R100

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
R100 in Kanada am Ankermast

R100 war ein britisches Verkehrsluftschiff zu Beginn der 1930er Jahre. Es führte eine Transatlantikreise nach Kanada und zurück durch. Nach dem Unfall der R101, dem Gegenmodell aus dem Wettbewerb um den Bau von Großluftschiffen, wurde es jedoch verkauft und abgewrackt. Es gab das Gerücht, dass nur das erfolgreichere der beiden Luftschiffe als Modell für die weitere Entwicklung dienen sollte. Das Schiff wurde auf dem früheren Luftwaffenstützpunkt Howden in Yorkshire gebaut.

Das Schiff[Bearbeiten]

Geplant und konstruiert von Barnes Wallis, wurde dieses parallel zur R101 entworfen, jedoch im Vergleich zu dieser deutlich unterfinanziert und war daher realistischer, als die nachträglich zusammengeflickte R101. Einige Kreise führen dies auf das Sendungsbewusstsein von Wallis zurück, welcher oftmals dazu neigte, gewisse Teile der Regierung [Großbritanniens] und der Admiralität spüren zu lassen, dass diese seinem Intellekt nicht gewachsen waren.

Das Gerippe des 216 m langen Luftschiffs bestand aus Duraluminium. Die 15 Ringe mit 16 Längsträgern zumeist aus Dreiecksträgern mit etwa 70 cm Querschnittshöhe besaßen im Gegensatz zu den Zeppelinen keine Hilfsträger oder Hilfsringe. Die Hüllenfelder waren daher bis zu 14 x 8 m groß und gaben, da sich das Gerippe stark abzeichnete, dem Schiff ein charakteristisches Aussehen.

Die Passagiere waren im Inneren des Rumpfes auf drei Stockwerken, ähnlich wie später auch im LZ 129 „Hindenburg“, untergebracht. R100 und R101 waren die ersten Luftschiffe, die diese Form der Fahrgastanlage besaßen. Der Aufbau der Fahrgastanlage war bei beiden Schiffen nicht identisch.

Bei R100 waren im oberen Deck 14 Zwei- und 18 Vierbettkabinen untergebracht für die geplanten rund 100 Passagiere. Das mittlere Deck beherbergte einen über zwei Stockwerke reichenden Speisesalon mit umlaufender Galerie, elektrischem Kamin und die Promenadendecks mit großen Aussichtsfenstern an der Seite des Rumpfes. Im unteren Deck befanden sich Quartiere für die Offiziere und Mannschaften sowie Sanitärräume, die Küche und die Funkstation.

Betrieb[Bearbeiten]

R100 führte nur zehn Fahrten durch, obwohl es seine Lufttüchtigkeit unter Beweis stellte und keine gravierenden Fehler oder Konstruktionsmängel aufwies. Seine Kennung lautete G-FAAV.

Als Teil seiner Testfahrten machte R100 auch eine Transatlantikfahrt im Juli 1930. Die Hinfahrt dauerte etwa 78 Stunden. Die schnellere Rückfahrt begann am 13. August. Nach 58 Stunden, dies entsprach einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 128 km/h, wurde Cardington erreicht.

Nachdem das Schiff am 17. August zurück in die Luftschiffhalle gebracht und vorerst außer Betrieb genommen worden war, konzentrierte man sich auf die Inspektion des Schiffes nach der langen Fahrt und begann sich auf die bevorstehende Fahrt von R101 zu konzentrieren, die für das Jahresende gedacht war. Ein großer Teil der Besatzung fuhr auf beiden Schiffen und wechselte jetzt in die R101-Mannschaft.

Abwrackung[Bearbeiten]

Nach dem Unglück des R101 am 4. Oktober 1930 wurde entschieden, die Fahrten von R100 zu stoppen. Am 11. Dezember wurde das Schiff in der Halle aufgehängt und das Traggas abgelassen. Im Mai 1931 beriet das britische Parlament und die Regierung über das weitere Schicksal und auch über die Kosten, die das Schiff verursachen würde. Man stellte fest, dass das Schiff Hochtechnologie darstellte. Von der US-Regierung bestand sogar das Angebot, im Austausch gegen britische Technologie das Luftschiff sehr günstig - wenn nicht sogar kostenlos - mit Helium zu füllen. Es wurden verschiedene Vorgehensweisen diskutiert. Die drei Hauptvorschläge waren:

  • das Projekt weiterzuführen
  • den Projektumfang stark zu reduzieren und für wissenschaftliche und technische Forschung zu nutzen
  • das Projekt einzustellen.

