Potenzmenge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Potenzmenge von {x, y, z}, dargestellt als Hasse-Diagramm.

Als Potenzmenge bezeichnet man in der Mengenlehre die Menge aller Teilmengen einer gegebenen Grundmenge. Man notiert die Potenzmenge einer Menge X meist als \mathcal P(X). Das Wesen der Potenzmenge wurde schon von Ernst Zermelo untersucht. Der kompakte Begriff „Potenzmenge“ hingegen – der sich in dem Zusammenhang mit der arithmetischen Potenz anbietet – wurde auch von Gerhard Hessenberg in seinem Lehrbuch von 1906 noch nicht benutzt; er verwendet dafür die Wortverbindung „Menge der Teilmengen“.

Definition[Bearbeiten]

Die Potenzmenge \mathcal P(X) einer Menge X ist eine neue Menge, die aus allen Teilmengen U von X besteht. Die Potenzmenge ist also ein Mengensystem, das heißt, eine Menge, deren Elemente selbst Mengen sind. In Formelschreibweise lautet die Definition einer Potenzmenge

\mathcal P(X) := \{ U \mid U \subseteq X \}.

Dabei ist zu beachten, dass sowohl die leere Menge \emptyset, als auch die Menge X selbst Teilmengen von X sind. Andere gebräuchliche Notationen für die Potenzmenge sind \mathfrak p(X),\ 2^X,\ \mathrm{Pot}(X),\ \Pi(X),\ \wp(X) und \mathfrak P(X).

Beispiele[Bearbeiten]

  • \mathcal P(\emptyset) = \{ \emptyset \}
  • \mathcal P(\{ a \}) = \bigl\{ \emptyset, \{ a \} \bigr\}
  • \mathcal P(\{ a, b \}) = \bigl\{ \emptyset, \{ a \}, \{ b \}, \{ a, b \} \bigr\}
  • \mathcal P(\{ a, b, c \}) = \bigl\{ \emptyset, \{ a \}, \{ b \}, \{ c \}, \{ a, b \}, \{ a, c \}, \{ b, c \}, \{ a, b, c \} \bigr\}
  • \mathcal P(\mathcal P(\emptyset)) = \bigl\{ \emptyset, \{\emptyset\}\bigr\}
  • \mathcal P(\mathcal P(\{a\})) = \bigl\{ \emptyset, \{\emptyset\} , \{\{a\}\} , \{\emptyset , \{a\}\} \bigr\}

Strukturen auf der Potenzmenge[Bearbeiten]

Partielle Ordnung[Bearbeiten]

Die Inklusionsrelation \subseteq ist eine Halbordnung auf \mathcal P(X) (und keine Totalordnung, wenn X mindestens zwei Elemente hat). Das kleinste Element der Ordnung ist \emptyset, das größte Element ist X.

Vollständiger Verband[Bearbeiten]

Die Halbordnung (\mathcal P(X), \subseteq) ist ein vollständiger Verband. Dies bedeutet, dass es zu jeder Teilmenge von \mathcal P(X) ein Infimum und ein Supremum (in \mathcal P(X)) gibt. Konkret ist für eine Menge T \subseteq \mathcal P(X) das Infimum von T gleich dem Durchschnitt der Elemente von T, und das Supremum von T ist gleich der Vereinigung der Elemente von T, also

\inf(T) = \bigcap_{M \in T} M\quad\text{ und }\quad\mathrm{sup}(T) = \bigcup_{M \in T} M.

Das größte und das kleinste Element erhält man als Infimum bzw. Supremum der leeren Menge, also

\inf(\emptyset) = X\quad\text{ und }\quad\sup(\emptyset) = \emptyset.

Boolescher Verband[Bearbeiten]

Zieht man noch die Komplementabbildung  {}^\mathrm{c} : \mathcal P(X) \rightarrow \mathcal P(X) heran, ist (\mathcal P(X), \cap, \cup, ^\mathrm{c}, \emptyset, X) ein boolescher Verband, also ein distributiver und komplementärer Verband.

Kommutativer Ring[Bearbeiten]

Jeder boolesche Verband induziert eindeutig eine kommutative Ringstruktur, den sogenannten booleschen Ring. Hier auf \mathcal P(X) ist die Ringaddition gegeben durch die symmetrische Differenz von Mengen, die Ringmultiplikation ist der Durchschnitt. Die leere Menge ist neutral für die Addition und X ist neutral für die Multiplikation.

Charakteristische Funktionen[Bearbeiten]

Jeder Teilmenge T \subseteq X kann man die charakteristische Funktion \chi_T \colon X \to \{0,1\} zuordnen, wobei gilt


 \chi_T(x) := \begin{cases}
  1,& x \in T\\
  0,& x \not\in T
 \end{cases}

Diese Zuordnung ist eine Bijektion zwischen \mathcal P(X) und \{0, 1\}^X (wobei die Notation B^A für die Menge aller Funktionen von A nach B benutzt wird). Dies motiviert für \mathcal P(X) auch die Schreibweise 2^X, denn im von Neumanns Modell der natürlichen Zahlen ist 2 = \{0, 1\} (allgemein: n = \{0, ..., n-1\}).

Die Korrespondenz \mathcal P(X) \cong \{0, 1\}^X ist zunächst eine reine Bijektion, lässt sich aber leicht als Isomorphismus bezüglich jeder der oben betrachteten Strukturen auf der Potenzmenge nachweisen.

Die Größe der Potenzmenge (Kardinalität)[Bearbeiten]

|M| bezeichnet die Mächtigkeit einer Menge M.

Der Übergang zur Potenzmenge liefert also immer eine größere Mächtigkeit. Analog zu endlichen Mengen schreibt man auch 2^{|X|} für die Mächtigkeit |\mathcal P(X)| = \left|2^X\right| der Potenzmenge einer unendlichen Menge X. Die verallgemeinerte Kontinuumshypothese (GCH) besagt für unendliche Mengen X, dass |\mathcal P(X)| die nach |X| nächstgrößere Mächtigkeit ist: \mathrm{GCH} \implies (|X| < |Y| \implies |\mathcal P(X)| \leq |Y|).

Beschränkung auf kleinere Teilmengen[Bearbeiten]

Mit \mathcal P_\kappa(X) = \{ U \subseteq X : |U| < \kappa \} wird die Menge derjenigen Teilmengen von X bezeichnet, die weniger als \kappa Elemente enthalten. Beispielsweise ist \mathcal P_3(\{a,b,c\}) = \{ \emptyset, \{a\},\{b\},\{c\},\{a,b\},\{a,c\},\{b,c\}\}: Die Menge \{a,b,c\} selbst fehlt, da sie nicht weniger als 3 Elemente hat.

Sonstiges[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Oliver Deiser: Einführung in die Mengenlehre. Die Mengenlehre Georg Cantors und ihre Axiomatisierung durch Ernst Zermelo. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2004, ISBN 3-540-20401-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikibooks: Mathe für Nicht-Freaks: Potenzmenge – Lern- und Lehrmaterialien
 Wikibooks: Beweisarchiv: Mengenlehre – Lern- und Lehrmaterialien