Quadricycle

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Soncin Quadricycle von 1901
De Dion-Bouton Quadricycle

Quadricycle (das Kofferwort aus lateinisch quadruplex, „vierfach“ und griechisch κυκλῶν kyklōn, „rotierend“ bedeutet sinngemäß Vierrad ) ist eine Automobilbauart aus der Frühzeit des Automobils. Quadricycle und das ähnliche, aber dreirädrige Tricar sind Unterarten des Forecar.

Der Begriff wird auch auf einige sehr frühe Automobile angewendet, deren Konstruktion jedoch eigenständig war. Solche Quadricycles sind etwa bekannt von Serpollet, De Dion, Bouton & Trépardoux (beide mit Dampfantrieb), Riker Electric oder Henry Ford. Dabei handelt es sich in Regel um Prototypen, Einzelstücke oder nur in kleinsten Stückzahlen gebaute Fahrzeuge.

Bauweise[Bearbeiten]

Quadricycles wurden von Motorrädern abgeleitet. Der hintere Teil des Fahrzeugs war der eines Motorrads, mitsamt Motor und Sattel für den Fahrer, allerdings mit einem eigens angefertigten Rohrrahmen.[1] Die Fahrzeuge hatten zwei Hinterräder. Vor dem Lenker befand sich ein Sitz für einen Passagier.[2] Dieser Sitz war oftmals zwischen den beiden Vorderrädern und somit besonders niedrig angebracht. Der Passagier war sozusagen Windschutz und Stoßstange.[2]

Bauzeit[Bearbeiten]

1895 konstruierte Léon Bollée in seinem Unternehmen sein erstes Tricar.[1] Andere Hersteller folgten mit eigenen vierrädrigen Varianten. Bereits um 1901 setzten sich leichte, vierrädrige Kleinwagen durch, die auf einer Sitzbank Platz für zwei Personen nebeneinander boten. Auch Motorräder, die wahlweise mit Beiwagen als Motorradgespann ausgestattet werden konnten, verdrängten die Quadricycles. Etwa 1906 verschwand diese Bauweise vom Markt.

Hersteller von Quadricycles[Bearbeiten]

Die meisten Quadricycles wurden in Frankreich gefertigt. Unter anderem stellten Automoto, De Dion-Bouton, Peugeot, Phébus und Soncin Quadricycles her. Auch Canda[1] und Waltham[1] aus den USA sowie Beeston[3] aus England produzierten solche Fahrzeuge.

"La Marquise"[Bearbeiten]

De Dion, Bouton & Trepardoux La Marquise Dampf-Quadricycle (1884)
Hauptartikel: La Marquise

Eines der bekanntesten frühen Quadricycles ist "La Marquise", 1884 von De Dion, Bouton & Trepardoux als Experimentalfahrzeug gebaut. Es war als Dos-à-dos ausgeführt; die hinteren Passagiere saßen mit dem Rücken zur Fahrtrichtung. Der Fahrer hatte vor sich den stehenden Dampfkessel. Die beiden Dampfmaschinen waren mit je einem Vorderrad verbunden, gelenkt wurde mit den hinteren. Rahmen und Räder stellte der Pariser Fahrradbauer Renaud her.

Das Nachfolgeunternehmen De Dion-Bouton baute um 1900 von seinem Tricycle abgeleitete, typische Quadricycles mit hauseigenem Einzylindermotor.

Ford Quadricycle[Bearbeiten]

Das Ford Quadricycle war kein Quadricycle im Sinne der in Europa üblichen Definition von Quadricycle.

Henry Ford nannte seinen ersten Prototypen Ford Quadricycle[4]. Mit der Sitzbank in Fahrzeugmitte, auf der zwei Personen nebeneinander Platz fanden, entsprach das Fahrzeug aber nicht der in Europa üblichen Definition von Quadricycle.

Literatur[Bearbeiten]

  • David Burgess-Wise (Herausgeber): London to Brighton Veteran Car Run 1996. TRMG, High Barnet 1996, S. 40 (englisch)
  • Harald Linz und Halwart Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie. United Soft Media Verlag GmbH, München 2008, ISBN 978-3-8032-9876-8
  • Dammann, George H.: Illustrated History of Ford, Crestline Publishing Co., Sarasota FL (1970),ISBN 0-912612-02-9 (Englisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Quadricycle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Linz und Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie.
  2. a b Burgess-Wise: London to Brighton Veteran Car Run 1996.
  3. David Culshaw, Peter Horrobin: The Complete Catalogue of British Cars 1895–1975, Veloce Publishing PLC, Dorchester (1997), ISBN 1-874105-93-6 (englisch)
  4. Dammann: Illustrated History of Ford, S. 7