Nach langen Diskussionen und Auseinandersetzungen kam die britische Regierung vor dem Hintergrund der Depression und dem gewaltigen finanziellen Aufwand für das Luftschiffprojekt zu dem Ergebnis, das Luftschiff zu verschrotten.

Im November 1931 entschied das britische Luftfahrtministerium daher, R100 zur Abwrackung zu verkaufen. Die Verschrottungsarbeiten begannen am 16. November 1931 und dauerten bis zum Februar 1932. Die Inneneinrichtung und Ausrüstung wurde verkauft. Für das Gerippe wurde ein Preis von 450 Pfund erzielt.

Die Anlagen und die Luftschiffhalle in Cardington sowie ein Grundstamm an Personal von etwa 300 Leuten blieb für spätere Entwicklungen erhalten.

Technik[Bearbeiten]

  • Länge: 216 m
  • Durchmesser 40,5 m
  • Gasvolumen: etwa 141.500 m³ (5.000.000 cft) Wasserstoff
  • Masse: 102 t,
  • Nutzlast: 51 t (gefordert waren eigentlich 60 t)
  • Besatzung: 50 Mann + 100 Passagiere

Die Höchstgeschwindigkeit des Schiffes betrug 130 km/h.

Das Traggas befand sich in 15 Gaszellen. Sie wurden von der Berliner Tochtergesellschaft der Luftschiffbau Zeppelin GmbH geliefert. Diese Firma lieferte auch die Gasventile.

Der Antrieb erfolgte mit drei Motorgondeln, die je zwei Benzinmotoren beherbergten, von denen einer eine Zug-, der andere eine Druckluftschraube antrieb. Die heckseitigen Motoren waren umsteuerbar, sie konnten vorwärts und rückwärts laufen. Es wurden gebrauchte Rolls-Royce Condor III B Benzin-Motoren verwendet. Sie wogen je 550 kg, hatten eine Leistung von 485 kW und wurden als pannenanfällig beschrieben. Versuche, die Motoren sowohl mit Wasserstoff als auch mit Kerosin zu betreiben, waren nicht erfolgreich. An Bord konnte ein Kraftstoffvorrat von 40 m³ Benzin in 32 Tanks zu je 950 Litern mitgeführt werden. Der Transport des Kraftstoffes von den Vorratstanks zu den Falltanks über den Motoren erfolgte unüblicherweise mit Handpumpen.

Fahrten[Bearbeiten]

  1. - 16. Dezember 1929, Dauer: 5 h 47 min, Strecke: 209 km, von Howden über York nach Cardington
  2. - 17. Dezember 1929, Dauer: 6 h 29 min, Strecke: 280 km, Rundfahrt in der Gegend um Cardington, Nach diesen ersten Testfahrten wurde das Schiff in der Luftschiffhalle gründlich inspiziert.
  3. - 16. Januar 1930, Dauer: 13 h 36 min, Strecke: 349 km, von Cardinton über Grantham und Spalding wieder zurück
  4. - 20. Januar 1930, Dauer: 7 h 18 min, Strecke: 344 km, von Cardington über London, Croydon, Reading und zurück
  5. - 29. Januar 1930, Dauer: 53 h 52 min, Strecke: 2865 km, von Cardington über Südwest-England, den Ärmelkanal, die Kanalinseln und zurück
  6. - 21.-22. Mai 1930, Dauer: 22 h 50 min, Strecke: 1112 km, von Cardington und wieder zurück, es wurden Hüllentests durchgeführt, Danach musste die Spitze des Hecks repariert werden.
  7. - 25.-26. Juli 1930, Dauer: 24 h 16 min, Strecke: 1296 km, von Cardington über Midlands, Wales, Kanalinseln und zurück
  8. - 29. Juli-1. August 1930, Dauer: 78 h 49 min, Strecke: 5414 km, von Cardington nach Montreal
  9. - 10.-11. August 1930, Dauer: 25 h 57 min, Strecke: 1296 km, von Montreal nach Québec und zurück
  10. - 13.-16. August 1930, Dauer: 57 h 56 min, Strecke: 4756 km, von Montreal nach Cardington

Die Gesamtfahrzeit betrug 294 Stunden und 10 Minuten (etwas über 12 Tage); dabei wurden 17 920 km zurückgelegt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: R100 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien