Rätoromanische Sprachen

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Als rätoromanisch – manchmal auch alpenromanisch – wird eine Gruppe romanischer Sprachen in der Schweiz und Italien bezeichnet, nämlich Bündnerromanisch (im Schweizer Kanton Graubünden), Dolomitenladinisch (im Dolomitengebiet) und Friaulisch (in Friaul). Die Frage, ob diese drei Sprachen, die kein zusammenhängendes Sprachgebiet besitzen, eine genetische Einheit innerhalb des Romanischen bilden, wurde lange diskutiert und ist bis heute nicht entschieden. Von den Gegnern dieser Einheit wird meist auch der Begriff „rätoromanisch“ als zusammenfassende Bezeichnung der drei Sprachen abgelehnt, stattdessen wird er ausschließlich für das Bündnerromanische verwendet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Questione Ladina

Die Diskussion über Art und Grad der Verwandtschaft dieser drei Sprachen bildet den Kern der Questione Ladina. Vereinfachend lassen sich die gegensätzlichen Positionen wie folgt beschreiben:

  • Es gibt eine genetische Einheit der Sprachen Bündnerromanisch, Dolomitenladinisch und Friaulisch, also eine unità ladina. Rätoromanisch bezeichnet dann eine klar definierte genetische Untereinheit des Romanischen.
  • Eine solche genetische Einheit existiert nicht, da die drei Dialektgruppen keine gemeinsamen Innovationen bzw. definierenden linguistischen Merkmale aufweisen, die sie hinlänglich von anderen romanischen Varietäten unterscheiden. Rätoromanisch bezeichnet dann lediglich eine Restgruppe alpenromanischer Varietäten, die nicht Dialekt einer der großen romanischen Kultursprachen Italienisch oder Französisch sind. (Für manche Autoren verliert die Bezeichnung damit ihre Berechtigung.)

Man kann die drei rätoromanischen Idiome, die kein zusammenhängendes Sprachgebiet besitzen, als Restdialekte des Latein der römischen Provinz Raetia ansehen, welche sich keiner anderen romanischen Sprache zuordnen oder als deren Dialekt einstufen lassen (Französisch, Italienisch). In der Tat entwickelten sich die rätoromanischen Mundarten weitgehend unabhängig von den benachbarten romanischen Kultursprachen und standen mit diesen seit der Römerzeit nur wenig oder gar nicht in Wechselwirkung.

Im engeren Sinne bezieht sich „Rätoromanisch“ ausschließlich auf das Bündnerromanische, wobei die alpinlombardischen Dialekte der Bündner Südtäler Bergell, Puschlav, Misox und Calanca nicht mitgemeint sind). In diesem Artikel werden die rätoromanischen Sprachen im weiteren Sinne betrachtet, ohne damit eine Entscheidung in der Frage der genetischen Einheit der drei Sprachen oder Dialektgruppen zu treffen.

Der Sprachkenncode (Language Code) für all diese Sprachen (außer Furlanisch) ist verwirrenderweise stets gleich, nämlich rm bzw. roh (nach ISO 639).

[Bearbeiten] Gliederung

Ehemaliges Verbreitungsgebiet der einzelnen romanischen Idiome in Graubünden

Die drei rätoromanischen Sprachen weisen – unabhängig von der Frage ihrer genetischen Einheit – folgende dialektale Gliederung auf:

Bündnerromanisch

Ladinisch

  • Maréo/Badiot (Ennebergisch/Abteitalisch)
  • Gherdëina (Grödnerisch)
  • Fascian (Fassanisch)
  • Anpezan (Ampezzanisch)
  • Fodom (Buchensteinisch)

Furlanisch oder Friaulisch (Furlan)

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Georg Bossong: Die romanischen Sprachen. Eine vergleichende Einführung. Buske, Hamburg 2008
  • Martin Harris, Nigel Vincent (Hrsg.): The Romance Languages. Oxford University Press; London 1988
  • Ricarda Liver: Rätoromanisch. Eine Einführung in das Bündnerromanische. 2. Aufl.; Narr; Tübingen 2010
  • Lorenzo Renzi: Einführung in die romanische Sprachwissenschaft. Narr; Tübingen 1981
  • Carlo Tagliavini: Einführung in die romanische Philologie. Francke; Bern 1998. (Erstauflage 1972)

[Bearbeiten] Weblinks

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