Rürup-Rente

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Die Basisrente, umgangssprachlich als Rürup-Rente nach dem Ökonomen Bert Rürup bezeichnet, wurde 2005 in Deutschland als steuerlich begünstigte Form der privaten Altersvorsorge eingeführt. Sie trat damit neben die betriebliche Altersversorgung, die Riester-Rente und die „klassische“ private Rentenversicherung. Wegen ihrer von diesen Vertragsformen abweichenden Leistungskriterien und steuerlichen Behandlung gilt die Basisrente als günstige Alternative insbesondere für Personen, welche in der Ansparphase ein höheres steuerpflichtiges Einkommen haben und mangels Pflichtversicherung zur gesetzlichen Rentenversicherung keine Riester-Rente in Anspruch nehmen können, etwa weil sie Selbständige sind oder beitragspflichtig zu einem Versorgungswerk.

Einer der Unterschiede der Basisrente zur gesetzlichen Rente ist,[1] dass die Basisrente nicht umlagefinanziert, sondern versicherungswirtschaftlich kapitalgedeckt ist. Von der „klassischen“ privaten Rentenversicherung und der „Riester-Rente“ unterscheidet sich die Basisrente unter anderem darin, dass es bei ihr kein „Kapitalwahlrecht“ gibt, die Ansprüche also nicht in Form einer Ablaufsumme ausgezahlt werden können. Stattdessen sind Basisrenten stets zu verrenten, das angesparte Kapital darf also nur ratenweise ausgezahlt werden. Dagegen kann der erworbene Leistungsanspruch in der privaten Rentenversicherung auf Wunsch vollständig und bei der „Riester-Rente“ bis zu 30 % als Einmalbetrag ausgezahlt werden.

Voraussetzungen[Bearbeiten]

Die Beiträge zum Aufbau einer Rürup-Rente sind nur unter folgenden Einschränkungen und Voraussetzungen als Sonderausgaben absetzbar:

  • im Rahmen der gesetzlichen Höchstbeträge (derzeit jährlich 20.000 Euro bei Ledigen und 40.000 Euro bei Verheirateten).
  • der Versicherungsvertrag darf nur monatliche Zahlungen vorsehen, was auch für etwaige Zusatzversicherungen gilt, wie Berufsunfähigkeitsrenten oder Witwen- und Waisenversorgungen beziehungsweise Beitragsrückgewähr nach Tod des Versicherungsnehmers. Bei Verstoß gegen die Verrentungspflicht entfallen die steuerlichen Begünstigungen, bereits gewährte Begünstigungen sind rückzuerstatten.[2]
  • die Ansprüche aus dem Vertrag sind außerhalb eines engen Bezugsrechts nicht vererbbar, nicht beleihbar, nicht veräußerbar und nicht verpfändbar (§ 10 Abs. 1 Nr. 2b EStG).
  • die Basisrente darf bei einem Vertragsabschluss vor dem 1. Januar 2012 nicht vor Vollendung des 60. Lebensjahres, und bei einem Vertragsabschluss nach dem 31. Dezember 2011 nicht vor Vollendung des 62. Lebensjahres beginnen.

Steuerliche Behandlung[Bearbeiten]

Für die steuerliche Behandlung der Basis-Rente sind zwei Phasen zu unterscheiden. Die Anwartschaftsphase (Ansparphase) und die Leistungsphase (Rentenphase).[3]

Ansparphase[Bearbeiten]

Grundsätzlich gilt, dass Beiträge zu Rürup-Verträgen genauso wie Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung als Sonderausgaben geltend gemacht werden können. Allerdings werden bei Arbeitnehmern sowohl die steuerfreien Arbeitgeberanteile als auch die Arbeitnehmeranteile zur gesetzlichen Rentenversicherung vom Höchstbetragskontingent abgezogen. Bei Einführung der Basisrente im Jahr 2005 betrug der als Sonderausgaben abzugsfähige Höchstbetrag 60 % der entrichteten Beiträge. Seitdem steigt der Prozentsatz jährlich in 2 %-Schritten an (§ 10 EStG) und erreicht letztlich 2025 100 % des aufgebrachten Beitrags. 2014 ist der als Sonderausgaben abzugsfähige Höchstbetrag auf 78 % aus 20.000 € (Ledige) und 40.000 € (gemeinschaftlich veranlagte Verheiratete) begrenzt.

