Rüdiger Döhler
Rüdiger Döhler (* 24. August 1948 in Rochlitz, Sachsen) ist ein deutscher Orthopäde und Chirurg.
Inhaltsverzeichnis |
Leben [Bearbeiten]
Als Sohn eines Oberfeldwebels und Lehrers wuchs Döhler in Erlau (Sachsen) und Hohen Neuendorf auf. Eine halbe Stunde vor dem Zugriff der Stasi floh seine Familie im Januar 1958 aus der Deutschen Demokratischen Republik über West-Berlin nach Bremerhaven. Die SPD hatte den der SED missliebigen Vater 1957 dorthin vermittelt.
Nach dem Abitur an der altsprachlichen Wilhelm-Raabe-Schule (Bremerhaven) ging Döhler in der Crew X/67 als Reserveoffizieranwärter (San) zur Bundesmarine. Als Seekadett entlassen, studierte er von 1968 bis 1974 Medizin an der Christian-Albrechts-Universität Kiel, unterbrochen von drei Semestern an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Universität Hamburg. Im Studium segelte er viele Seeregatten der Kieler Woche, Nordseewoche und Cowes Week. Von 1980 bis 1990 war er im Johanniterorden, seit 1989 als Rechtsritter. Seine drei Bülow-Kinder leben in Lissabon, Berlin und Köln.
In seiner Mecklenburger Zeit engagierte sich Döhler als Pianist und trat mit Christiane Klonz, dem collegium musicum Parchim und dem Mecklenburger Ärztetrio auf, das eine Zeitlang von einem Berliner Philharmoniker beraten wurde.[1] Beim Festakt zum hundertjährigen Bestehen der deutschen Orthopädengesellschaft (2001) konzertierte er mit dem Orchester der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg im Konzerthaus Berlin.
Chirurgie [Bearbeiten]
Nach dem Staatsexamen im Januar 1975 war er Medizinalassistent in Kiel, Bremerhaven und Essen. Im April 1976 wurde er als Arzt approbiert. Mit einer Arbeit bei Gert Zierott promovierte er cum laude zum Dr. med..[2] In Pathologie (L.-D. Leder, Essen), Chirurgie (G. Heinemann, Minden) und Orthopädie (W. Blauth, Kiel) ausgebildet, wurde er 1983 Facharzt für Orthopädie. Um osteologische Grundlagenforschung zu betreiben, ging er im März 1984 mit einem DFG-Stipendium für anderthalb Jahre zu Sean Hughes an die Universität Edinburgh. Wieder in Deutschland, war er fünf Jahre Oberarzt der Orthopädischen Universitätskliniken in Kiel und Münster (H. H. Matthiaß, Wirbelsäulenchirurgie). Im Juni 1990 kehrte er in die Chirurgie zurück und wurde am Hamburger AK Altona bei Friedrich Hennig auch Chirurg. Seine Forschungsarbeit konnte er bei Werner Lierse im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf fortführen und 1993 mit der Habilitation an der Universität Hamburg abschließen.[3][4]
1995 ging er mit seiner Frau Marlo geb. Kröpelin nach Plau am See, um sich mit ihr am Aufbau des neuen Krankenhauses am Plauer See zu beteiligen. Nach der Wende (DDR) als privatwirtschaftliche Fachklinik für Neurologie/Neurochirurgie und Orthopädie geplant, war es der erste Krankenhausneubau in Mecklenburg-Vorpommern. Zum Verletzungsartenverfahren der Berufsgenossenschaften (bis 2007) zugelassen, verband Döhlers Abteilung als erste in Deutschland die zehn Jahre später zusammengelegten Fächer Orthopädie und Unfallchirurgie. Operative Schwerpunkte waren Korrekturosteotomien und Endoprothesen, vor allem Implantatwechsel. Angeborene Hüftluxationen bei Erwachsenen waren relativ häufige Altlasten aus der DDR. Vor den systematischen Geschwindigkeitsbegrenzungen und Verkehrskontrollen im ländlichen Mecklenburg spielten Polytraumen eine große Rolle.[5] Ab 1998 baute Döhler mit Dr. Jacek Kotas und Dr. Robert Jäckel in Plau die im Land erste Abteilung für Handchirurgie auf. Unterstützt von der Mediclin, förderte er die zivil-militärische Zusammenarbeit als Gastgeber „weißer“ Wehrübungen.[6][7]
Mit einem Stuttgarter Unfallchirurgen folgte er im März 2001 der Einladung des irakischen Gesundheitsministers, am Saddam Center for Reconstructive Surgery in Bagdad zu operieren. Für das Friedensdorf International operierte er in Plau am See Kinder aus Afrika und Zentralasien.[8][9] Für die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ half er ehemaligen NS-Zwangsarbeitern aus Polen und der Ukraine.
