Postgeschichte und Briefmarken von Grönland

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Flagge Grönlands

Die Postgeschichte Grönlands ist auf Grund der Geschichte eng mit dem ehemaligen Mutterland Dänemark verbunden. Aufgrund seiner abgeschiedenen Lage und Größe konnte sich jedoch ein nahezu unabhängiges Postwesen im Laufe der Zeit entwickeln. Näheres zur allgemeinen Geschichte Grönlands findet sich im Artikel Grönland.

Grönland unter dänischer Herrschaft[Bearbeiten]

Die Anfänge des grönländischen Postwesens[Bearbeiten]

Nachdem im Jahre 1721 mit Hans Egede die ersten Europäer Grönland siedelten, kam es zu einem sehr langsamen und schleppenden Aufbau eines grönländischen Postwesens. Auf der größten Insel der Welt kam die Einrichtung von Postämtern und Postverbindungen vor allem durch die erschwerten klimatischen Bedingungen und die niedrigen Einwohnerzahlen kaum voran. Im Jahre 1774 erhielt schließlich die staatlich kontrollierte Den Kongelige Grønlanske Handel (KGH) das Monopol für den Postverkehr. Somit kontrollierte Dänemark den Aufbau des Postsystems bereits vor dem Kieler Frieden vom 14. Januar 1814. In diesem Friedensvertrag erhielt Dänemark die Insel endgültig zugesprochen.

Neben den Schwierigkeiten des Aufbaus eines Postwesens auf der Insel selbst machte das Polarklima der KGH auch die internationale postalische Versorgung Grönlands mit Hilfe der Schiffspost nahezu unmöglich. Jährlich konnte nur eine einzige Schiffsfahrt nach Dänemark in den Sommermonaten durchgeführt werden. In der zweiten Hälfte konnte dieser Postdienst langsam ausgebaut werden. Seit dem Jahre 1888 wurden meist Dampfschiffe, bis dahin noch Segelschiffe, eingesetzt. Um 1900 wurden jedoch immer noch nur zwei bis fünf Schifffahrten mit Postbeförderung jährlich durchgeführt.

Die Post der Kryolithminen[Bearbeiten]

Kryolithminen in Ivittuut
Lokale Briefmarke der Minengesellschaft.

Eine Sonderstellung in der frühen Entwicklung des grönländischen Postwesens nimmt der kleine Ort Ivittuut im Südwesten der Insel ein. In ihm wurde seit dem Jahre 1865 Kryolith (Eisstein - Na_3AlF_6) abgebaut. Das seltene und wertvolle Mineral wurde weltweit bislang nur an dieser Stelle gefunden. Durch die Minengesellschaft gab es viel häufigere Schiffsverbindungen nach Dänemark als im restlich Grönland. Diese erklärten sich dazu bereit bei ihren Fahrten auch Post mitzubefördern und sorgten somit für eine ausgezeichnete postalische Versorgung des kleinen Ortes im Vergleich zum restlichen Land.

Die Pakke-Porto-Ausgaben[Bearbeiten]

Pakke-Porto-Marke von 1905

Im Jahre 1905 entschloss man sie schließlich das Postsystem zu vereinheitlichen. Die Beförderung von Paketen in Grönland und vor allem die internationale Paketbeförderung von und nach wurde einheitlich geregelt. Hierfür wurden drei verschiedene Paketportomarken zu 1, 5 und 10 Øre verausgabt. Die Briefmarken wurden in Dänemark hergestellt und zeigen allesamt das Wappen Grönlands, den stehenden Eisbären, als zentrales Motiv. Die Auflage der so genannten „Pakke-Porto“-Marken betrugen 5 000 bis 10 000 Stück. Dies ist gemessen an der damaligen Einwohnerzahl Grönlands mit 10 000 Personen vergleichsweise hoch.

Neben dem Paketverkehr wurde auch der Briefverkehr einheitlich geregelt. Dieser wurde in ganz Grönland, wie es auch schon bis dahin üblich war, unabhängig von der Größe des Briefes gratis durchgeführt. Dieses besondere Privileg blieb den Grönländern bis zum Mai 1959 erhalten. Für mögliche Auslandsbriefe wurden jedoch keine Briefmarken von der grönländischen Post ausgegeben. Diese wurden mit Hilfe der Paketportomarken als Pakete befördert.