Ansparphase: absetzbare Sonderausgaben (Beispiel: jährlicher Beitrag von 4.200 €)
Steuerjahr 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 ab 2025
Anteil 60 % 62 % 64 % 66 % 68 % 70 % 72 % 74 % 76 % 78 % 100 %
Betrag 2.520 € 2.604 € 2.688 € 2.772 € 2.856 € 2.940 € 3.024 € 3.108 € 3.192 € 3.276 € 4.200 €

Rentenphase[Bearbeiten]

Die steuerliche Behandlung in der Rentenphase der Rürup-Rente entspricht ebenfalls der der gesetzlichen Rentenversicherung.

Die monatlichen Leistungen aus der Rürup-Rente sind bis 2040 nur begrenzt steuerpflichtig. Der steuerfreie Anteil wird zu Beginn des Rentenbezuges festgelegt und als fester Betrag in Euro lebenslang festgeschrieben (sogenannte Besteuerung nach dem Kohortenprinzip, jeder Jahrgang bildet eine Kohorte). Je später der Rentenbeginn liegt, desto höher ist der Prozentsatz der Rente, der zu versteuern ist. Bis 2020 steigt der steuerpflichtige Prozentsatz von zunächst 50 % für den Rentenbeginn im Jahr 2005 jährlich um 2 %-Punkte an, danach bis 2040 um einen Prozentpunkt. Ab 2040 sind die Leistungen für erstmals ausgezahlte Rürup-Renten dauerhaft voll zu versteuern. Nach dem Jahr des Rentenbeginns erfolgende Rentensteigerungen werden zudem mit 100 % besteuert (§ 22 Nr. 1 Tabelle aa) EStG).

Auszahlungsphase: steuerpflichtiger Teil im Erstjahr des Rentenbezugs sowie maßgeblicher Prozentsatz zur Berechnung des auf Dauer festgelegten steuerfreier Rentenanteils berechnet von Jahresbetrag des Folgejahres
Rentenbeginn 2005 2006 2007 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2038 2039 ab 2040
Besteuerungsanteil 50 % 52 % 54 % 62 % 64 % 66 % 68 % 70 % 72 % 74 % 76 % 78 % 80 % 81 % 82 % 98 % 99 % 100 %
  • Beispiel für erstmals im Jahr 2012 ausgezahlte Basisrente: der steuerpflichtige Prozentsatz für 2012 sowie der maßgebliche Prozentsatz zur Berechnung des steuerfreien Anteils ist 64 %. Beträgt also die volle Jahresrente im Jahr 2013 z. B. 10.000 €, so sind hiervon 6.400 € steuerpflichtig. 3.600 € werden lebenslang ab 2013 als steuerfreier Betrag festgeschrieben.
  • Beispiel für erstmals im Jahr 2013 ausgezahlte Basisrente: der steuerpflichtige Prozentsatz für 2013 sowie der maßgebliche Prozentsatz zur Berechnung des steuerfreien Anteils ist 66 %. Beträgt also die volle Jahresrente im Jahr 2014 z. B. 10.000 €, so sind hiervon 6.600 € steuerpflichtig. 3.400 € werden lebenslang ab 2014 als steuerfreier Betrag festgeschrieben.
  • Beispiel bei späterer Rentenerhöhung: steigt die Rente nach dem Jahr des Rentenbeginns beispielsweise um 500 €, so sind diese zusätzlichen 500 € voll zu versteuern.

Förderungsfähige Sparformen[Bearbeiten]

Rürup- oder Basisrenten werden in speziell dafür vorgesehenen Tarifen angeboten als:[4]

Rürup-Rente und ALG II[Bearbeiten]

Aufgrund der gesetzlichen Regelungen kann ein Rürup-Rentenvertrag vor Rentenbeginn nicht gekündigt sondern lediglich beitragsfrei gestellt werden. Wie bei anderen geförderten Verträgen (Riester, betriebliche Altersversorgung) wird der Wert des Vertrages z. B. auf das Arbeitslosengeld II nicht angerechnet. Es besteht keine Verwertungspflicht dieser Verträge. Eine Rürup-Rente ist während der Ansparzeit unpfändbar. Voraussetzung dafür ist, dass Vertragsabschluss und Beitragszahlungen erfolgen, bevor Arbeitslosengeld II beantragt wurde. Rentenzahlungen hingegen können – wie jede andere Geldzahlung auch – grundsätzlich oberhalb des pfändungsfreien Teils gepfändet werden.

