Psyttalia

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Psyttalia (Ψυττάλεια)
Satellitenaufnahme von Psyttalia und Umgebung
Satellitenaufnahme von Psyttalia und Umgebung
Gewässer Saronischer Golf, Mittelmeer
Inselgruppe Saronische Inseln
Geographische Lage 37° 56′ 30″ N, 23° 35′ 17″ O37.94166666666723.588055555556Koordinaten: 37° 56′ 30″ N, 23° 35′ 17″ O
Psyttalia (Ψυττάλεια) (Griechenland)
Psyttalia (Ψυττάλεια)
Länge 475 m
Breite 1,52 km
Fläche 37,5 ha
Einwohner (unbewohnt)

Psyttalia (Aussprache: [psiˈtalja], griechisch Ψυττάλεια (f. sg.), nach ihrer früheren Form auch Lipsokoutala (Λειψοκουτάλα ‚Löffelchen‘) genannt) ist eine unbewohnte kleine Insel im Saronischen Golf in Griechenland, auf der eine riesige Kläranlage für den Großraum Athen errichtet wurde.

Geografie[Bearbeiten]

Psyttalia ist eine 0,375 km² große Insel, die ursprünglich aus Kalkstein und Lehm besteht. Die Insel ist 2,2 km südlich der Küste von Keratsini, einem Vorort von Piräus, in der Mitte zwischen dem Hafen von Piräus und der Insel Salamis gelegen. Verwaltungsmäßig gehört die Insel zu Piräus.

Geschichte[Bearbeiten]

psytt-allos bedeutet wörtlich ‚vom Meer ausgespuckt‘. Bei den Arbeiten auf der Insel, die Raum für die biologische Kläranlage schafften, wurden Meeresfossilien im Kalkstein gefunden.

Die Insel war in erbitterte Kämpfe zwischen Griechen und Persern bei der Schlacht von Salamis im Jahr 480 v. Chr. einbezogen. Die Perser hatten Psyttalia einige Tage vor der Schlacht besetzt. Aristides nahm sie wieder ein und vernichtete die Perser, die sich nach dem Untergang ihrer Schiffe dorthin geflüchtet hatten.

Mitte des 20. Jahrhunderts war Psyttalia eine Gefängnisinsel der griechischen Marine.

Eine kleine archäologische Ausgrabungsstätte sowie einige Gräber sind erhalten.

Der Rest der Insel allerdings wurde seit 1990 völlig umgestaltet, um das Abwasser von Athen zu behandeln. Hierzu wurde zunächst eine kleine Bucht an der Nordseite der Insel mit zwei Millionen Kubikmeter Aushubmaterial aufgefüllt.

Kläranlage[Bearbeiten]

Auf der Insel wurde die Kläranlage KELPS für das Abwasser des Großraums Athen errichtet.

Kapazität[Bearbeiten]

Die Kläranlage auf der Insel Psyttalia ist die zweitgrößte in Europa und gehört zu den größten der Welt. Hier werden kommunale und vorbehandelte Industrieabwässer aus dem Großraum Athen mit rund 5,6 Millionen Einwohnern gereinigt. Der überwiegende Teil des Abwassers fließt zu einer Pumpstation an der Küste, wo es von neun gigantischen archimedischen Schraubenpumpen auf die Insel gepumpt wird.

Die Kapazität beträgt eine Million Kubikmeter Abwasser pro Tag, also etwa zwölf Kubikmeter in der Sekunde; 2006 wurden durchschnittlich 705.000 Kubikmeter Abwasser pro Tag behandelt. Die Anlage entspricht der EU-Richtlinie zur Abwasserbehandlung für das Jahr 2020.

