresende. 200.000 Deutsche waren im Elsaß von dieser Umsiedelung betroffen.
Die französische Universität [Bearbeiten]
1919, nach dem Ersten Weltkrieg, kamen mit dem Versailler Vertrag das Elsass und Straßburg und damit die Universität wieder zu Frankreich. Der Lehrbetrieb wurde nunmehr ausschließlich auf Französisch umgestellt. Um die Professoren Lucien Febvre und Marc Bloch entstand in dieser Zeit in Straßburg die Annales-Schule der Geschichtswissenschaft.
Während des Zweiten Weltkriegs verließ die französische Universität Straßburg und das Elsass und richtete sich in Clermont-Ferrand ein. In Straßburg, von den Nationalsozialisten wieder dem Deutschen Reich angegliedert, wurde die Reichsuniversität Straßburg gegründet. Carl Friedrich von Weizsäcker arbeitete zum Beispiel an dieser kurzlebigen „Besatzungsuniversität“. 1945 wurde sie mit dem Rückzug der deutschen Wehrmachtstruppen zunächst nach Tübingen verlegt und später aufgelöst. Nach 1945 kehrten die französischen Abteilungen der Universität nach Straßburg zurück.
Heute [Bearbeiten]
Die Universität Straßburg ist in der „Europäischen Konföderation der Universitäten am Oberrhein“ (EUCOR) mit den Universitäten Karlsruhe, Basel, Universität des Oberelsass und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg verbunden. Sie verfügt wegen der kirchenrechtlichen Sonderstellung des ehemaligen Elsass-Lothringen als einzige in Frankreich über zwei staatlich finanzierte theologische Fakultäten (katholisch und protestantisch).
In den 1970er Jahren wurde die Universität Straßburg aufgeteilt:
- Universität Louis Pasteur (Straßburg I – Naturwissenschaften)
- Universität Marc Bloch (Straßburg II – Sprachen und Geisteswissenschaften)
- Universität Robert Schuman (Straßburg III – Recht, Politik- und Sozialwissenschaften)
Die Universität Straßburg wurde am 1. Januar 2009 wiedergegründet als Vereinigung der Universität Louis Pasteur, der Universität Marc Bloch, der Universität Robert Schuman und des Institut universitaire de la formation des maîtres (IUFM) Straßburg. Erster Präsident nach der Wiedervereinigung wurde der Pharmakologe Alain Beretz, vormaliger Leiter der Université Louis Pasteur. Die sogenannte „Université unique de Strasbourg“ (Unistra) zählte Anfang 2009 42.000 Studenten und 5.200 Angestellte.
Bekannte ehemalige Studenten oder Lehrer [Bearbeiten]
- Johannes Sturm (1507–1589)
- Michael Beuther (1522–1587)
- Michael Philipp Beuther (1564–1616)
- Johann Michael Beuther (1566–1618)
- Nicolas Ager (1568–1634)
- Jakob Ludwig Beuther (1573–1623)
- Carl Bardili (1600–1647)
- Johann Conrad Dannhauer (1603–1666)
- Georg von Dassel (1629–1687)
- Philipp Jacob Spener (1635–1705)
- Johann Jakob Schmauß (1690-1757)
- Johann Daniel Schöpflin (1694–1771)
- Johann Friedrich Lobstein (Chirurg) (1736–1784)
- Christoph Wilhelm von Koch (1737–1813)
- Johann Hermann (1738–1800)
- Michail Illarionowitsch Kutusow (1745–1813)
- Dominique Villars (1745–1841)
- Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)
- Maximilian von Montgelas (1759–1838)
- Klemens Wenzel Lothar von Metternich (1773–1859)
- Johann Friedrich Lobstein (Pathologe) (1777–1835)
- Johann Georg Daniel Arnold (1780–1829)
- Georg Büchner (1813–1837)
- Charles Frédéric Gerhardt (1816–1856)
- Emil Kopp (1817–1875)
- Charles Adolphe Wurtz (1817–1884)
- Louis Pasteur (1822–1895)
- Adolf Kußmaul (1822–1902)
- Emil Heitz (1825–1890)
- Georg Albert Lücke (1829–1894)
- Anton de Bary (1831–1888)
- Wilhelm Alexander Freund (1833–1917)
- Friedrich Daniel von Recklinghausen (1833–1910)
- Adolf von Baeyer (1835–1917) Nobelpreis 1905
- Oswald Schmiedeberg (1838–1921)
- Gustav von Schmoller (1838–1917)
- Bernhard Naunyn (1839–1925)
- Karl Binding (1841–1920)
- Heinrich Weber (1842–1913)
- Paul Heinrich von Groth (1843–1927)
- Lujo Brentano (1844–1931)
- Wilhelm Röntgen (1845−1923), Nobelpreis 1901
- Alphonse Laveran (1845–-1922), Nobelpreis 1907
- Harry Bresslau (1848–1926)
- Ernst Remak (1849–1911)
- Josef von Mering (1849–1908)
- Georg Dehio (1850–1932)
- Karl Ferdinand Braun (1850–1918), Nobelpreis 1909
- Hans von Chiari (1851–1916)
- Hermann Emil Fischer (1851–1919), Nobelpreis 1902
- Friedrich von Moltke (1852–1927)
- Albrecht Kossel (1853–1927), Nobelpreis 1910
- Justus Carrière (1854–1893)
- Paul Ehrlich (1854−1915), Nobelpreis 1908
- Albano von Jacobi (1854–1919)
- Ludwig Döderlein (1855–1936)
- Otto Lehmann (1855–1922)
- Theobald von Bethmann Hollweg (1856–1921)
- Julius Smend (1857–1930)
- Georg Simmel (1858–1918)
- Adolf Krazer (1858–1926)
- Oskar Minkowski (1858–1931)
- Othmar Zeidler (1859–1911)
- Ewald Hilger (1859–1934)
- Hugo Hergesell (1859–1938)
- Max von Oppenheim (1860–1946)
- Eugène Müller (1861–1948)
- Robert Wollenberg (1862–1942)
- Stephan Kekule von Stradonitz (1863–1933)
- Andreas von Tuhr (1864 - 1925)
- Fritz van Calker (1864–1957)
- Georg Thilenius (1868–1937)
- Gustav Landauer (1870–1919)
- Paul Laband (1872-1918)
- Franz Weidenreich (1873–1948)
- Otto Loewi (1873–1961), Nobelpreis 1936
- Karl Schwarzschild (1873–1916)
- Bernhard Averbeck (1874–1930)
- Albert Schweitzer (1875–1965), Nobelpreis 1952
- Erwin Baur (1875–1933)
- Martin Spahn (1875–1945)
- Ernest Esclangon (1876–1954)
- Paul Rohmer (1876–1977)
- Maurice René Fréchet (1878–1973)
- Max von Laue (1879−1960), Nobelpreis 1914
- Herbert Stadler (1880–1943)
- Hans Kniep (1881–1930)
- Hermann Staudinger (1881−1965), Nobelpreis 1953
- Otto Fritz Meyerhof (1884−1951), Nobelpreis 1922
- Pierre Montet (1885–1966)
- Marc Bloch (1886–1944)
- Robert Schuman (1886–1963)
- Ernst Robert Curtius (1886−1956)
- Johannes Stroux (1886-1954)
- Friedrich Wilhelm Levi (1888–1966)
- Carl Schmitt (1888–1985)
- Beno Gutenberg (1889–1960)
- Max Meyer (Arzt) (1890–1954)
- André Danjon (1890–1967)
- Henri Lefebvre (1901–1991)
- Jean Cavaillès (1903–1944)
- Louis Néel (1904–2000), Nobelpreis 1970
- Henri Cartan (1904–2008)
- Emmanuel Levinas (1906–1995)
- Sergius Heitz (1908–1998)
- Michael Ellis DeBakey (1908–2008)
- Paul Ricoeur (1913-2005)
- André Neher (1914-1988)
- Étienne Juillard (1914–2006)
- René Thom (1923–2002), Fields-Medaille 1958
- Raymond Poidevin (1928–2000)
- Pierre Chambon (* 1931)
- Alberto Fujimori (* 1938)
- Jean-Marie Lehn (* 1939), Nobelpreis 1987
- Philippe Lacoue-Labarthe (1940–2007)
- Jean-Luc Nancy (* 1940)
- Jules Hoffmann (* 1941), Nobelpreis 2011
- Katia Krafft (1942–1991)
- Moncef Marzouki (* 1945)
- Maurice Krafft (1946–1991)
- Arsène Wenger (* 1949)
- Jean-Claude Juncker (* 1954)
Literatur [Bearbeiten]
- Gustav C. Knod: Die alten Matrikeln der Universität Straßburg. 1621–1793. 2 Bände und Registerband. Trübner, Straßburg 1897–1902
- Stephan Roscher: Die Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg 1872–1902. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2006, ISBN 3-631-31854-5 (zugl. Dissertation, Universität Frankfurt am Main 1991)
- Ulrike Rother: Die theologischen Fakultäten der Universität Straßburg. Ihre rechtlichen Grundlagen und ihr staatskirchenrechtlicher Status von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schöningh, Paderborn u. a. 2000, ISBN 3-506-73385-0 (zugl. Dissertation, Universität Freiburg 1996)
- Anton Schindling: Humanistische Hochschule und freie Reichsstadt. Gymnasium und Akademie in Straßburg 1538-1621. Steiner, Wiesbaden 1977 (Veröffentlichungen des Instituts für europäische Geschichte Mainz 77)
- Otto Warth: Das Kollegien-Gebäude der Kaiser Wilhelms-Universität zu Strassburg. Kraemer, Kehl 1885 (Digitalisat)
Weblinks [Bearbeiten]
- Deutschsprachige Webseite der Universität Straßburg
- Offizielle Website der (nationalen) Universitätsbibliothek Straßburg
- Die Museen und Sammlungen der Universität Straßburg
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Siehe Gedenktafel Palais Universitaire de Strasbourg-10 août 1949
Siehe auch [Bearbeiten]
- Observatoire de Strasbourg
- Zoologisches Museum der Stadt Straßburg
- Reichsuniversität Straßburg
- Kategorie:Hochschullehrer (Straßburg)
- École européenne de chimie, polymères et matériaux (ECPM), Fachhochschule für Chemie, Werkstoffe und Polymere
Liste der Universitäten und der Institutionen mit Universitätstatus in Frankreich
Établissements publics à caractère scientifique, culturel et professionnel (EPSCP) -- Dekret n°2000-250 - 15 März 2000
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