Das Royal College of Surgeons of Edinburgh verlieh ihm 1999 als erstem Deutschen die Fellowship without Examination.[10] Seit 1996 an die Charité in Berlin umhabilitiert, wurde er im Januar 2006 apl. Professor an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.[11]
Im Januar 2008 wechselte er in den Dienst des Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhauses Hamburg, das ihn zeitweise nach Elmshorn und St. Peter abstellte. 2010 war er designierter Ärztlicher Direktor des Centro Médico La Paz in Bata, Äquatorialguinea.[12] Zur Stabilisierung von Wirbelsäulenfrakturen führte er dort die Spondylodese ein.
Bundeswehr [Bearbeiten]
Vor dem Studium kam er nach der Grundausbildung im Marineausbildungsbataillon 3 an die Marineversorgungsschule, auf die Gorch Fock (unter Peter Lohmeyer) und an die Marineschule Mürwik. Im Bundeswehrkrankenhaus Detmold wurde er im August 1979 vom Oberleutnant zur See zum Stabsarzt und zuletzt im Mai 1993 als einziger Sanitätsoffizier im 1. Zerstörergeschwader zum Flottenarzt d. R. befördert. Beim DESEX 1/94 mit Henning Bess im Südatlantik war er Senior Medical Officer.[13] Er trägt das Seefahrerabzeichen in Silber. 1994 hospitierte er im National Naval Medical Center. Am 7. November 2003 wurde er als Nachfolger von Jörg Haasters Regimentskommandeur des Lazarettregiments 71 (na).[6] Mit ihrer Auflösung wurde er im Dezember 2007 aus der Reservelazarettorganisation im Hamburger Rathaus verabschiedet.
Corpsstudent [Bearbeiten]
Seit 1969 Corpsstudent, war Döhler in seiner Kieler Studentenzeit 1973 Vorortsprecher des Kösener SC-Verbandes.[14] Seit 1992 ist er Mitglied des Academischen Clubs zu Hamburg. Er war in Kiel und Potsdam die treibende Kraft beim Wiederaufbau des Corps Masovia und von 2001 bis 2006 Vorsitzender des Altherrenvereins.[15] Seit langem befasst er sich mit Preußen, Königsberg und Ostpreußen und mit der Geschichte der Studentenverbindungen.[16][17][18]
Ehrenämter [Bearbeiten]
- Landesarzt der Johanniter-Unfall-Hilfe Schleswig-Holstein (1986–1990)
- Mitglied des Konvents der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität (1987/88, VHW)
- Mitglied der 4. und 5. Kammerversammlung der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern
- Beirat Chirurgische Allgemeine
- Beirat awiso
- Vorsitzender des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung (seit 2009)
Bücher [Bearbeiten]
- Verletzungsfolgen an Bewegungsapparat und Wirbelsäule, in: Achim Reichelt (Hg.): Orthopädie. Stuttgart 1993, ISBN 3-432-25201-3. GoogleBooks
- Lexikon orthopädische Chirurgie. Berlin 2003, ISBN 3-540-41317-0. GoogleBooks
- mit Margret Liehn und Lutz Steinmüller (Hg.): OP-Handbuch. Grundlagen, Instrumentarium, OP-Ablauf, 5. Auflage. Berlin Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-16844-4 (3. Auflage bei GoogleBooks) [19]
- Corps Masovia. Die 175jährige Geschichte von Königsbergs ältester und Potsdams erster Korporation im 21. Jahrhundert. München 2005, ISBN 3-00-016108-2. GoogleBooks
- Der Seniorenconvent zu Königsberg. Ostpreußen und seine Corps vor dem Untergang, in Einst und Jetzt:
- Teil I – Bd. 52 (2007), S. 147–176. ISSN 0420-8870
- Teil II – Bd. 54 (2009), S. 219–288. ISSN 0420-8870
- Siegfried Schindelmeiser: Die Albertina und ihre Studenten 1544 bis WS 1850/51 und Die Geschichte des Corps Baltia II zu Königsberg i. Pr.. Erstmals vollständige, bebilderte und kommentierte Neuausgabe in zwei Bänden mit einem Anhang, zwei Registern und einem Vorwort von Franz-Friedrich Prinz von Preußen, herausgegeben von Rüdiger Döhler und Georg von Klitzing, München 2010, ISBN 978-3-00-028704-6. GoogleBooks
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ NDR 1 Radio MV: Das Mecklenburger Ärztetrio. Rüdiger Döhler, Wolfgang Thiess und Frieder Rohn. 11. Juli 2004, 19.05 bis 20.00 Uhr
- ↑ Dissertation: Die intraoperative bakterielle Kontamination und ihre Beeinflussung durch intraoperative Spülungen mit Kochsalzlösung und Kanamycin in Hinblick auf die postoperative Heilung der Operationswunde (Kiel 1976)
- ↑ Habilitationsschrift: Untersuchungen zur neurovaskulären Versorgung kortikalen Knochens. Histologie und elektronenmikroskopische Funktionsanalyse an Ratte und Maus (Hamburg 1991)
- ↑ Deutsche Universitätszeitung (1994)
- ↑ R. Döhler, R. Baetgen: Zur klinischen Primärversorgung von Schwerverletzten. Chirurgische Allgemeine 8 (2007), S. 188 f.
- ↑ a b Marc Ebel, Arno Roßlau: Die Reserveorganisation im Verantwortungsbereich des Sanitätskommandos I 1963 bis 2007. Kiel 2007
- ↑ Erste Übung für den Krisenfall war erfolgreich. Schweriner Volkszeitung vom 27. April 2001
- ↑ Schweriner Volkszeitung vom 11. März 2004: Medizin auf höchstem Niveau
- ↑ Schweriner Volkszeitung vom 3. November 2004: 13jährige Usbekin erneut in Plau operiert
- ↑ RCSEd
- ↑ Mitteilung in der Plauer Zeitung (PDF; 1,8 MB)
- ↑ Bata
- ↑ Mit der Marine im Südatlantik. Corpszeitung der Altmärker-Masuren 91 (1994), S. 164–168
- ↑ Kösener Corpslisten 1981, 76, 191
- ↑ Verzeichnis sämtlicher Mitglieder des Corps Masovia 1823 bis 2005. Potsdam 2006
- ↑ R. Döhler: Säulen Preußens – 59 Corpsstudenten als Oberpräsidenten preußischer Provinzen. Einst und Jetzt 55 (2010), S. 143–148, ISBN 978-3-87707-781-8
- ↑ R. Döhler: Wilhelm II. – eine Würdigung zum 150. Geburtstag. CORPS-Magazin 1/2009, S. 23 f.
- ↑ R. Döhler: Der Deutsche Idealismus und das Corpsstudententum, in: Sebastian Sigler (Hg.) Freundschaft und Toleranz. 200 Jahre Corps Bavaria zu Landshut und München. München 2006, S. 183–188, ISBN 3-932965-86-8
- ↑ OP-Handbuch, 5. Auflage
Literatur [Bearbeiten]
- Privatdozent Dr. med. J. R. Döhler, in: Profile aus dem Landkreis Parchim, Bd. 2 (1999), S. 69
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Rüdiger Döhler im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Literatur über Rüdiger Döhler in der Landesbibliographie MV
- Artikel in der U.S. National Library of Medicine
- Informationen zu R. Döhler im BAM-Portal
- WorldCat
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Döhler, Rüdiger |
| ALTERNATIVNAMEN | Döhler, Joachim Rüdiger (vollständiger Name); Döhler, Roger (geläufiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Orthopäde, Chirurg und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 24. August 1948 |
| GEBURTSORT | Rochlitz, Sachsen |
- Orthopäde, Unfallchirurg
- Chirurg
- Mediziner (20. Jahrhundert)
- Mediziner (21. Jahrhundert)
- Herausgeber
- Studentenhistoriker
- Hochschullehrer (Charité)
- Hochschullehrer (Greifswald)
- Corpsstudent (20. Jahrhundert)
- Sanitätsoffizier (Bundeswehr)
- Rechtsritter (Johanniterorden)
- Person (Johanniter-Unfall-Hilfe)
- Person (Mecklenburg-Vorpommern)
- Deutscher
- Geboren 1948
- Mann