Baugeschichte[Bearbeiten]

  • Phase A: Bis 1994, als die erste Anlage auf Psyttalia beauftragt wurde, wurde der größte Teil des Athener häuslichen und Industrie-Abwassers ohne jede Behandlung abgeleitet, was zu gravierenden chemischen[1] und bakteriellen Belastungen[2] führte. Mit Fertigstellung der Phase A, der Primärstufe, im Jahr 1994 wurde die Schadstoffbelastung im Abwasser um 35 Prozent gesenkt. Seitdem besorgt die Anlage eine Erstbehandlung, die Filterung, Entsandung, Vorklärung, anaerobe Aufbereitung und mechanische Entwässerung des Klärschlamms umfasst. Das behandelte Abwasser wurde sodann über Pipelines in 2000 m Entfernung in einer Tiefe von 64 Metern entsorgt.
  • Phase B: Um die strengeren Grenzwerte für Stickstoff einzuhalten, die die Richtlinie der Europäischen Union für kommunale Abwasserbehandlung vorsah, war eine wesentliche Verbesserung nötig. Vor der von der EU geförderten Aufrüstung, die 200 Millionen Euro kostete, war der Saronische Golf von der EU als kritisch eingeschätzt worden. Durch Umsetzung der Phase B, der sekundären biologischen Stufe, im Sommer 2004 konnten die Schadstoffbelastung um 93 Prozent und die Stickstoffmenge durch tertiäre Behandlung um 80 Prozent reduziert werden. Insgesamt wurden vier Millionen Kubikmeter Erdreich abgeräumt, um Platz für die biologische Kläranlage zu schaffen. Auch wurden große 9,4 m hohe Bioreaktoren bzw. Belebungsbecken gebaut. Die technische Aufrüstung umfasste eine biologische Behandlung, durch die organische umweltschädliche Kohlenstoff-, Stickstoff- und Phosphorverbindungen entfernt werden. Die Kläranlage hat damit die Wasserqualität und die Umweltbedingungen im Saronischen Golf ganz wesentlich verbessert.
  • Klärschlammtrocknung: In der Kläranlage von Psyttalia fällt täglich eine Menge von rund 800 Tonnen Klärschlamm an. Dieser wurde zuletzt auf dem Anlagengelände zwischengelagert, während er früher zu der Deponie von Ano Liossia verbracht worden war. Die Zwischenlagerung von Klärschlamm barg erhebliche Risiken für die öffentliche Gesundheit und die Umwelt und verstieß gegen die einschlägigen EU-Vorschriften.[3] Seit kurzem gibt es eine neue thermische Klärschlamm-Trocknungsanlage, deren Errichtung aus EU-Mitteln gefördert wurde und die seit September 2007 betriebsbereit ist. Damit wurde die Vorschriftsmäßigkeit des Kläranlagenbetriebs wiederhergestellt.[4] Die Anlage besteht aus vier Trocknungslinien mit einer Gesamtleistung von 34,5 Tonnen Wasserverdampfung pro Stunde – das entspricht 300 Tonnen getrocknetem Schlamm pro Tag. Die Anlage arbeitet energieeffizient und verbraucht durchschnittlich 917 Kilowattstunden thermische Energie pro Tonne verdampften Wassers. Bis zu 80 Prozent des Energiebedarfs werden aus Kraft-Wärme-Kopplung zurückgewonnen. Nach der Geruchsbehandlung werden die Abgase durch regenerative thermische Nachverbrennung minimiert und dann in die Atmosphäre abgegeben. Der restliche getrocknete Klärschlamm wird zum Festland verschifft und entsorgt.

Die Anlage soll bis 2026 weiter ausgebaut werden; danach soll die Saronische Bucht schrittweise wieder zu einer für Fischfang und Freizeitaktivitäten geeigneten Zone saniert werden.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. P. Grimanis et al., Pollution studies of trace elements in sediments from the Upper Saronikos Gulf, Greece, Journal of Radioanalytical and Nuclear Chemistry 1977, S. 761 (englisch)
  2. Efstratiou et al., Correlation of bacterial indicator organisms with Salmonella spp., Staphylococcus aureus ans Candida albicans in sea water, Letters in Applied Microbiology 1998, (englisch)
  3. Richtlinie 75/442/EWG über Abfälle und Richtlinie 91/271/EWG über die Behandlung von kommunalem Abwasser (PDF; 177 kB)
  4. Umweltschutz: EU-Kommission ergreift weitere rechtliche Maßnahmen gegen Griechenland wegen Vertragsverletzung. EU-Kommission, 31. Januar 2008, abgerufen am 5. Juli 2010.
  5. Webseite der Athens Water Supply and Sewerage Company (EYDAP SA) (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]