Pseudarthrose

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Pseudarthrose am rechten Fuß (Mittelfußknochen V) nach einer nicht verheilten Fraktur infolge des Zuges der Peronäus-brevis-Sehne.
Klassifikation nach ICD-10
M84.1 Nichtvereinigung der Frakturenden (Pseudarthrose)
M96.0 Pseudarthrose nach Fusion oder Arthrodese
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Pseudarthrose (aus altgriech. ψευδής (pseudes) – "falsch" und arthros – "Gelenk") bezeichnet das Ausbleiben der Heilung eines Knochenbruchs (Fraktur) oder einer Osteotomie nach Ablauf von sechs Monaten seit dem Ereignis.[1]

Begriff[Bearbeiten]

Synonyme der Pseudarthrose sind Falschgelenk, Scheingelenk und Pseudogelenk. Wenn die Frakturheilung in einem Zeitraum von vier bis sechs Monaten nach dem Trauma nicht abgeschlossen ist, wird von einer verzögerten Frakturheilung gesprochen. Von einer Pseudarthrose betroffene Knochen sind häufig Schaftbrüche langer Röhrenknochen (Unterschenkel, Oberschenkel, Oberarm und Elle mit Speiche) sowie das Kahnbein.

Ferner gibt es angeborene Pseudarthrosen, z. B. am Schienbein, siehe Kongenitale Tibiapseudarthrose.

Zwei spezielle Formen werden unterschieden:

Die vitale Pseudarthrose lässt eine ausreichende Vaskularisation erkennen, jedoch besteht eine Instabilität der Fraktur. Dagegen zeigt die avitale Pseudarthrose neben einer Instabilität zugleich eine mangelhafte Durchblutung, oft auch infizierte Areale oder Sequester.[1]

Ursachen[Bearbeiten]

Als mechanische Faktoren für die Entstehung einer Pseudarthrose gelten folgende Ursachen:

  • Interposition von Weichteilen in den Frakturspalt
  • Dislokation bzw. Distraktion (Auseinanderziehen der Bruchenden)
  • geringe Kompression auf dem Frakturspalt, z. B. durch eine dynamische Kompressionsplatte
  • mangelhafte Ruhigstellung oder zu frühe Mobilisierung.

Zu den morbiden Faktoren zählen:

Symptome[Bearbeiten]

Pseudarthrosen führen häufig zu dauerhaften Funktionseinschränkungen und anhaltenden Schmerzen. Weitere Merkmale sind abnorme Beweglichkeit und ein Pseudarthrosespalt mit reaktiver Sklerosierung in der Umgebung im Röntgenbild.

Therapie[Bearbeiten]

Bei einer hypertrophen vitalen Pseudarthrose, deren Merkmale eine ausreichende Blutversorgung, eine breite Zone von Faserknorpelbildung sowie eine hohe Ossifikation sind, ist diese Therapie angezeigt:

Im Fall einer atrophen avitalen Pseudarthrose, deren Kennzeichen eine verminderte Durchblutung und ausbleibende Revaskularisierung durch nekrotische Fragmente sind, ist diese Therapie erforderlich:

Literatur[Bearbeiten]

  • George Chapchal (Hrsg.): Pseudarthroses and Their Treatment. 8. international symposium on top problems in orthopedic surgery. Thieme, Stuttgart 1983, ISBN 3-13-562801-9.
  • Michael Jäger und Carl J. Wirth: Pseudarthrosen. In: Diess. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie. Thieme, Stuttgart 1986, S. 338-345, ISBN 3-13-669701-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Pseudarthrose. In: Peter Reuter (Bearb.): Springer Lexikon Medizin. Springer, Berlin 2004, ISBN 3-540-20412-1.
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