Beitragsbemessungsgrenze

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Die Beitragsbemessungsgrenze ist eine Sozialversicherungs-Rechengröße in Deutschland und bezeichnet den Bruttolohnbetrag, bis zu dem maximal Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung errechnet werden. Der Teil des Bruttolohns, der die Beitragsbemessungsgrenze übersteigt, bleibt für die Beitragsberechnung außer Betracht.

Die Beitragsbemessungsgrenze ist nicht zu verwechseln mit der Jahresarbeitentgeltgrenze, ab der für abhängig beschäftigte Arbeitnehmer die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung entfällt.

In der österreichischen Sozialversicherung hat die Höchstbeitragsgrundlage eine entsprechende Funktion.

Allgemeines[Bearbeiten]

Beitragsbemessungsgrenze und degressiver Beitragsverlauf in Deutschland 2011

Der Beitrag zur gesetzlichen Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung wird jeweils in einem Prozentsatz vom sozialversicherungspflichtigen Bruttolohn bemessen. Übersteigt der Bruttolohn die Beitragsbemessungsgrenze, wird der Versicherungsbeitrag höchstens von der Beitragsbemessungsgrenze erhoben. Ab dem Erreichen der Beitragsbemessungsgrenze bleiben die absoluten Beiträge zur jeweiligen Versicherung konstant, während der prozentuale Anteil am Bruttoeinkommen sinkt.

Die Beitragsbemessungsgrenzen werden jährlich von der Bundesregierung durch Rechtsverordnung angepasst, und zwar in dem Verhältnis, in dem die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer (§ 68 Abs. 2 S. 1 SGB VI) im vergangenen zu den entsprechenden Bruttolöhnen und -gehältern im vorvergangenen Kalenderjahr stehen, aufgerundet auf das nächsthöhere Vielfache von 600. Mit dem Beitragssatzsicherungsgesetz vom 23. Dezember 2002 wurde die Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Rentenversicherung im Jahr 2003 abweichend von dieser Regel einmalig stärker angehoben.

Versicherungsarten[Bearbeiten]

Gesetzliche Rentenversicherung[Bearbeiten]

In der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es unterschiedliche Beitragsbemessungsgrenzen für die allgemeine und die knappschaftliche Rentenversicherung. Die frühere Unterscheidung zwischen Arbeiter- und Angestellten-Rentenversicherung ist dagegen weggefallen.

Für das Beitrittsgebiet gilt eine besondere Beitragsbemessungsgrenze, § 228a Abs. 1 S. 1 Nr. 2 in Verbindung mit Anlage 2a SGB VI.

Jahr Allgemeine Rentenversicherung Knappschaftliche Rentenversicherung
monatlich jährlich monatlich jährlich
West Ost West Ost West Ost West Ost
1959 00800 DM 009.600 DM
1960 00850 DM 010.200 DM
1961 00900 DM 010.800 DM
1962 00950 DM 011.400 DM
1963 1.000 DM 012.000 DM
1964 1.100 DM 013.200 DM
1965 1.200 DM 014.400 DM
1966 1.300 DM 015.600 DM
1967 1.400 DM 016.800 DM
1968 1.600 DM 019.200 DM
1969 1.700 DM 020.400 DM
1970 1.800 DM 021.600 DM
1971 1.900 DM 022.800 DM
1972 2.100 DM 025.200 DM
1973 2.300 DM 027.600 DM
1974 2.500 DM 030.000 DM
1975 2.800 DM 033.600 DM
1976 3.100 DM 037.200 DM
1977 3.400 DM 040.800 DM
1978 3.700 DM 044.400 DM
1979 4.000 DM 048.000 DM
1980 4.200 DM 050.400 DM
1981 4.400 DM 052.800 DM
1982 4.700 DM 056.400 DM
1983 5.000 DM 060.000 DM
1984 5.200 DM 062.400 DM
1985 5.400 DM 064.800 DM
1986 5.600 DM 067.200 DM
1987 5.700 DM 068.400 DM
1988 6.000 DM 072.000 DM
1989 6.100 DM 073.200 DM
1990 1.Hj. 6.300 DM 075.600 DM
1990 2.Hj. 032.400 DM
1991 1.Hj. 6.500 DM 078.000 DM 036.000 DM
1991 2.Hj. 040.800 DM
1992 6.800 DM 4.800 DM 081.600 DM 057.600 DM
1993 7.200 DM 5.300 DM 086.400 DM 063.600 DM 08.900 DM 6.600 DM 106.800 DM 078.000 DM
1994 7.600 DM 5.900 DM 091.200 DM 070.800 DM 09.400 DM 7.300 DM 112.800 DM 087.600 DM
1995 7.800 DM 6.400 DM 093.600 DM 076.800 DM 09.600 DM 7.800 DM 115.200 DM 093.600 DM
1996 8.000 DM 6.800 DM 096.000 DM 081.600 DM 09.800 DM 8.400 DM 117.600 DM 100.800 DM
1997 8.200 DM 7.100 DM 098.400 DM 085.200 DM 10.100 DM 8.700 DM 121.200 DM 104.400 DM
1998 8.400 DM 7.000 DM 100.800 DM 084.000 DM 10.300 DM 8.600 DM 123.600 DM 103.200 DM
1999 8.500 DM 7.200 DM 102.000 DM 086.400 DM 10.400 DM 8.800 DM 124.800 DM 105.600 DM
2000 8.600 DM 7.100 DM 103.200 DM 085.200 DM 10.600 DM 8.700 DM 127.200 DM 104.400 DM
2001 8.700 DM 7.300 DM 104.400 DM 087.600 DM 10.700 DM 9.000 DM 128.400 DM 108.000 DM
2002 4.500 EUR 3.750 EUR 054.000 EUR 045.000 EUR 05.550 EUR 4.650 EUR 066.600 EUR 055.800 EUR
2003 5.100 EUR 4.250 EUR 061.200 EUR 051.000 EUR 06.250 EUR 5.250 EUR 075.000 EUR 063.000 EUR
2004 5.150 EUR 4.350 EUR 061.800 EUR 052.200 EUR 06.350 EUR 5.350 EUR 076.200 EUR 064.200 EUR
2005 5.200 EUR 4.400 EUR 062.400 EUR 052.800 EUR 06.400 EUR 5.400 EUR 076.800 EUR 064.800 EUR
2006 5.250 EUR 063.000 EUR 06.450 EUR 077.400 EUR
2007 4.550 EUR 054.600 EUR 5.550 EUR 066.600 EUR
2008 5.300 EUR 4.500 EUR 063.600 EUR 054.000 EUR 06.550 EUR 078.600 EUR
2009 5.400 EUR 4.550 EUR 064.800 EUR 054.600 EUR 06.650 EUR 5.600 EUR 079.800 EUR 067.200 EUR
2010 5.500 EUR 4.650 EUR 066.000 EUR 055.800 EUR 06.800 EUR 5.700 EUR 081.600 EUR 068.400 EUR
2011 4.800 EUR 057.600 EUR 06.750 EUR 5.900 EUR 081.000 EUR 070.800 EUR
2012 5.600 EUR 067.200 EUR 06.900 EUR 082.800 EUR
2013 5.800 EUR 4.900 EUR 069.600 EUR 058.800 EUR 07.100 EUR 6.050 EUR 085.200 EUR 072.600 EUR
2014[1] 5.950 EUR 5.000 EUR 071.400 EUR 060.000 EUR 07.300 EUR 6.150 EUR 087.600 EUR 073.800 EUR
Jahr West Ost West Ost West Ost West Ost
monatlich jährlich monatlich jährlich
Allgemeine Rentenversicherung Knappschaftliche Rentenversicherung

Gesetzliche Arbeitslosenversicherung[Bearbeiten]

Die Beitragsbemessungsgrenzen in der Arbeitslosenversicherung entsprechen denen der allgemeinen Rentenversicherung (§ 341 Abs. 4 SGB III).

Gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung[Bearbeiten]

Die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung und in der sozialen Pflegeversicherung entspricht nach § 223 Abs. 3 SGB V bzw. § 55 Abs. 2 SGB XI der (besonderen) Jahresarbeitsentgeltgrenze, die in § 6 Abs. 7 SGB V geregelt ist. Neben dieser Obergrenze dient die Mindestbeitragsbemessungsgrundlage als Untergrenze für die Beitragsberechnung.

Während die Beitragsbemessungsgrenze bestimmt, bis zu welcher Höhe die Einnahmen des Versicherten beitragspflichtig sind, ist die Jahresarbeitsentgeltgrenze maßgeblich für die Frage, bis zu welcher Höhe des Arbeitsentgelts Arbeitnehmer pflichtversichert sind. Die Jahresarbeitsentgeltgrenze wird deshalb auch Versicherungspflichtgrenze genannt.

Die besondere Jahresarbeitsentgeltgrenze nach § 6 Abs. 7 SGB V, der die Beitragsbemessungsgrenze folgt, gilt nur für Arbeiter und Angestellte, die bereits am 31. Dezember 2002 freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung oder privat krankenversichert waren. Für alle anderen gilt die allgemeine Jahresarbeitsentgeltgrenze nach § 6 Abs. 6 SGB V. Diese Grenze ist höher als die Beitragsbemessungsgrenze.

Entwicklung der Höhe der Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung
Jahr monatlich jährlich Veränderung
ggü. Vorjahr
1990 4.725,00 DM 56.700 DM
1991 4.875,00 DM 58.500 DM +3,17 %
1992 5.100,00 DM 61.200 DM +4,62 %
1993 5.400,00 DM 64.800 DM +5,88 %
1994 5.700,00 DM 68.400 DM +5,56 %
1995 5.850,00 DM 70.200 DM +2,63 %
1996 6.000,00 DM 72.000 DM +2,56 %
1997 6.150,00 DM 73.800 DM +2,50 %
1998 6.300,00 DM 75.600 DM +2,44 %
1999 6.375,00 DM 76.500 DM +1,19 %
2000 6.450,00 DM 77.400 DM +1,18 %
2001 6.525,00 DM 78.300 DM +1,16 %
2002 3.375,00 EUR 40.500 EUR +1,38 %
2003 3.450,00 EUR 41.400 EUR +2,22 %
2004 3.487,50 EUR 41.850 EUR +1,07 %
2005 3.525,00 EUR 42.300 EUR +1,09 %
2006 3.562,50 EUR 42.750 EUR +1,05 %
2007 3.562,50 EUR 42.750 EUR +0,00 %
2008 3.600,00 EUR 43.200 EUR +1,07 %
2009 3.675,00 EUR 44.100 EUR +2,08 %
2010 3.750,00 EUR 45.000 EUR +2,04 %
2011 3.712,50 EUR 44.550 EUR -1,00 %
2012 3.825,00 EUR 45.900 EUR +3,03 %
2013 3.937,50 EUR 47.250 EUR +2,94 %
2014 4.050,00 EUR 48.600 EUR +2,86 %

Hintergrund[Bearbeiten]

Das deutsche Sozialversicherungssystem war ursprünglich als Leistung der Arbeitgeber (die 50 Prozent der Beiträge trugen) für die Arbeitnehmer konzipiert. Eine Umverteilung zwischen gering und besser verdienenden Arbeitnehmern war nicht geplant, weshalb die Höhe der eingezahlten Beiträge die Höhe der ausgezahlten Leistungen bestimmen. Dies galt ursprünglich auch für die Krankenkassen, deren Ausgaben ursprünglich zu fast 95 Prozent für die Auszahlung des (vom Einzahlungsbetrag abhängigen) Krankengeldes aufgewandt wurden. Bei Personen mit einem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze wurde unterstellt, dass diese keinen oder zumindest keinen über diesen Beitrag hinausgehenden Schutz durch die Sozialkassen benötigen.

Bei den Krankenversicherungen wird kritisiert, dass bei fast gleichen Leistungen vom Arbeitseinkommen abhängige Beiträge erhoben werden (Ausnahme: Krankengeld). Daher wird teilweise für durchschnittsrisikoäquivalente Beiträge (Pauschalen (abwertend auch "Kopfprämie" genannt)) plädiert.

Die Beitragsbemessungsgrenze bewirkt eine unterschiedliche finanzielle Belastung von Familien je nach Aufteilung der Erwerbsarbeit: So zahlen Ehepartner bei gleichem Familieneinkommen, sofern es über der Bemessungsgrenze liegt, in Ein- und in Zweiverdienerehen unterschiedlich hohe Beiträge, da die insgesamt fälligen Beiträge von der Verteilung des Einkommens auf die Ehepartner abhängen.[2]

Steuerliche Auswirkungen[Bearbeiten]

Seit 2004 ist die steuerliche Vorsorgepauschale unter anderem wieder von der Höhe der Beitragsbemessungsgrenze abhängig.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Beitragsbemessungsgrenze – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website der Bundesregierung - Veröffentlichung vom 29. November 2013, abgerufen am 30. November 2013
  2. Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft (HdWW), Band 3, Willi Albers (Hrsg.), 1981, ISBN 3-525-10258-5, S. 331
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