Tasiilaq

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Tasiilaq (Wie ein ruhiger See)
Tasiilaq
Tasiilaq
Kommune Kommuneqarfik Sermersooq
Geographische Lage 65° 36′ 42″ N, 37° 37′ 56″ W65.611666666667-37.6322222222220Koordinaten: 65° 36′ 42″ N, 37° 37′ 56″ W
Tasiilaq (Grönland)
Tasiilaq
Höhe m
Einwohner 2.062 (1.1.2014)
Gründung 1894
Zeitzone UTC-3
Gemeinde / Provinz (bis 2008)

Ammassalik / Tunu

Wappen Tasiilaqs (inoffiziell)
Lage von Tasiilaq auf Grönland
Fläche 232 100 km²

Tasiilaq (grönländisch), Ammassalik (dänisch, veraltete Schreibweisen Angmagssalik oder Angmassalik), ist mit einer Bevölkerungszahl von 2004 Einwohnern (Stand 2012)[1] der größte Ort im östlichen Grönland. Tasiilaq liegt an einem Fjord, wird umgeben vom ostgrönländischen Gebirge und zweigeteilt von einem Fluss. Die Lage an dem als besonders still geltenden Fjord führte zum Namen „Tasiilaq“, der „wie ein ruhiger See“ bedeutet.

Geschichte[Bearbeiten]

1830 segelte eine dänische Expedition unter der Leitung von Wilhelm August Graah (1793–1863) von Westgrönland entlang der Küste um das Kap Farvel an der Südspitze und kam bis zu einer 100 Kilometer südlich von Tasiilaq gelegenen Insel. Der erste Nicht-Inuit, der Tasiilaq erreichte, war der dänische Marineoffizier Gustav Holm (1849–1940), der 1884 als Leiter der Frauenbootexpedition an Land ging. Die zwei von ihm eingesetzten Umiaks, von Frauen geruderte kleine Fellboote, waren wendig genug, um mit ihnen zwischen den Eisschollen hindurch zu manövrieren. Gustav Holm überwinterte bei den Inuit, die bis dahin in praktisch vollständiger Isolation in einigen verstreuten Siedlungen gelebt hatten. Nur selten hatte eine kleine Gruppe Ostgrönländer eine Reise in den Westteil der Insel unternommen.

Holm verfügte über ein starkes Interesse an der reichen, noch völlig unbeeinflussten Kultur und beschrieb detailliert die religiösen Vorstellungen und Bräuche, die Legenden und die Musik, die einen bedeutenden Anteil am Alltagsleben der Inuit besaßen. Es gab eine Reihe gesellschaftlicher Gebote, die aus Angst vor dem Wirken böser Geister strikt eingehalten werden mussten. Schamanen (angakkoq) tanzten und traten mit Hilfe von Schamanentrommeln mit der jenseitigen Welt in Kontakt, um schlechtes Wetter zu vertreiben und Krankheiten zu heilen. Die bei jedem Anlass gesungenen Trommellieder besaßen eine magische Bedeutung. Die Jäger murmelten magische Verse (serratit), um einen glücklichen Ausgang der Jagd zu erreichen, die Frauen sangen bedeutungsvolle Lieder ihren Kindern vor.

1884 gab Holm die Zahl der Menschen im Distrikt mit 413 an. Eine weitere Expedition zählte 1892 nur noch 294 Menschen, die durch Hunger und Krankheiten dezimiert worden waren. 1894 wurde die erste Missions- und Handelsstation (koloni) in Tasiilaq errichtet und ab 1898 begann die Zusammenarbeit der westgrönländischen und dänischen Missionare Wirkung zu zeigen. Ihr Bestreben war, alle heidnischen Bräuche und die Trommellieder auszurotten. Der dänische Philologe und Eskimoforscher William Thalbitzer (1873–1958), der 1905–1906 in Tasiilaq überwinterte, konnte noch einige magische Formeln mit dem Phonographen aufzeichnen.[2]

Tasiilaq entwickelte sich zur zentralen Siedlung des Distrikts. Trotz von den Europäern eingeschleppten Krankheiten und Alkoholproblemen nahm die Bevölkerung in der Folge stark zu. Unmittelbar mit der Siedlungsgründung begann die Geldwirtschaft und die Einfuhr technischer Produkte für den Alltag. Bis zur Jahrhundertwende hatten die 400 Einwohner beispielsweise 87 Jagdgewehre erworben. Die Häuser aus Stein und Erde wurden bald durch solche aus Holz ersetzt.[3]

Die Anbindung an Westgrönland war schwierig, erst im Jahre 1961 erhielt Ostgrönland eine politische Vertretung in Nuuk, und erst 1974 wurde in Tasiilaq ein Helikopterflugplatz angelegt. Noch heute ist Tasiilaq verkehrstechnisch kaum an Westgrönland angebunden, über den Flugplatz in Kulusuk ist Tasiilaq am leichtesten von Island aus zu erreichen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Tasiilaq ist heute trotz seiner abgeschiedenen Lage mit Infrastruktur und grundlegenden Institutionen versorgt. Unter anderem ist dort ein Krankenhaus und eine Schule zu finden. Der Tourismus und Fischfang bilden die Hauptwirtschaftszweige.

Im Ort ist zudem Post Greenland ansässig. Das SEPAC-Mitglied verschickt von dort aus Briefmarken und Briefmarkenerzeugnisse für Sammler in die ganze Welt.[4]

Ehemalige Kommune Ammassalik[Bearbeiten]

Bis zum 2009 war Tasiilaq Hauptort der im Jahr 1963 eingerichteten Kommune Ammassalik mit insgesamt 3069 Einwohnern (Stand: 2007), die neben Tasiilaq die Siedlungen Ikkatteq, Isortoq, Kulusuk, Kuummiut, Sermiligaaq und Tiniteqilaaq, alle im Umkreis von 80 Kilometern von Tasiilaq gelegen, umfasste.

Der Name Ammassalik leitet sich von der Lodde (Grönländisch Ammassak) ab, die hier sehr zahlreich vorkommt und seit Jahrhunderten die wichtigste Nahrungsquelle der Bevölkerung darstellt. Sie ist daher auch im Wappen Ammassaliks vertreten.

Am 1. Januar 2009 wurde die am 1. Januar 1963 gegründete Kommune aufgelöst und ging in der neugegründeten Kommuneqarfik Sermersooq auf.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Heinz Barüske: Grönland: Kultur und Landschaft am Polarkreis. DuMont, Köln 1990, ISBN 3-7701-1544-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tasiilaq – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einige Bilder von Tasiilaq und Umgebung[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistics Greenland (Hrsg.): Greenland in Figures 2012. März 2012, ISBN 978-87-986787-6-2, ISSN 1602-5709, S. 9 (stat.gl, abgerufen am 13. Mai 2012).
  2. Michael Hauser: Traditional and Acculturated Greenlandic Music. In: Arctic Anthropology, Vol. 23, No. 1/2, 1986, S. 359–386, hier S. 360
  3. Grete K. Hovelsrud-Broda: The Integrative Role of Seals in an East Greenlandic Hunting Village. In: Arctic Anthropology, Vol. 36, No. 1/2, University of Wisconsin Press, 1999, S. 37–50, hier S. 37
  4. Homepage der Post Greenland