Dieses System des grönländischen Postwesens blieb in den nächsten dreißig Jahren nahezu unverändert bestehen. Die Serie der drei Paketportomarken wurde jedoch im Laufe der Jahre auf neun verschiedene Werte erweitert. Schließlich wurden im Jahr 1937 sowohl die Inschrift der Briefmarken als auch der Eisbär etwas dicker. Die erhöhten Auflagezahlen, vom Wert zu 20 Øre wurden 344 000 Stück hergestellt, zeugen jedoch vom erhöhten Postaufkommen des Landes. Zu dieser Zeit waren bis zu 17 verschiedene Schiffe mit Posttransporten in den Sommermonaten unterwegs.

Die Post in Avanersuaq[Bearbeiten]

Briefmarke für Avanersuaq („Thule“)

Avanersuaq ist das nördlichste Gebiet von Grönland. In ihm finden sich die nördlichst gelegenen Siedlungen der Welt. Für die grönländische Post war es durchaus schwer, dieses Gebiet postalisch zu versorgen. Deshalb gab es Anfrage aus Qaanaaq, dem größten Ort Avanersuaqs, ob man eine eigene Postverbindung per Schiff nach Kopenhagen einrichten durfte. Die grönländische Post gestattete dies und erlaubte außerdem die Ausgabe eigener Briefmarken zur Freimachung der mit der Schiffspost beförderten Briefe. Am 16. Juli 1935 kam es schließlich zur Ausgabe solcher Briefmarken. Sie wurden im Kopenhagen auf private Initiative erstellt. Es handelt sich somit um die ersten Freimarken, die in Grönland verwendet wurden. Diese vierteilige Briefmarkenserie wurde im Jubiläumsjahr 1935 unter dem Motto „25 Jahre Gründung der Siedlung Qaanaaq“ ausgegeben. Die Briefmarken trugen allerdings die Inschrift Thule / 1910–1935. Thule war hierbei der dänische Name für die Siedlung. Die Werte zu 10, 15, 30 und 45 Øre zeigten neben Walrossen und der dänischen Flagge Knud Rasmussen, den Gründer der Siedlung und das Kap York. Im Jahre 1936 wurde ein weiter Ergänzungswert zu 25 Øre mit einem Bild der Siedlung ausgegeben, die private Schiffspostverbindung nach Kopenhagen wurde jedoch am 31. Juli 1937 wieder eingestellt.

Die Übernahme durch die königliche dänische Post[Bearbeiten]

König Christian X. zierte als erster eine grönländische Dauermarke

Am 1. Dezember 1938 kam es zur Übernahme des gesamten Postverkehrs Grönlands durch die Königliche Dänische Post. Dies brachte eine Abschaffung der Paketpostmarken sowie eine Einführung gewöhnlicher Freimarken in ganz Grönland mit sich. Anders als auf den Färöer oder in Island kam dieser Schritt der dänischen Post sehr spät. Die Freimarkenserie zu 1, 5, 7, 10, 15 und 30 Öre sowie einer Krone zeigten das Bildnis des dänischen Königs Christian X. beziehungsweise die beiden Höchstwerte einen Eisbären.

Durch die Besetzung Dänemarks durch das Deutsche Reich blieb diese Ausgabe lange Zeit die einzige. Schließlich ging jegliche Verbindung mit dem Mutterland verloren und Grönland wandte sich an die USA und Kanada. Die US-amerikanische Armee kam selbst auf die Insel und richtete aus militärtaktischen Gründen mehrere Flughäfen ein, die ab dem Jahre 1941 auch für die ersten Luftpostverbindungen in Verwendung waren. Im Jahre 1945 wandte sich schließlich das Land an die USA und baten diese um Hilfe bei der Herstellung von Briefmarken.

Schon bald nach der Anfrage Grönlands, kam es zur Ausgabe von 70.000 Sätzen neuer grönländischer Briefmarken, die von der American Bank Note Co. in New York hergestellt wurden. Diese Serie, oft als American Issue bezeichnet, bestand aus neun Werten, die neben den dänischen König Christian X. auch Seehunde, Inuit im Kajak, Hundeschlitten und Eisbären zeigte. Nach der Befreiung Dänemarks wurde die American Issue noch mit dem Aufdrucken Danmark / Befriet / 5. Maj 1945 versehen. Nach dem Abzug der US-Amerikaner im Jahre 1946 kam es zur Einstellung der grönländischen Luftpost.

Die dänische Post übernahm jedoch wieder schnell das grönländische Postwesen und führte bald wieder eigene Briefmarkenausgaben ein. Auch ein Luftpostnetz mit der Verbindung nach Dänemark wurde im Jahre 1949 eingerichtet. Schließlich kam es zur Ausgabe der ersten Sondermarken und Wohltätigkeitsmarken Ende der 1950er Jahre.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Post und Briefmarken von Grönland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien