Realteilung

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Dieser Artikel behandelt den Begriff der Realteilung im Erbrecht, für den Versorgungsausgleich siehe Realteilung (Familienrecht).

Realteilung (historisch) oder auch Realerbteilungsrecht bedeutet, dass der Besitz einer Familie, insbesondere der Landbesitz (früher als Realitäten[1] bezeichnet), unter den Erbberechtigten gleich aufgeteilt wird. Diese Aufteilung findet bei jedem Erbgang statt, sodass die Anzahl von Kleinstparzellen mit der Zeit ansteigt. Im Gegensatz dazu steht das Anerbenrecht.

Geschichte[Bearbeiten]

In adligen Familien war das Prinzip der Realteilung (im Gegensatz zum Fideikommiss) seit dem Mittelalter verbreitet und führte unter anderem auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches zur Territorialisierung (kritisch: Kleinstaaterei).

Adlige wie bäuerliche Realteilung wurde in Deutschland etwa südlich einer Linie Aachen, Bonn, Marburg, Erfurt praktiziert. In anderen Gebieten Deutschlands konnte entweder der älteste Sohn (Majorat) den elterlichen Besitz übernehmen oder nur der jüngste Sohn erbte den Hof (Minorat). Es gab auch Sonderformen: So wurde etwa in Hessen der Besitz nur ungeteilt weitergegeben, wenn er eine bestimmte Größe hatte, etwa > 5 ha. Zum Teil sind kuriose Auswüchse der gleichmäßigen Erbteilung überliefert, etwa die physische Teilung und damit Zerstörung einer Bibel oder eines Springerle-Models.

In der Landwirtschaft führte die fortgesetzte Realteilung zu einer Zersplitterung des Ackerlandes in eine Vielzahl kleiner Äcker, oft in Form schmaler Streifen. Diese waren sehr ineffizient zu bearbeiten, zudem ging ein relativ hoher Anteil der nutzbaren Fläche für Grenzstreifen und Zufahrtswege verloren. Aus ökologischer Sicht führte dies zwar zur Entwicklung artenreicher Wiesen- und Heckenbiotope, wirtschaftlich gesehen ist dieser Zustand jedoch zunehmend unhaltbar. Daher wurden in der Geschichte immer wieder Flurbereinigungen durchgeführt. Dabei wird der Grundbesitz an Ackerland (teilweise auch Waldbesitz) in einem bestimmten Gebiet mit dem Ziel umverteilt, anstelle zahlreicher kleiner nur noch wenige zusammenhängende Grundstücke von insgesamt zumindest gleichem Wert zu erhalten.

Höfeordnung[Bearbeiten]

Die Ursache für die verschiedenen Lösungen waren die Höfeordnungen in der Landwirtschaft, die unterschiedliche Regelungen zum Inhalt haben. Sie können aber durch vertragliche Regelungen außer Kraft gesetzt werden, indem andere Verträge unter Lebenden im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge getroffen werden.

Soziale Folgen der Realteilung am Beispiel Altwürttembergs[Bearbeiten]

Die Realteilung in Württemberg hatte eine Vielzahl gesellschaftlicher Folgen. Die Realteilung förderte eine gewisse Gleichheit, weil Frauen und Männer gleichmäßig erbberechtigt waren und weil ein einzelnes Kind armer Eltern mehr erben konnte als ein Vermögender aus einer kinderreichen Familie.

Die Realteilung führte dazu, dass die Äcker bald zu klein waren, um eine Familie zu ernähren, deshalb gab es in Württemberg schon früh Nebenerwerbslandwirte, die nebenbei ein Handwerk betrieben. Gleichzeitig sicherte das ererbte Gut einen Mindestunterhalt, denn man erbte nicht nur ein Stück Acker, sondern auch einen Anteil am elterlichen Haus. Allerdings waren das oft nur einzelne Zimmer, in denen sich ganze Familien zusammendrängten.

Als Württemberg industrialisiert wurde, konnten die Fabrikanten auf eine breite Schicht von erfahrenen Kleinhandwerkern zurückgreifen, die gern in die Fabrik eintraten, weil hier die Verdienstmöglichkeiten besser waren. Allerdings mussten die Fabrikanten noch lange dagegen kämpfen, dass ihre Arbeiter in der entsprechenden Jahreszeit eher ihre Feldarbeit erledigten.

Andererseits fühlten sich die württembergischen Arbeiter lange nicht als Angehörige des Proletariats, sondern sie waren eben auch Landbesitzer. Deshalb war die Arbeiterbewegung hier traditionell eher gemäßigt.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl. engl. "real estate" = Grundstück, Grundbesitz

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

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