Rürup-Rente und Pfändungs- sowie Insolvenzschutz[Bearbeiten]

In der Ansparphase ist die Rüruprente (gemäß § 851c Abs. 2 ZPO) pfändungsgeschützt. Dies gilt auch für Selbständige. In der Leistungsphase besteht Pfändungsschutz innerhalb der Pfändungsfreigrenzen. Das Gleiche gilt für den Insolvenzschutz.

Leistung im Todesfall[Bearbeiten]

In der Ansparphase[Bearbeiten]

Eine Rürup-Rente kann nicht vererbt werden, d. h. im Todesfall verfällt das Vermögen wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung zugunsten der Versichertengemeinschaft. Die Versicherungswirtschaft bietet verschiedene Lösungen an, wenn dieser Verlust nicht gewünscht ist:

  • Der Versicherungsvertrag kann mit einer Hinterbliebenenrente in vorher bestimmter Höhe im Todesfall an den Ehepartner oder an die kindergeldberechtigen Kinder ausgestaltet werden.
  • Es kann eine zusätzliche – steuerlich jedoch nicht geförderte – Zusatzversicherung zur „Beitragsrückerstattung im Todesfall vor Rentenbeginn“ abgeschlossen werden (gegebenenfalls mit vollumfänglichem Bezugsrecht).
  • Das angesparte Vermögen wird für eine Hinterbliebenenrente an den Ehepartner oder die Kinder verwendet, sofern solche vorhanden sind. Inwieweit solche Hinterbliebenenleistungen auch nach Rentenbeginn gezahlt werden, ist unterschiedlich geregelt.

In der Rentenphase[Bearbeiten]

Stirbt der Versicherte in der Rentenphase, so verfällt das eingezahlte Kapital, das rechnerisch noch nicht durch Rentenzahlungen ausbezahlt wurde, es sei denn, dass eine Rentengarantiezeit vereinbart wurde. Ist der Sparer verheiratet, kann eine Hinterbliebenenrente für den Ehegatten vereinbart werden.

Dazu gibt es, je nach Anbieter, verschiedene Modelle:

  • Die Hinterbliebenenrente beträgt einen bestimmten Prozentsatz (z. B. 60 %) der Hauptrente.
  • Die Hinterbliebenenrente kann durch Vereinbarung einer Rentengarantiezeit nachempfunden werden. Ist eine solche Leistung für 10 Jahre vereinbart und stirbt die versicherte Person nach fünf Jahren, wird der Wert der in den ersten 10 Jahren zu zahlenden Rente (hier der Rente für 5 Jahre) verwendet, um daraus eine lebenslange Rente an den Witwer/die Witwe zu finanzieren (bzw. eine Rente an die Kinder).
  • Inzwischen werden auch Verträge angeboten, in denen nicht die Renten für eine bestimmte Rentenbezugszeit, sondern das Rentenkapital bei Rentenbeginn Ausgangspunkt für die Hinterbliebenenrente ist. Von diesem Kapital werden die bereits gezahlten Renten abgezogen und der verbleibende Wert wird verrentet.

Die Leistung für die Kinder kann nur solange gezahlt werden, wie der Verstorbene für die Kinder Kindergeld bekommen könnte, in der Regel also bis zum Ende der Berufsausbildung, maximiert durch das 25. Lebensjahr. Eingetragene Lebenspartner werden hier im Unterschied zur gesetzlichen Rentenversicherung und vielen berufsständischen Versorgungswerken nicht berücksichtigt.

Zusatzversicherungen[Bearbeiten]

Zu einer Rürup-Rente können Zusatzversicherungen abgeschlossen werden, deren Beiträge wie die der Rürup-Rente steuerlich gefördert sind:

Hinterbliebenenabsicherung[Bearbeiten]

Eine Hinterbliebenenrente kann für den Ehepartner, mit dem der Versicherungsnehmer zum Zeitpunkt seines Todes in gültiger Ehe lebt und für Kinder (Bedingung: Kindergeldanspruch) vereinbart werden. Problematisch ist hierbei, dass bei Scheidung oder Wegfall des Kindergeldanspruchs Leistungen aus Zusatzversicherungen nicht möglich sind. Eine Absicherung von eingetragenen Lebenspartnern ist ebenfalls nicht möglich.

Berufsunfähigkeitsversicherung[Bearbeiten]

Es kann eine Rente oder eine Beitragsübernahme bei einer Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit im Rahmen einer Rürup-Rente übernommen werden. Der Beitrag für diese Zusatzversicherung muss kleiner sein als der Beitrag für die Altersvorsorge, damit der Vertrag steuerlich gefördert bleibt. Zum Beitrag für die Altersvorsorge zählt bei der Berufsunfähigkeitsversicherung auch der Beitragsanteil für die Beitragsbefreiung (im Gegensatz zum Beitrag für die Rentenzahlung im Invaliditätsfall). Vorteil ist hierbei, dass die Gesamtprämie steuerlich absetzbar ist. 50 % der Prämie müssen zwingend auf den Altersversorgungsteil entfallen. Eine getrennte Berufsunfähigkeitsversicherung kann zwar ebenfalls als Sonderausgabe abgesetzt werden, fällt aber unter den Höchstbetrag von 2.800 € bzw. 1.900 € für sonstige Vorsorgeaufwendungen nach § 10 Abs. 1 Nr. 3a EStG. Da dieser Höchstbetrag meist durch die Krankenversicherungsbeiträge bereits aufgebraucht ist, sind die Beiträge zu einer gesonderten Berufsunfähigkeitsversicherung selten steuerlich wirksam.

Allerdings ergeben sich aus der Kombination von Rürup-Rente und Berufsunfähigkeitsversicherung auch Nachteile. So ist es beispielsweise häufig nicht möglich, die Rürup-Rente beitragsfrei (Kündigung nicht möglich) zu stellen, ohne gleichzeitig auch die Berufsunfähigkeitsversicherung zu verlieren. Zahlungsschwierigkeiten werden unter den Versicherern unterschiedlich behandelt. Wird die Berufsunfähigkeitsversicherung mit der Basisrente gekoppelt, muss die Berufsunfähigkeitsrente im Leistungsfall (derzeit in der Kohorte) langfristig voll versteuert werden (bei einer ungekoppelten Berufsunfähigkeitsversicherung nur mit dem Ertragsanteil!). Dies kann zur kalkulatorischen Unsicherheit bei Vertragsabschluss und zu Steuermehrbelastungen im Leistungsfall führen. Letzteres ist insbesondere dann der Fall, wenn bei Berufsunfähigkeit noch hohe andere Einkommen, z. B. Kapitalerträge, Mieteinnahmen usw. erzielt werden. Bei Prüfung der Vor- und Nachteile sollte daher immer die persönliche Steuerlast in die Überlegungen mit einbezogen werden.

Unisex-Tarife ab 2012[Bearbeiten]

Der EuGH hatte am 1. März 2011 ein Urteil in Sachen Unisex-Tarife gefällt. Das Geschlecht des Versicherungsnehmers darf dabei nicht als Tarifkriterium verwendet werden, obwohl unterschiedliche Risiken vorliegen können. Dieses Urteil hat seit dem 21. Dezember 2012 Auswirkungen auch auf die Kalkulationsgrundlagen von Rürup-Renten.[5]

Bewertung[Bearbeiten]

Zielgruppen[Bearbeiten]

Die vorrangige Zielgruppe sind Selbstständige. Selbständige können keine Versorgung über die betriebliche Altersversorgung aufbauen. Zumeist können Selbständige - soweit sie nicht zur GRV pflichtversichert sind - keine Riesterrenten für sich nutzen. Das gleiche gilt für Personen, die in Einrichtungen der berufsständischen Versorgung beitragspflichtig sind (so: Apotheker, Ärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater und Architekten – sogenannte verkammerte Berufe). Schließlich richtet sich die Rürup-Rente auch an Angestellte mit hohen rentenversicherungspflichtigen Einkünften: Während Beiträge zu einer klassischen Rentenversicherung oder Kapitallebensversicherung ab Versicherungsbeginn 2005 nicht mehr als Sonderausgaben abzugsfähig sind, können Angestellte mit Rürup-Verträgen den neu geschaffenen Sonderausgaben-Höchstbetrag von 20.000 EUR pro Jahr und Person nutzen. Das absetzbare Kontingent wird allerdings um den Arbeitnehmer-Anteil sowie den steuerfreien Arbeitgeber-Anteil zur gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) gekürzt (bei Beamten erfolgt eine fiktive Kürzung um den entsprechenden Gesamtbeitrag zur GRV).

Vorteile[Bearbeiten]

  • Staatliche Förderung (Steuervorteile über Sonderausgabenabzug), wobei Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung beziehungsweise der Versorgungswerke das Kontingent schmälern.
  • Das angesparte Kapital bleibt im Falle einer längeren Arbeitslosigkeit (ALG II) bei der Anrechnung von Vermögen unberücksichtigt.
  • Rürup-Verträge sind in der Ansparphase vor Pfändung geschützt (§ 97 S.1 EStG, § 851 ZPO), sofern die Beiträge gefördert werden. In der Rentenphase kann jedoch der über den Pfändungsfreigrenzen liegende Teil gepfändet werden.
  • Wertsteigerungen in der Ansparphase unterliegen auf Seite des Versicherungsnehmers keiner Besteuerung.
  • Eine eingeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung kann steuerlich abgesetzt werden, wenn ihr Anteil am Beitrag 50 % nicht übersteigt. Der Beitrag für einen eingeschlossenen Baustein der „Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit“ gilt dabei als Beitrag für die Altersvorsorge.
  • Flexible Besparung: Die Kosten können zunächst niedrig gehalten werden, wenn das Budget und die Geschäftsentwicklung dies nur eingeschränkt erlauben. Einzahlungen können zudem zeitweise ausgesetzt werden im Falle wirtschaftlicher Schwierigkeiten.

Nachteile[Bearbeiten]

  • Weder in der Form einer Renten- noch einer Fondsversicherung kann ein Rürup-Vertrag garantieren, dass der Versicherte bei Fälligkeit Leistungen erhält, welche die Kaufkraft seiner vorherigen Beiträge zumindest erreicht (s. Kritik).
  • Die Rürup-Rente bietet kein Kapitalwahlrecht. Leistungen erfolgen frühestens nach Vollendung des 60. Lebensjahres (ab 2012 frühestens nach Vollendung des 62. Lebensjahres). Es sind ausschließlich Leibrenten vorgesehen.
  • Rentenzahlungen müssen abhängig vom Rentenbeginnjahr versteuert werden (Kohortenprinzip).
  • Rürup-Verträge können nicht beliehen, übertragen, verpfändet oder verschenkt werden. Auch eine Kündigung und die Auszahlung eines „Rückkaufswertes“ ist ausgeschlossen, möglich ist aber eine Beitragsfreistellung.
  • Bei unverheirateten Personen verfällt das gesamte Kapital im Todesfall, keine Vererbung möglich.
  • Bei Tod des Versicherten vor Rentenbeginn verfällt das eingezahlte Kapital. Es kann jedoch, je nach Anbieter unterschiedlich, eine Zusatzversicherung in Form einer Hinterbliebenen-Rente oder eine, steuerlich jedoch nicht geförderte, Beitragsrückgewähr vereinbart werden.
  • Auch bei Tod des Versicherten nach Rentenbeginn verfällt das eingezahlte Kapital. Eine Rentengarantiezeit gibt es bei Rürup-Renten nicht bei allen Anbietern. Sofern der Sparer verheiratet ist, kann eine Hinterbliebenenrente für den Ehegatten vereinbart werden.
  • Für zugezahlte Beiträge (um die geförderte Jahreshöchstgrenze auszunutzen) werden zusätzlich Gebühren erhoben, die sofort anfallen.
  • Während bei Riesterrenten eine Übertragung des Sparguthabens abzüglich einer tarifabhängigen Bearbeitungsgebühr auf einen anderen Anbieter stets möglich sein muss, gibt es nur wenige Anbieter von Basisrenten, die eine Übertragung des Kapitals auf andere ermöglichen. Meist besteht nur die Möglichkeit, den Vertrag beitragsfrei zu stellen.
  • Die abgesicherte Berufsunfähigkeitsrente ist im Leistungsfall steuerpflichtig.

Rürup-Rente oder gesetzliche Rentenversicherung[Bearbeiten]

Die Rürup-Rente bietet Gelegenheit zum direkten Vergleich der gesetzlichen Rentenversicherung mit privaten Rentenversicherungen. Aufgrund weitgehend gleichartiger Leistungen und der steuerlichen Gleichbehandlung beider Vorsorgevarianten lässt sich ein Leistungsvergleich auf der Basis der zu erwartenden Rentenhöhe durchführen:

Unterschiede zwischen gesetzlicher Rentenversicherung und Rürup-Rente
Eigenschaft Gesetzliche Rentenversicherung Rürup-Rente
Garantierte Rente Die Summe der eingezahlten Beiträge, verteilt auf die durchschnittliche Rentenbezugsdauer von derzeit 18 Jahren (Enteignungsverbot). Eingezahlte Beiträge abzüglich Gebühren, verzinst mit einem Garantiezins (eigentlich Höchstrechnungszins) von derzeit 1,75 % (bei Wahl einer klassischen Rentenversicherung/bei fondsgebundenen Absicherungen muss kein Garantiezins gewährt werden), verteilt auf die erwartete Rentenbezugsdauer (geschlechterspezifisch, Frauen erhalten weniger Rente).
Rendite Lohn-/Gehaltsentwicklung der Beitragszahler. Ertrag der Kapitalanlage nach Gebühren.
Zusätzliche Standardleistungen
  • Hinterbliebenenversorgung
  • Versorgung bei Erwerbsunfähigkeit (Eingeschränkt bei allen, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind)
  • Rehabilitation

Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz[Bearbeiten]

Im Juni 2013 wurde das Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz verabschiedet. Hier ergeben sich nun für Verbraucher, die eine Riester- oder Rürup Rente abschließen Neuerungen. Eingeführt wird ein einheitliches Produktinformationsblatt. Anbieter müssen nun im Internet Produktinformationsblätter anbieten, sodass der Kunde vor einem Vertragsabschluss die Möglichkeit hat sich über die Rürup Rente zu informieren. Neben den Merkmalen der Rürup Rente müssen auch der Vertragsablauf auf Grundlage der Kundeninformationen sowie die Dauer des Vertrages festgehalten werden. Folgende Kennzahlen zur Rürup Rente wird das Produktinformationsblatt enthalten:

  • Kosten- und Renditekennziffern
  • Effektivkosten
  • Einteilung in Chancen-Risiko-Klassen

Der Inhalt und der Aufbau werden ebenso vom Gesetzgeber vorgegeben. Das Produktinformationsblatt dient insbesondere dazu versteckten Kosten entgegenzuwirken. Ebenso wird der Verbraucherschutz nun gestärkt. Denn wenn der Versicherer gegen seine Informationspflichten verstößt oder auch falsche Angaben macht, kann der Versicherte seinen Vertrag kündigen und erhält sein Kapital samt Zinsen zurück. Dieses Recht besteht bis zu 2 Jahre nach Vertragsabschluss.

Kritik[Bearbeiten]

Eine Rürup-Rentenversicherung wird klassisch verzinst oder fondsgebunden angeboten, außerdem gibt es Rürup-Fondssparpläne. Die staatliche Förderung läuft in allen drei Fällen nur über die Steuerersparnis, es gibt also keine Zuschüsse wie bei der Riester-Rente. Am besten planbar ist eine Rente aus einer klassischen Versicherung, denn der Sparer erfährt seine garantierte Mindestrente zu Vertragsbeginn. Da allerdings der Garantiezins sich nur auf die um die Gebühren verminderten Beiträge bezieht und so lange der Garantiezins (wie derzeit der Fall) deutlich unterhalb der Inflationsrate liegt, wird der Versicherte bei Fälligkeit nur garantierte Leistungen erhalten, deren Kaufkraft unterhalb der Summe seiner Beiträge liegt. Außerdem fällt es den Versicherern schwer, bei (derzeit) niedrigem Zinsniveau aus den Beiträgen Gewinne („Überschüsse“) zu erwirtschaften, welche nach Deckung ihrer eigenen Kosten und Renditeansprüche die Inflationsverluste während der Beitragszeit übertreffen. Daher ist die Ausschüttung von Überschüssen zur Erhöhung der Garantiesumme bei Fälligkeit unsicher und begrenzt. So hat die von der Stiftung Warentest herausgegebene Zeitschrift Finanztest 2011 die Qualität von klassischen Rürup-Rentenversicherungen untersucht. Von 19 fondsgebundenen Rürup-Rentenversicherungen schnitten fünf mit "gut" ab. Sehr gute und mangelhafte Verträge gab es in dieser Kategorie im Test nicht. Von 31 klassischen (Festzins-) Rürup-Rentenversicherungen für Frauen und ebenso vielen für Männer erreichten jeweils nur fünf Angebote die Note gut. Es gab in dieser Kategorie keine sehr guten und nur einen mangelhaften Vertrag im Test. [6] 2012 ergab der Vergleich von 120 Tarifen für Rürup-Verträge, dass viele Verträge über die Folgen nur unzureichend informieren. Auf Grund des seit 2012 auf nur noch 1,75 % gesenkten Garantiezinses erhält beispielsweise ein 45-Jähriger, der 2012 oder danach einen neuen Garantiezinsvertrag abgeschlossen und 20 Jahre lang monatlich 350 Euro eingezahlt hat, selbst bei einem vergleichsweise günstigen Rürup-Tarif als garantierte monatliche Rente nominell nur etwa denselben Betrag. Dieser hat dann aber bei der derzeitigen jährlichen Inflationsrate von etwa 2 % nur noch etwa die halbe Kaufkraft. Selbst mit einer Überschussbeteiligung in aus heutiger Sicht plausibler Höhe erhält er monatlich nur 620 Euro, hat also immer noch einen Verlust an Kaufkraft. Je weniger jemand in der Ansparphase Steuern zu zahlen hat, desto weniger Rendite kann sein Rürup-Vertrag erwirtschaften. Für Sparer mit geringem Einkommen in der Ansparphase und spät einsetzender Rentenphase kann der Steuereffekt sogar negativ sein, sie zahlen also für die erhaltenen Renten mehr Steuern als sie zuvor für gezahlte Beiträge eingespart hatten.[7] Falls der Versicherte etwa auf Grund geringeren Einkommens weitere Beiträge zum Rürup-Vertrag nicht mehr aufbringen kann oder möchte, so kann er hierfür den Vertrag nur ruhend stellen, nicht aber durch Kündigung beenden.[8]

Bei fondsgebundenen Rürup-Versicherungen und Rürup-Fondssparplänen wird im Gegensatz zu Rürup-Rentenversicherungen eine Mindestrente nicht garantiert. Daher können hier Sparer abhängig von der Entwicklung der Fonds während der Beitragszeit sowohl höhere Verluste als auch höhere Gewinne machen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Oliver Heuchert: WISO: Sicherheit bei der neuen Rentenbesteuerung.
  2. Leibrente
  3. Helmut Schirmer Allgemeines Recht Versicherungsrecht
  4. Rainer Ilg, Die private und betriebliche Altersversorgung - Riester, Rürup
  5. Aktuelles Urteil des EuGH (Unisextarife)
  6. Rente für Wohlhabende In: Finanztest, 12/2011, S. 20-28.
  7. Institut für Vorsorge und Finanzplanung: Rürup-Versicherungen: nicht für jeden lohnt sich das. [1] Süddeutsche Zeitung online 10. Juli 2012
  8. Verbraucherzentrale Hamburg: Rürup-Verträge: nicht kündbar, Provisionen fressen einen großen Teil des angesparten Vermögens auf. [2] Süddeutsche Zeitung online 18. Oktober 2012
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